Religionen: Einführung

Religion_betende Hände

Woran wir Menschen glauben …

Einführung zur Religion: Alles, was uns heilig ist

Unter dem Begriff Religion wird eine Vielzahl von Weltanschauungen zusammengefasst. Grundlage jeder Religion ist der Glaube an eine übernatürliche („transzendente“) Sphäre oder Wesenheit. Diese Wesenheit nennt man Gott. Es ist umstritten, ob Religionen „wahr“ sind, das heißt, ob die von ihnen angenommenen Gottheiten wirklich existieren.

Polytheistische und monotheistische Religion


Die größten Glaubensgemeinschaften nennt man Weltreligionen. Es gibt polytheistische Religionen, die eine Vielzahl von Göttern verehren, so etwa im Hinduismus oder historisch in der griechischen und römischen Religion. Monotheistische Religionen glauben nur an einen einzigen Gott.

Zu ihnen gehören die christlichen Konfessionen, das Judentum und der Islam. Diese drei werden auch „abrahamitische“ Religionen genannt, da in ihnen der israelitische Stammvater Abraham eine wichtige Rolle spielt.

Abrahamitische Religionen

Religion: Christentum und Jesus am Kreuz
Jesus am Kreuz (Bildnachweis)

Christen­tum

Jesus von Nazareth wurde von seinen Anhängern als der im alten Testament angekündigte Messias betrachtet und verehrt. Von den römischen Machthabern in Jerusalem wurde er zum Tode verurteilt und gekreuzigt. Christen glauben, dass es Jesus wirklich gab, an seine göttliche Herkunft und auch an seine Auferstehung.

Judentum Gebet Klagemauer Israel
Juden beten in Jerusalem (Bildnachweis)

Juden­tum

Das Judentum ist die älteste abrahamitische Religion. Die Geschichte des Judentums umspannt drei Jahrtausende. Grundlage der jüdischen Eingottlehre ist der Glaube an den israelitischen Gott Jahwe, wie er in den fünf Büchern Mose in der Tora überliefert ist. Das Judentum ist weltweit verbreitet und zählt rund 13 Mio. Anhänger.

Religion Islam Moschee Allah
Sheikh-Zayed-Moschee (Bildnachweis)

Islam

Abrahams Sohn Ismael soll einer der Vorfahren des Propheten Mohammed sein. Der gegen 570 in Mekka geborene Mohammed wurde mit 40 Jahren vom Engel Gabriel zum Propheten „berufen“. Die wörtliche Offenbarung Allahs wurde im Koran in 114 Suren verschriftlicht. Das Fundament der islamischen Praxis bilden die „fünf Säulen“.

Hinduismus und Buddhismus

Religion Hinduismus Ganesha Gott
Der elefantenköpfige Gott Ganesha (Bildnachweis)

Hinduismus

Rund eine Milliarde Anhänger (Hindus) glauben an eine komplexe Vielfalt unterschiedlicher Gottheiten und spiritueller Strömungen. Zu den wichtigsten gehören Brahma (Erschaffer der Welt), Vishnu (Erhalter der Welt), Shiva (Zerstörer der Welt) und die weibliche Urkraft Shakti. Hinduistische Strömungen reichen bis in die Steinzeit zurück. Mit den „Veden“ entstanden ab 1750 v. u. Z. heilige Schriften.

Religion Buddhismus Buddha
Buddha-Statuen (Bildnachweis)

Buddhismus

Siddharta Gautama lebte wahrscheinlich im 4. Jahrhundert v. u. Z. in Nordindien. Seine Lehren beruhen nicht auf der Überzeugung von einem allmächtigen Schöpfergott (Theismus), sondern auf vier „edlen Wahrheiten“. In deren Zentrum steht das Leiden und die Befreiung des Menschen. Als ein „Erwachter“ führte er forthin den Ehrentitel des „Buddha“. Rund 450 Mio. Menschen glauben an seine Lehren.

Religionskritik, Agnostizismus und Atheismus

Längst nicht alle Menschen glauben an Gott oder gehören einer christlichen Konfession an. In Deutschland stellen die Konfessionslosen mittlerweile sogar die größte Bevölkerungsgruppe dar. Religionskritik begleitet religiöse Überzeugungen und Glaubenssysteme seit Jahrtausenden – oft ausgehend von anderen Religionen mit Absolutheitsanspruch.

Der Agnostizismus vertritt den Standpunkt, der Mensch könne keine Erkenntnis darüber gewinnen, ob eine göttliche Macht existiert oder nicht. Atheisten hingegen argumentieren, dass es nicht genügend Belege für die Annahme eines übernatürlichen Wesens gibt und schließen daraus auf die Nicht-Existenz Gottes. Ebenso bestreitet der Atheismus die Notwendigkeit religiöser Überzeugung für die Grundlegung der Moral/Ethik. Manche Religionen greifen diese Haltung an, indem sie behaupten, dass Atheisten an „nichts“ glauben.

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„Das ethische Verhalten des Menschen ist wirksam auf Mitgefühl, Erziehung und soziale Bindung zu gründen und bedarf keiner religiösen Grundlage. Es stünde traurig um die Menschen, wenn sie durch Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Belohnung nach dem Tode gebändigt werden müssten.“

Albert Einstein [Religion und Wissenschaft, 1930]


Was ist Religion? Definition und Ursprung

Der Begriff „Religion“ leitet sich vom lateinischen „religio“ ab, das ursprünglich Pflicht, Ehrfurcht und gewissenhafte Sorgfalt bedeutete. 

Die moderne Verwendung des Begriffs umfasst eine Vielzahl von Glaubenssystemen, die sich mit der Verehrung von Göttern, übernatürlichen Kräften und dem Sinn des Lebens beschäftigen. Religionen bieten häufig Antworten auf existenzielle Fragen, moralische Richtlinien und einen sozialen Zusammenhalt für ihre Anhänger.

Historische Entwicklung der Religionen

Die Ursprünge der Religionen sind tief in der Frühgeschichte der Menschheit verwurzelt. Archäologische Funde und anthropologische Studien legen nahe, dass bereits prähistorische Menschen religiöse Praktiken entwickelten, wie Totenkulte und Rituale, die auf eine Vorstellung vom Leben nach dem Tod hindeuten. 

Religion könnte aus dem Bedürfnis entstanden sein, Naturphänomene zu erklären und den Tod zu „bewältigen“. Dies würde erklären, warum viele Götter der Menschheitsgeschichte mit Naturerscheinungen wie Blitzen (Zeus), Donner (Thor), Stürmen (Adad) oder Sintfluten zu tun haben. 

Auch der jüdisch-christliche monotheistische Gott Jahwe begann seine „Karriere“ als lokaler Wettergott, bevor er zum alleinigen Gott erhoben wurde. Dem ging möglicherweise eine Phase des Henotheismus voraus (das ist Polytheismus mit einem Hauptgott).

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Die Angst vor dem Tod kann auch eine treibende Kraft sein, um Mythen und Geschichten von Göttern, göttlichen Sphären und einem Ort des „geistigen Überlebens“ zu erfinden.

Das „Jenseits“ gibt es daher in zahllosen Mythen, oft in Verbindung mit einer Hölle als Ort der Bestrafung für Menschen, die im irdischen Leben nicht den jeweiligen Moralvorstellungen entsprochen haben. 

Gibt es eine Hölle?
Eine „Hölle“ gibt es in zahlreichen religiösen Vorstellungen

Frühe Religionen und polytheistische Systeme

In den ältesten bekannten Zivilisationen, wie Mesopotamien, Ägypten und dem Indus-Tal, finden sich komplexe polytheistische Religionen. 

Diese Religionen umfassten Pantheons von Göttern, die verschiedene Aspekte der Natur und des menschlichen Lebens verkörperten. Diese Götter wurden oft durch aufwendige Rituale und Tempel verehrt, was zu einer engen Verbindung zwischen Religion und Staat führte.

Definition von polytheistischen Religionen

Polytheistische Religionen sind Glaubenssysteme, die die Existenz und Verehrung mehrerer Götter beinhalten. Diese Götter verkörpern oft verschiedene Aspekte der Natur, des menschlichen Lebens oder abstrakte Konzepte.

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Im Gegensatz zum Monotheismus, der den Glauben an einen einzigen Gott propagiert, bietet der Polytheismus ein vielfältiges Pantheon, das die Komplexität und Vielfalt menschlicher Erfahrungen widerspiegelt. Hier findest du eine (unvollständige) Liste von Göttern. Im Nachfolgenden beschreiben wir die wichtigsten polytheistischen Religionen kurz.

Hinduismus: Eine der ältesten Religionen der Welt

Der Hinduismus ist eine der ältesten kontinuierlich praktizierten Religionen und zeichnet sich durch eine polytheistische Struktur mit tausenden von Göttern aus.

Die Ursprünge des Hinduismus lassen sich bis in die Indus-Tal-Zivilisation (ca. 3300–1300 v. u. Z.) zurückverfolgen. Die vedische Periode (ca. 1500–500 v. u. Z.) legte den Grundstein für viele der heutigen hinduistischen Glaubenspraktiken. Somit ist der Hinduismus mindestens 3.500 Jahre alt, wobei einige seiner Elemente möglicherweise noch älter sind.

  • Brahma: Der Schöpfergott, Teil der hinduistischen Trinität (Trimurti).
  • Vishnu: Der Erhalter des Universums, bekannt für seine Inkarnationen (Avatare) wie Krishna und Rama.
  • Shiva: Der Zerstörer und Erneuerer, ebenfalls Teil der Trimurti.
Gottesbilder Hinduismus
Gottesbild aus Indien: Der tanzende Shiva
(Humboldtforum Berlin)

Altägyptische Religion: Götterwelt entlang des Nils

Die Religion des alten Ägyptens war geprägt von einem reichen Pantheon, das das tägliche Leben und die Kosmologie der alten Ägypter maßgeblich beeinflusste.

Die religiösen Praktiken des alten Ägyptens entwickelten sich während der prädynastischen Periode (ca. 4000–3100 v. u. Z.) und blühten bis zur Christianisierung Ägyptens im 4. Jahrhundert n. u. Z. Somit erstreckte sich die altägyptische Religion über etwa 4.000 Jahre.

  • Ra: Der Sonnengott, der als Schöpfer und oberster Gott verehrt wurde.
  • Osiris: Gott des Jenseits und der Wiedergeburt, Herrscher der Unterwelt.
  • Isis: Göttin der Magie und des Lebens, Schutzgöttin und Mutter des Horus.

Griechische Religion: Mythen und Olympische Götter

Die griechische Religion ist bekannt für ihr Pantheon der Olympischen Götter und eine Vielzahl von Mythen, die bis heute kulturell einflussreich sind. Dazu gehört die Erschaffung des Kosmos, der Kampf der Titaten, die olympischen Götter – aber auch die zahlreichen Heldensagen wie die von Theseus, Perseus, Achilles, Oedipus, Ikarus, Orpheus oder Sisyphos. 

Was sind Gottesbilder?
Lebensgroße skulpturale Darstellung eines griechischen Satyrn (Dämonen),
Antikensammlung Berlin, Bild: konfessionen.org

Die Wurzeln der griechischen Religion reichen bis in die mykenische Zeit (ca. 1600–1100 v. u. Z.) zurück. Ihre Blütezeit erlebte sie während der klassischen Periode (5.–4. Jahrhundert v. u. Z.) und blieb bis in die Spätantike präsent, bevor das Christentum im weströmischen und oströmischen Reich zur dominanten Religion wurde. Insgesamt umfasst die griechische Religion somit etwa 1.500 Jahre aktiver Praxis.

  • Zeus: König der Götter, Herrscher über den Himmel und das Wetter.
  • Hera: Göttin der Ehe und Familie, Ehefrau von Zeus.
  • Athene: Göttin der Weisheit, des Krieges und der Kunst.
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Römische Religion: Von den Numen zu den Staatsgöttern

Die römische Religion, eng verwandt mit der griechischen, entwickelte ihre eigene Götterwelt und religiöse Praktiken, die das öffentliche und private Leben der Römer bestimmten.

Die römische Religion begann mit der Gründung Roms im 8. Jahrhundert v. u. Z. und dauerte bis zur Etablierung des Christentums als Staatsreligion im 4. Jahrhundert n. u. Z. durch Kaiser Konstantin („konstantinische Wende“). Damit erstreckte sie sich über etwa 1.200 Jahre.

  • Jupiter: Oberster Gott des römischen Pantheons, vergleichbar mit Zeus.
  • Juno: Göttin der Ehe und Geburt, Gemahlin von Jupiter.
  • Mars: Gott des Krieges, Schutzpatron Roms.
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Nordische Religion: Götterwelt der Wikinger

Die nordische Religion, praktiziert von den germanischen Völkern Skandinaviens, beinhaltete ein Pantheon von Göttern wie Odin, Thor und Freyja.

Diese Religion war vor allem zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert n. u. Z. in Skandinavien präsent, bevor das Christentum sie weitgehend verdrängte. Dennoch haben einige ihrer Elemente in Volksbräuchen und Mythen überlebt.

Nordische Schöpfungsmythen_Der Riese Ymir
In der nordischen Schöpfungs-Sage spielt der Riese Ymir eine entscheidende Rolle

Mesopotamische Religion: die Götter Sumer, Akkads und Babylons

Die mesopotamische Religion umfasst die Glaubenssysteme der sumerischen, akkadischen, babylonischen und assyrischen Kulturen, die eine Vielzahl von Göttern verehrten.

  • Marduk: Oberster Gott Babylons, Schöpfergott und Herrscher über das Pantheon.
  • Ishtar: Göttin der Liebe, Fruchtbarkeit und des Krieges, bekannt als Königin des Himmels.
  • Enlil: Gott des Windes, der Erde und des Sturms, eine zentrale Gottheit in der sumerischen Religion.

Die sumerische Religion begann um 3500 v. u. Z. und entwickelte sich durch verschiedene Epochen, einschließlich der akkadischen und babylonischen, bis etwa zum 1. Jahrhundert n. u. Z., als andere Religionen die Region dominierten. Insgesamt existierte sie über 3.500 Jahre.

Sumer und Akkad
Gilgamesch

Aztekische Religion: Götter und Rituale Mesoamerikas

Die aztekische Religion, praktiziert im präkolumbianischen Mexiko, war bekannt für ihre komplexen Rituale und ein reichhaltiges Pantheon unterschiedlicher Einzelgötter.

Die Azteken gründeten Tenochtitlán im Jahr 1325 n. u. Z., und ihre Religion blühte bis zur spanischen Eroberung im Jahr 1521 n. u. Z. Obwohl sie nur etwa 200 Jahre dauerte, war ihre religiöse Praxis intensiv und kulturell bedeutend.

  • Huitzilopochtli: Kriegsgott und Schutzpatron der Azteken, verbunden mit der Sonne.
  • Quetzalcoatl: Gefiederte Schlangengottheit, Gott des Windes, des Wissens und des Schöpfertums.
  • Tlaloc: Gott des Regens und der Fruchtbarkeit.

Polynesische Religion: Götter der Inselwelten

Die polynesische Religion umfasst die Glaubenssysteme der verschiedenen polynesischen Kulturen, die zahlreiche Götter und mythologische Figuren verehrten.

Diese Religionen entwickelten sich unabhängig in den verschiedenen polynesischen Inselgruppen, beginnend um 1000 v. u. Z., und blieben bis zur Kolonialisierung im 18. und 19. Jahrhundert n. u. Z. weitgehend unberührt. Somit haben sie eine über 2.000-jährige Geschichte.

Keltische Religion: Götter der Druiden

Die keltische Religion war geprägt von einer Vielzahl von Gottheiten und Geistern, die von den keltischen Völkern wie zum Beispiel Germanen, Bretonen, Galliern, Kymren, Belgiern und Walisern in weiten Teilen Europas verehrt wurden.

Ostern Hintergrund Kelten

Die keltische Religion entwickelte sich etwa um 500 v. u. Z. und blieb bis zur Christianisierung der keltischen Gebiete zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert n. u. Z. prägend. Ihre Einflüsse sind in der Folklore und einigen Bräuchen bis heute spürbar. Hier einige Götter des keltischen Irlands:

  • Lugh: Sonnengott und Gott des Lichts, der Künste und des Handwerks.
  • Brigid: Göttin der Heilung, der Poesie und der Schmiedekunst.
  • Cernunnos: Gehörnter Gott der Natur, Tiere und Fruchtbarkeit.

Einige der gallischen Hauptgötter sind aus den Comic-Abenteuern von Asterix und Obelix einem breiten Publikum bekannt. 

  • Belenos: Gott des Heilens und der Wasserquellen.
  • Teutates: Haupt-Stammesgottheit.
  • Belisama: Göttin des Wasser und der Handwerkskunst.
  • Taranis: Sturm- und Donnergott.

Es gibt aber auch noch viele Dutzend weitere gallische Götter sowie Götter aus anderen keltischen Kulturen. „Kelten“ war ein Sammelbegriff der griechischer und römischer Autoren für einige Völker Europas, die sie als zusammengehörig empfanden. Eine eng zusammenhängende „pan-keltische“ Kultur gab es aber in diesem Sinn nicht.

Kennzeichnende Elemente der keltischen Religion waren die Mantik (Sehen in die Zukunft), kultisches Opfern von Gegenständen, Tieren und sogar Menschen. Mit den Druiden, Vates (Sehern) und Filid (Barden) stand für kultische Handlungen auch spezielles Kultpersonal zur Verfügung. 

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Inuit-Religion: Götter und Geister der Arktis

Die Inuit-Religion umfasst die spirituellen Überzeugungen und Praktiken der Inuit, die in den arktischen Regionen Nordamerikas und Grönlands leben.

Diese Religion hat sich über Jahrtausende hinweg entwickelt und ist tief in der Natur und den Lebensbedingungen der Arktis verwurzelt. Obwohl die Christianisierung im 19. und 20. Jahrhundert Einzug hielt, bleiben viele traditionelle Überzeugungen weiterhin relevant.

Die Inuit-Religion war animistisch: Tiere, Pflanzen, leblose Dinge und sogar Begriffe hatten dieser Auffassung nach eine Art Seele. Die Welt war zudem voller Geistwesen, über denen noch einige Götter oder gottähnliche Figuren standen. Schamanen waren das Medium zwischen der Geisterwelt und der Welt der Inuit.

Yoruba-Religion: Götterwelt Westafrikas

Die Yoruba-Religion stammt aus Westafrika und beinhaltet ein Pantheon von Göttern, bekannt als Orishas, die verschiedene Aspekte des Lebens und der Natur kontrollieren.

  • Olodumare: Der höchste Gott, der Schöpfer des Universums.
  • Shango: Gott des Donners, Blitzes und des Krieges.
  • Oshun: Göttin der Liebe, des Flusses und der Fruchtbarkeit.

Die Yoruba-Religion hat ihre Wurzeln in der Kultur der Yoruba, die mindestens seit dem 1. Jahrtausend n. u. Z. in der Region des heutigen Nigeria ansässig sind. Diese Religion hat sich bis heute erhalten und hat durch die Diaspora eine bedeutende Rolle in der afroamerikanischen und karibischen Kultur, insbesondere im Santería und Candomblé, erlangt. Besonders bekannt ist der Voodoo-Glaube.

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Ein Voodoo-Altar (Symbolbild)

Schintoismus: Der Glaube an Kami

Der Shintoismus ist die indigene Religion Japans, die den Glauben an Kami, spirituelle Wesen oder Götter, umfasst.

Die Ursprünge des Shintoismus gehen auf die Frühgeschichte Japans zurück, etwa um 1000 v. u. Z., und er hat sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt. Obwohl er von anderen Religionen wie dem Buddhismus beeinflusst wurde, bleibt der Shintoismus ein zentraler Bestandteil der japanischen Kultur und Gesellschaft.

  • Amaterasu: Sonnengöttin und zentrale Gottheit im Shinto, Ahnherrin des japanischen Kaiserhauses.
  • Susanoo: Gott des Meeres und der Stürme, Bruder von Amaterasu.
  • Tsukuyomi: Mondgott und Bruder von Amaterasu und Susanoo.
  • Tenjin: Gott der Gelehrten.
  • Ebisu: Gott des Handels und des Glücks. 

Maya-Religion: Kosmologie und Götter Mesoamerikas

Die Maya-Religion war geprägt von einer komplexen Kosmologie und einer Vielzahl von Göttern, die in den alten Maya-Städten verehrt wurden.

Die Maya-Zivilisation begann etwa 2000 v. u. Z. und erreichte ihre Blütezeit zwischen 250 und 900 n. u. Z. Die Maya-Religion wurde bis zur spanischen Eroberung im 16. Jahrhundert praktiziert und hat in der heutigen Zeit noch immer Einfluss auf die indigene Bevölkerung Mittelamerikas.

  • Kukulkan: Gefiederte Schlangengottheit, vergleichbar mit Quetzalcoatl in der aztekischen Religion.
  • Chaac: Regengott und Gott des Donners und der Fruchtbarkeit.
  • Itzamna: Gott des Himmels, der Weisheit und Schöpfergott.

Slawische Religion: Götterwelt Osteuropas

Die slawische Religion war die vorchristliche Religion der slawischen Völker in Osteuropa, die eine Vielzahl von Naturgöttern und Geistern verehrte.

Diese Religion entwickelte sich im ersten Jahrtausend n. u. Z. und war bis zur Christianisierung der slawischen Gebiete im 9. bis 11. Jahrhundert n. u. Z. weit verbreitet. Einige Elemente der slawischen Religion überdauern in Volksbräuchen und Mythen.

  • Perun: Gott des Donners und des Krieges, oberster Gott des slawischen Pantheons.
  • Veles: Gott der Erde, der Wälder, der Tiere und der Unterwelt.
  • Mokosh: Göttin der Fruchtbarkeit, des Wassers und des Schicksals.

Indigene Religionen Nordamerikas: Glaube der Native Americans

Die indigenen Religionen Nordamerikas umfassen die spirituellen Überzeugungen und Praktiken der verschiedenen Native American Stämme, die in Harmonie mit der Natur und den Geistern lebten.

Diese Religionen existierten bereits vor der Ankunft der Europäer im 15. und 16. Jahrhundert und haben eine Geschichte, die mehrere tausend Jahre zurückreicht. Trotz der Unterdrückung während der Kolonialzeit existieren diese Glaubenssysteme weiterhin und erleben heute in vielen Gemeinschaften eine Wiederbelebung. Hier einige Götter aus verschiedenen Kulturen (deren name in Klammern).

  • Manitou: Eine zentrale spirituelle Kraft, die alles durchdringt. (Algonkin)
  • Wakan Tanka: ein zusammengesetztes Wesen, das aus mehreren Wakanpi (heiligen Wesen) besteht. (Lakota)
  • Hanwi: Mondgöttin, die mit der Nacht und den Geistern der Verstorbenen verbunden ist. (Lakota)
  • Hahgwehdiyu: Ein guter Geist und Schöpfer, der zusammen mit seinem Zwillingsbruder Hä-gweh-da-ët-gä die Erde formte. (Haudenosaunee/Irokesen)
  • Gaol: Die Windgottheit der Irokesen, die für das Wetter und die Winde verantwortlich ist.
  • Kokopelli: Ein fruchtbarkeitsbringender Geist und Trickster, oft dargestellt als Buckliger mit einer Flöte. (Hopi)
  • Changing Woman (Asdzą́ą́ Nádleehi): Eine zentrale Göttin, die das Leben, die Fruchtbarkeit und den Wechsel der Jahreszeiten repräsentiert. (Navajo)
  • Black God: Ein Gott des Feuers und der Sterne, der als Schöpfer der Sternbilder bekannt ist. (Navajo)
  • Unetlanvhi: Wörtlich „Schöpfer“ oder „Großer Geist“, der höchste Gott und Schöpfer des Universums. (Cherokee)
  • Ussen: Der Schöpfergott und höchste Geist, der die Erde und alles Leben darauf erschaffen hat. (Apachen)
  • Yolkai Estsan: Göttin des Himmels und der Morgenröte, die das Licht in die Welt bringt. (Apachen)

Babylonische Religion: Götter und Mythen Mesopotamiens

Die babylonische Religion war eng mit der sumerischen und akkadischen Religion verwandt und enthielt ein Pantheon von Göttern, das die kosmische Ordnung und das Schicksal der Menschen lenkte, angeführt von Marduk, dem Stadtgott Babylons. 

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Marduk kämpft gegen das Chaos-Monster Tiamat

Sie umfasste komplexe Rituale und Mythen, die die Schöpfung der Welt, den Kampf der Götter und die Ordnung des Universums erklärten. Tempelkulte, Opfergaben und Orakel spielten eine zentrale Rolle, und die Religion war eng mit der staatlichen Macht und der königlichen Ideologie verknüpft.

Diese Religion entstand mit dem Aufstieg Babylons um 2000 v. u. Z. und blühte bis zur Eroberung durch die Perser im 6. Jahrhundert v. u. Z. auf. Ihre Mythen und Götter, wie Marduk, beeinflussten später auch andere Religionen im Nahen Osten.

Etruskische Religion

Die etruskische Religion war die Glaubenswelt der Etrusker, eines antiken Volkes in Italien, und beeinflusste später die römische Religion. Sie war stark von Ritualen geprägt, mit einem Schwerpunkt auf Wahrsagerei und Vorzeichen. Die Etrusker verehrten eine Vielzahl von Göttern, ähnlich denen der römischen und griechischen Pantheons, mit Tinia als oberstem Gott. Die Religion spielte eine zentrale Rolle im politischen und sozialen Leben, und Priester hatten großen Einfluss.

Die etruskische Religion entstand um 700 v. u. Z. und hielt sich bis zur Assimilation der Etrusker durch die Römer im 1. Jahrhundert v. u. Z. Ihre Götter und Rituale hinterließen deutliche Spuren in der römischen Religion.

Zusammenfassung: Die Bandbreite des Polytheismus

Diese Liste polytheistischer Religionen zeigt, welche enorme Vielfalt und welcher Reichtum religiöser Überzeugungen im Laufe der Geschichte existiert haben. Trotz der Verbreitung monotheistischer Religionen hat der Polytheismus weltweit tiefe Spuren hinterlassen, die bis heute in Traditionen, Mythen und kulturellen Praktiken lebendig sind.

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Einführung: Übergang zu monotheistischen Religionen

Der Übergang vom Polytheismus zum Monotheismus markiert einen bedeutenden Wandel in der Religionsgeschichte. 

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Die Erfindung Gottes: Eine Reise zu den Quellen des Monotheismus
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Monotheismus: Entstehung, Zerfall, Wandlung
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Echnaton oder Die Erfindung des Monotheismus: Zur Korrektur eines Mythos
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Es ist möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass es Übergangsstufen wie Henotheismus und Monolatrie gab – also oder dauerhafte oder zeitweise Verehrung eines Hauptgottes unter den vielen.

Das Judentum gilt als eine der ersten monotheistischen Religionen, die den Glauben an einen einzigen, allmächtigen Gott etablierte und sich vom Konzept mehrere Götter endgültig verabschiedete. Diese werden im Tanach (= Hebräische Bibel = Altes Testament) teilweise auch erwähnt, so etwa Baal als Sammelbegriff levantinischer lokaler Hauptgötter oder eine „Sonnengöttin“.

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Der Tanach
Tanach – Lehrbuch der jüdischen Bibel
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Diese Idee wurde später durch das Christentum und den Islam weiter verbreitet. Beide gingen aus dem jüdischen Monotheismus hervor. Dieser Übergang zum Monotheismus wurde oft durch soziale, politische und kulturelle Veränderungen in den Gesellschaften begleitet, in denen diese Religionen entstanden.

Einfluss der Religion auf Gesellschaft und Kultur

Religion hat über Jahrtausende hinweg einen starken Einfluss auf die Entwicklung von Kulturen, Gesetzen und sozialen Strukturen ausgeübt. In vielen antiken Zivilisationen war Religion eng mit dem politischen System verflochten, und religiöse Führer hatten oft bedeutende Macht.

Auch in der modernen Zeit bleibt Religion ein einflussreicher Faktor in vielen Gesellschaften, obwohl ihre Rolle und Bedeutung in säkularisierten Staaten oft zurückgegangen ist.

In vielen Ländern spielt sie eine zentrale Rolle bei der Gestaltung von Gesetzen und politischen Entscheidungen, insbesondere in Fragen der Moral und Ethik, wie etwa bei Themen wie Abtreibung, gleichgeschlechtlicher Ehe und Bildung.

Religion kann auch als Identitätsmerkmal dienen, das politische Gruppen und Parteien prägt, was in Konflikten oder sozialen Bewegungen sichtbar wird. In einigen Staaten, besonders in Theokratien oder Ländern mit stark religiösem Einfluss, bestimmt die Religion die Struktur und Ausrichtung der Regierung direkt. Selbst in säkularen Staaten bleibt Religion ein wichtiger Faktor in politischen Debatten und Wahlkämpfen.

Religion in der Moderne – Wandel und Herausforderungen

In vielen Teilen der Welt hat die Säkularisierung dazu geführt, dass Religion ihre zentrale Rolle im öffentlichen und privaten Leben vieler Menschen verloren hat.

Säkularisierung 

Säkularisierung bezeichnet den Prozess der Trennung von Religion und Staat, bei dem religiöse Institutionen und Überzeugungen zunehmend an Einfluss auf öffentliche und politische Angelegenheiten verlieren. 

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Historisch begann die Säkularisierung in Europa während der Aufklärung im 18. Jahrhundert, als wissenschaftliches Denken und individuelle Freiheit an Bedeutung gewannen und die Macht der Kirche zurückgedrängt wurde. 

Dieser Prozess setzte sich im 19. und 20. Jahrhundert fort, insbesondere in westlichen Gesellschaften, wo Religion zunehmend als private Angelegenheit betrachtet wurde. Säkularisierung führte zur Entstehung moderner, säkularer Staaten, in denen Gesetze und Politik unabhängig von religiösen Dogmen gestaltet werden.

Rückgang der Religiosität

Besonders in westlichen Gesellschaften ist ein Rückgang der Religiosität zu beobachten, begleitet von einer zunehmenden Trennung von Staat und Religion. Diese Entwicklung hat jedoch auch zu Spannungen geführt, insbesondere in Gesellschaften, in denen Religion weiterhin eine starke soziale und kulturelle Rolle spielt.

Religion und Wissenschaft

Ein weiteres Spannungsfeld in der Moderne ist das Verhältnis zwischen Religion und Wissenschaft. 

Während Religionen oft auf göttliche Offenbarungen und übernatürliche Erklärungen zurückgreifen, basiert die Wissenschaft auf empirischen Beweisen und rationalen Überlegungen.

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Dieser Konflikt hat sich besonders im Zusammenhang mit der Evolutionstheorie und der Schöpfungsgeschichte manifestiert. Dennoch gibt es auch Versuche, Religion und Wissenschaft zu harmonisieren und miteinander in Einklang zu bringen.

Religion und Politik

Religion spielt weiterhin eine bedeutende Rolle in der Politik vieler Länder. In einigen Staaten ist Religion fest in das politische System integriert, wie etwa in islamischen Theokratien.

In anderen, insbesondere westlichen Demokratien, bleibt Religion ein wichtiger Faktor in politischen Debatten, etwa in Fragen der Ethik, Bildung und sozialen Gerechtigkeit. Die Trennung von Religion und Staat wird jedoch zunehmend als wichtiges Prinzip betrachtet, um religiöse Neutralität und Gleichberechtigung zu gewährleisten.

Kritische Perspektiven auf Religion

Religion als Machtinstrument

Kritiker argumentieren, dass Religion oft als Machtinstrument verwendet wurde und wird, um gesellschaftliche Kontrolle auszuüben. Historisch gesehen diente Religion häufig dazu, Herrschaft zu legitimieren und soziale Hierarchien zu festigen.

Gott_Kriege wegen Religion
Die zweitägige Schlacht bei Nördlingen war eine der Hauptschlachten des Dreißigjährigen Krieges

Auch in der Moderne wird Religion manchmal genutzt, um politische Agenden zu fördern oder soziale Konflikte zu schüren. Beispiele:

  • Nahostkonflikt: Der israelisch-palästinensische Konflikt ist stark von religiösen Überzeugungen geprägt. Sowohl jüdische als auch muslimische Gruppierungen nutzen religiöse Ansprüche auf das Land, insbesondere auf heilige Stätten wie Jerusalem, um ihre politischen Ziele zu untermauern.
  • Religiöser Extremismus: Gruppen wie der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) oder Boko Haram verwenden eine extreme Auslegung des Islam, um politische Macht zu erlangen und soziale Unruhen zu verursachen. Sie rechtfertigen Gewalt und Terrorismus im Namen der Religion, um ihre politischen Ziele durchzusetzen.
  • Hindunationalismus: In Indien nutzen hindu-nationalistische Parteien wie die Bharatiya Janata Party (BJP) religiöse Rhetorik, um politische Macht zu konsolidieren und religiöse Spannungen zwischen Hindus und Muslimen zu verschärfen. Dies hat zu Gewalt und Diskriminierung gegen religiöse Minderheiten geführt.
  • USA – Evangelikale Christen und Politik: In den Vereinigten Staaten spielt die evangelikale Bewegung eine bedeutende Rolle in der Politik, insbesondere bei Themen wie Abtreibung, LGBTQ+-Rechten und Bildung. Evangelikale Führer mobilisieren religiöse Wähler, um konservative politische Agenden zu fördern.
  • Buddhismus und Rohingya-Krise: In Myanmar wurde der Buddhismus von nationalistischen Mönchen und politischen Führern instrumentalisiert, um Gewalt gegen die muslimische Rohingya-Minderheit zu rechtfertigen. Dies hat zu schweren Menschenrechtsverletzungen und einer humanitären Krise geführt.
  • Nordirlandkonflikt: Dieser auch als „The Troubles“ bekannte Konflikt, der von den späten 1960er Jahren bis zum Karfreitagsabkommen 1998 andauerte, war sowohl politisch als auch religiös geprägt, forderte zahlreiche Todesopfer und lähmte in Irland sowohl wirtschaftlichen als auch politischen Fortschritt. Protestanten und Katholiken lebten oft in getrennten Gemeinden, und religiöse Zugehörigkeit beeinflusste stark das politische und soziale Leben.

Religion und soziale Konflikte

Religion kann sowohl eine Quelle des Friedens als auch des Konflikts sein. Während religiöse Lehren oft Werte wie Nächstenliebe und Toleranz betonen, haben religiöse Unterschiede und Fundamentalismus in der Geschichte immer wieder zu Gewalt und Kriegen geführt.

Beispiele reichen von den Kreuzzügen im Mittelalter bis hin zu modernen religiös motivierten Terroranschlägen:

  • Spanische Reconquista (711–1492): Über mehrere Jahrhunderte führten christliche Königreiche auf der Iberischen Halbinsel Kriege zur Rückeroberung von Gebieten, die unter muslimischer Kontrolle standen. Diese religiös motivierten Kriege endeten 1492 mit dem Fall von Granada, dem letzten muslimischen Königreich in Spanien, und führten zu Massenvertreibungen und Zwangskonversionen.
  • Kreuzzüge (1096–1291): Eine Serie von Religionskriegen, die von christlichen europäischen Mächten gegen muslimische Herrschaften im Heiligen Land geführt wurden. Diese Kriege wurden im Namen des Christentums geführt und führten zu erheblichen Verlusten auf beiden Seiten.
  • Albigensischer Kreuzzug (1209–1229): Ein von der katholischen Kirche geführter Kreuzzug gegen die Katharer, eine gnostisch-dualistische christliche Sekte in Südfrankreich. Der Kreuzzug war geprägt von massiven Massakern und führte zur Auslöschung der Katharer als religiöse Gruppe.
  • Die Kreuzzüge gegen die Hussiten (1419–1434): Diese religiös motivierten Kriege fanden in Böhmen statt und wurden von der katholischen Kirche gegen die Anhänger von Jan Hus, den Hussiten, geführt. Die Konflikte waren von heftigen Kämpfen geprägt und führten zu erheblichen Zerstörungen.
  • Heiliges Römisches Reich – Bauernkriege (1524–1525): Die Bauernkriege waren teilweise durch religiöse Unzufriedenheit ausgelöst, insbesondere durch die Lehren der Reformation. Viele aufständische Bauern forderten religiöse Reformen und sahen in der Reformation eine Chance, soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeiten zu bekämpfen. Die brutale Niederschlagung dieser Aufstände führte zu zehntausenden Toten.
  • Französische Religionskriege (1562–1598): Eine Reihe von Konflikten zwischen Katholiken und Hugenotten (französische Protestanten) in Frankreich. Diese Religionskriege führten zu großer Instabilität und Gewalt im Land, einschließlich Massakern wie der Bartholomäusnacht 1572.
  • St. Bartholomäusnacht (1572): Ein Massaker an Hugenotten (französischen Protestanten) in Paris, das von katholischen Kräften organisiert wurde. Es markierte einen Höhepunkt der religiösen Gewalt während der französischen Religionskriege und führte zu Tausenden von Todesopfern.
  • Dreißigjähriger Krieg (1618–1648): Ein verheerender Konflikt in Europa, der vor allem zwischen katholischen und protestantischen Staaten ausgetragen wurde. Obwohl politische und territoriale Motive eine Rolle spielten, war der Krieg stark von religiösen Spannungen geprägt und führte zu massiven Zerstörungen und Verlusten.
  • Sikh-Aufstände und das Mogulreich (17. Jahrhundert): Die Spannungen zwischen den Sikhs und dem muslimischen Mogulreich in Indien führten zu mehreren bewaffneten Konflikten. Der zehnte Sikh-Guru, Guru Gobind Singh, gründete das Khalsa-Pantheon, um den Widerstand gegen die religiöse Unterdrückung durch die Moguln zu organisieren.
  • Indische Teilung (1947): Die Teilung Britisch-Indiens in die Staaten Indien und Pakistan führte zu massiven Gewaltakten zwischen Hindus, Sikhs und Muslimen. Der religiöse Fundamentalismus und die daraus resultierenden Massenmorde und Vertreibungen forderten Hunderttausende von Todesopfern.
  • Afghanistan – Sowjetisch-Afghanischer Krieg und Taliban-Herrschaft (1979–2001): Während des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan wurde der Widerstand der Mudschaheddin stark von religiösem Eifer angetrieben. Später übernahmen die Taliban, eine fundamentalistische islamische Gruppe, die Kontrolle über das Land und implementierten ein radikales Regime.
  • Sri-Lanka Bürgerkrieg (1983–2009): Der Bürgerkrieg in Sri Lanka hatte zwar hauptsächlich ethnische Ursachen, aber auch religiöse Spannungen zwischen den buddhistischen Singhalesen und den hinduistischen Tamilen spielten eine Rolle. Die Kämpfe forderten Hunderttausende von Menschenleben.
  • Bosnienkrieg (1992–1995): Ein bewaffneter Konflikt im zerfallenden Jugoslawien, bei dem religiöse und ethnische Unterschiede zwischen bosnischen Muslimen, serbischen Orthodoxen und kroatischen Katholiken eine wichtige Rolle spielten. Der Krieg führte zu schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen, einschließlich des Völkermords von Srebrenica.
  • Irakische Bürgerkrieg (2006–2008): Nach der US-geführten Invasion im Irak führte die Zunahme des religiösen Fundamentalismus zu einem Bürgerkrieg zwischen sunnitischen und schiitischen Muslimen. Die Gewalt wurde durch religiöse Milizen angeheizt und führte zu enormen Verlusten und Vertreibungen.
  • Nigeria – Boko Haram-Aufstand (seit 2009): Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram führt einen gewaltsamen Aufstand im Nordosten Nigerias und benachbarten Regionen, um einen islamischen Staat zu errichten. Der Konflikt hat zu zehntausenden Toten und Millionen von Vertriebenen geführt.

Zukunft der Religion

Die Zukunft der Religion ist ungewiss. In einigen Teilen der Welt nimmt die Bedeutung der Religion ab: So sind in Deutschland die Konfessionsfreien die größte Bevölkerungsgruppe – allerdings mit wenig oder gar keiner Lobby und gesellschaftlicher Repräsentation. 

In anderen Regionen gibt es eine Wiederbelebung religiöser Praktiken und Überzeugungen. Globalisierung, Migration und technologische Entwicklungen könnten neue Formen der Religiosität hervorbringen oder bestehende religiöse Traditionen verändern.

Trotz des Rückgangs der traditionellen Religiosität in vielen Teilen der Welt bleibt die Frage nach der Rolle und Bedeutung von Religion in der modernen Welt relevant. Die kritische Auseinandersetzung mit religiösen Überzeugungen und Praktiken ist notwendig, um die historische Gültigkeit und die sozialen Auswirkungen von Religion zu verstehen und zu hinterfragen.

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