Glauben Atheisten an nichts?

Glauben Atheisten an nichts?

Einer Freundin schilderte ich vor Kurzem, dass ich Atheist sei. Sie war regelrecht entsetzt: „Wie, du glaubst an nichts?“ 

Das stimmt aber gar nicht. Ich persönlich glaube, dass zwei Pfund Rindfleisch eine gute Suppe geben 😊

Spaß beiseite: Viele Menschen denken, dass Atheisten an „nichts“ glauben. Das kommt auch nicht von ungefähr. Diese Überzeugung leitet sich aus einem Narrativ ab, das von den Anhänger*innen eines Gottes über Jahrzehnte und Jahrhunderte bewusst gepflegt wurde.

Insbesondere der Islam und das Christentum haben sich hier hervorgetan. Die Absicht dahinter ist recht eindeutig: Der Atheismus soll als absurde und sinnleere Fehleinschätzung der Welt dargestellt werden, was wiederum mittelbar die theistische Position stärkt.

Die Kirche hat ein starkes Interesse daran, den Glauben an Gott als die einzig wahre und sinnvolle Lebensgrundlage zu verteidigen. Indem Atheisten als Menschen ohne Glauben oder moralische Orientierung dargestellt wurden, stärkt die Kirche ihre eigene Position als Quelle moralischer und existenzieller Wahrheit. Da Atheisten als moralisch und spirituell leer dargestellt wurden, konnte die Kirche sie leichter verteufeln und marginalisieren. Dies half dabei, den Einfluss der Kirche(n) zu bewahren und alternative Lebensweisen oder Denkansätze zu diskreditieren.

Besonders seit der Aufklärung, als säkulare und humanistische Bewegungen aufkamen, stellte die Kirche diese Bewegungen oft als gefährlich und nihilistisch dar. 

Letztendlich ist das ganze Manöver ein Strohmann-Argument: Es wird ein Argument zurückgewiesen, das der Gegner gar nicht vorgetragen hat, sondern welches ihm lediglich unterstellt wurde.

Ob diese Verzerrung und Misrepräsentation atheistischer Positionen aus Unkenntnis, Unverstand oder absichtlich erfolgt, überlasse ich deinem Urteil.

Der Angriff auf den Atheismus fußt auf den folgenden Behauptungen.

  1. Atheisten glauben an nichts. 
  2. Atheisten können aufgrund fehlender „objektiver“ Letztgründe keine Moral ableiten.
  3. Atheisten würden die „Wahrheit“ Gottes auch erkennen, wenn sie sich nur darauf einließen/ihr Herz für Jesus/Allah/Odin/Teutates öffneten/Demut zeigten/sich nicht bewusst dagegen sträubten etc.

Satz 1 gibt es manchmal auch in der Variante, dass Atheisten „nur an den Zufall glauben“, was letztendlich eine Kritik an der Evolutionstheorie darstellt, da diese (sehr vereinfacht und verkürzt gedacht) ja auch auf „Zufällen“ beruhe.

Satz 2 versucht den Schachzug, Atheisten Moral abzusprechen, da sie keinerlei Überzeugungen oder Werte haben. 

Satz 3 wendet den Atheismus nun in die Starrköpfigkeit: Die Ablehnung der jeweiligen theologischen Perspektive sei absichtlich – vergleichbar mit einem trotzigen Kind. Bei besonders sendungsbewussten Theist*innen schließen sich an Satz 3 gerne auch noch mehr oder weniger subtile Höllendrohungen  nach dem Muster „du wirst schon sehen, was du davon hast …“ oder „Aber was wirst du tun, wenn Gott dich nach deinem Tod richtet?“ an.

Glauben Atheisten an nichts?
An die Höllendrohungen gewöhnt man sich als Atheist
(klicke auf das T-Shirt | Anzeige)

Was bedeutet es, dass Atheisten an nichts glauben?

Der Auffassung, dass Atheisten an „nichts“ glauben, liegt eine Reihe von Missverständnissen zugrunde.

Das erste Missverständnis ist ein sprachliches: In religiösen Kontexten wird „Glaube“ meist als der Glaube an Gott oder übernatürliche Wesen verstanden. Da Atheisten diesen spezifischen Glauben ablehnen, wird fälschlicherweise angenommen, dass sie generell keinen Glauben oder keine Überzeugungen haben. Lies hierzu auch:

Das ist natürlich Quatsch. Atheisten haben selbstverständlich einen „Glauben“ im Sinne von Überzeugungen und Vertrauen in bestimmte Prinzipien, die ihr Weltbild und ihr Verhalten leiten.

Dazu können (!) gehören:

  • Glaube an Wissenschaft und Rationalität
    Viele Atheisten setzen ihr Vertrauen in wissenschaftliche Methoden und rationale Überlegungen, um die Welt zu verstehen. Sie glauben an die Fähigkeit der Wissenschaft, zuverlässige und überprüfbare Erkenntnisse zu liefern.
  • Humanistische Werte
    Atheisten können an ethische und moralische Prinzipien glauben, die auf Humanismus basieren. Diese Werte beinhalten: Mitmenschlichkeit, Empathie, Gerechtigkeit und das Wohl der Menschheit.
  • Glaube an die Bedeutung von Beweisen
    Atheisten legen in der Regel Wert auf empirische Beweise und logische Argumente. Sie „glauben“, sind also der Überzeugung, dass Behauptungen durch Beweise gestützt werden sollten und dass Wissen auf überprüfbaren Fakten basieren muss.
Hitchens Rasiermesser
Bloß behaupten kann ja jeder: Behauptungen sollten durch Beweise untermauert werden, so die Überzeugung vieler Atheisten wie zum Beispiel Christopher Hitchens.

Atheismus vs. Nihilismus

Das zweite Missverständnis: Der Atheismus glaubt gar nicht an „nichts“.  Er glaubt nur dem Theismus nicht.

Für die Position des An-Nichts-Glaubens wurde von Kirchenanhängern öfter der Begriff des Nihilismus (lat. nihil = nichts) verwendet. Das sollte man trennen, denn die Begriffe Atheismus und Nihilismus hängen zwar zusammen, meinen aber nicht dasselbe. 

Was also ist Nihilismus? Dazu muss ich ein wenig ausholen.

Philosophische Grundlage des Nihilismus

Nihilismus hat in der Philosophiegeschichte mehrere verschiedene Bedeutungen, die verschiedene Dinge „verneinen“. So verneint der metaphysische Nihilismus die Existenz der Wirklichkeit, der moralische Nihilismus hingegen die Existenz ethischer Ordnungen (Werte, Sittengesetze).

Religionsphilosophie: Eine Einführung
Religionsphilosophie:
Einführung (Wirtz)
Einführung in die Religionsphilosophie (Philosophie kompakt)
Religionsphilosophie:
Einführung (Löffler)
Religionsphilosophie und Religionskritik: Ein Handbuch
Religionsphilosophie und Religionskritik (Kühnlein)

Diese Bücher geben gute Einführung in die Religionsphilosophie und Religionskritik
(klicke auf die Cover | Anzeige)

Dies entwickelte sich in der Nachfolge des kritischen Idealismus Immanuel Kants und der sogenannten „kopernikanische Wende“ der Philosophie. Kant stellte die traditionelle Ansicht auf den Kopf, dass unsere Erkenntnis sich nach den Objekten richtet, und argumentierte stattdessen, dass die Objekte sich nach unserem Erkenntnisvermögen richten.

Dies bedeutet, dass unser Erkenntnisapparat die Struktur und Bedingungen der Erfahrung vorgibt. Damit werden nie die „Dinge an sich“ erkannt – sie „erscheinen“ uns nur. Diese philosophische Umwälzung führte dazu, dass absolute Wahrheiten nicht erfasst werden, sondern dass der Erkenntnisapparat mittels der berühmten Kategorien und Anschauungsformen sich (s)eine Wirklichkeit „konstruiert“. 

Diesen „Sturz der Realität“ (Fichte) bezeichneten die Zeitgenossen Kants als Nihilismus. Denn: Alles vermeintlich Objektive löst sich in Subjektives, bloß „Gemeintes“ auf – auch die sogenannte objektive Moral, das Erfahren eines Sinns in der Welt und die „Wirklichkeit“ Gottes. 

„Denn wenn wir es in der Wissenschaft, aber auch in der Moral und überhaupt in der Kultur, wie spätere Generationen geschlussfolgert haben, und wenn wir es erst recht in der Religion immer nur mit subjektiv geformter, vom Subjekt konstruierter Wirklichkeit zu tun haben, dann haftet solchem „Konstruktivismus“ ein relativierendes und destabilisierendes Moment an: Nichts kann mehr im strengen Sinne „objektiv“ gelten, sondern löst sich auf in subjektive Meinungen von dem, was ist oder gelten soll. Alle vermeintlich objektive Erkenntnis trägt folglich in sich den Verdacht, bloß subjektive Erfindung zu sein, aufgrund beschränkter Möglichkeiten und womöglich aufgrund niederer Interessen.“

Martin Fritz, in: Nihilismus – Lexikon für Religion und Weltanschauung

Ist der Atheismus also ein „Glaube an nichts“?

Diesen Sturz des Objektiven gilt es aus Sicht der Religion, insbesondere der monotheistischen Religionen, natürlich zu verhindern – wird hier doch Gott als ein absolutes Wesen, als der Quell objektiver Moral und als der letzte Grund der gesamten Wirklichkeit verstanden (trotz aller erkenntnistheoretischen Probleme, die das mit sich bringt).

Ohne den Glauben an einen Gott oder eine höhere Macht, die Sinn und Moral vorschreiben, kann der Nihilismus als eine natürliche Konsequenz des Atheismus erscheinen, indem er die Abwesenheit einer höheren Ordnung in eine umfassende Perspektive der Sinnlosigkeit des Lebens und der menschlichen Existenz übersetzt

Es ist also nicht verwunderlich, dass Theologen und Kirchenpolitiker den Begriff des Nihilismus auch als Synonym für Atheismus verwendeten. Der Begriff wurde dabei durchaus auch polemisch gebraucht, um Religionskritik möglichst beiläufig zu diskreditieren und wegzuwischen.

So bezeichnete Franz von Baader im Jahr 1826 den Nihilismus als „für die Religion destruktiven Mißbrauch der Intelligenz“. Später wurden auch Sozialisten, atheistisch denkende Junghegelianer wie Ludwig Feuerbach und russische Anarchisten mit dem Begriff des Nihilismus bedacht.

Feuerbach: Das Wesen des Christentums
Feuerbach wendet sich gegen eine „Religionsphilosophie (…) in dem kindisch phantastischen Sinne unserer christlichen Mythologie, die sich jedes Ammenmärchen der Historie als Tatsache aufbinden läßt.“ (Klicke auf das Cover | Anzeige)

Grundposition des Atheismus

Es gibt mehrere Nuancen in atheistischen Weltanschauungen, aber die atheistische Default-Position ist nicht „ich bin Atheist und deshalb glaube ich an nichts“.

Die Grundhaltung des Atheismus lautet vielmehr: 

„Es wurden bislang keine stichhaltigen Beweise für die Existenz eines Gottes vorgelegt. Deswegen glaube ich nicht an ihn.“

Statt „Gott“ könnte man hier auch „übernatürliches Wesen“ einsetzen. Der Atheismus ist also die Verneinung einer Position, das Verwerfen einer These. Wie der Begriff des „A“-Theismus bereits nahelegt, ist Atheismus die Negation der Behauptung, dass Theismus wahr ist. 

Man könnte dies mit folgendem (idealisierten) Dialog veranschaulichen: 

  • Theist: „Gott/übernatürliches Wesen XY existiert.“
  • Atheist: „Hast du Beweise für die Existenz von XY?“
  • Theist: „Nein.“
  • Atheist: „Dann sehe ich keinen Grund, an die Existenz von XY zu glauben.“

Attacken auf die atheistische Grundposition 

In Debatten über Gott und Religion passiert nun meist eines der folgenden drei Dinge, mit denen Theisten (und Deisten) ihre Position verteidigen (möchten).

1. Gottesbeweise

Erstens wird versucht zu zeigen, dass es durchaus Beweise für die Existenz Gottes gibt. Das „Nein“ aus obigem Dialog wird also durch etwas anderes ersetzt. In jüngster Zeit haben sich vor allem Spezialfälle des sogenannten teleologischen Gottesbeweises hervorgetan. Hier wird von der Beobachtung der Komplexität und scheinbaren Zweckmäßigkeit der Natur auf einen bewussten Schöpfer geschlossen – eben den Designer. Ratet mal, wer damit gemeint ist 🤓

So ist etwa der Ansatz des „Intelligent Design“ vor allem in den USA unter Kreationisten beliebt. Ebenfalls verbreitet ist das sogenannte „Fine Tuning“-Argument.

Hier wird argumentiert, dass die Feinabstimmung (engl.: fine tuning) der Naturkonstanten und die „lebensfreundlichen“ Bedingungen des Universums auf ein Zielgerichtetheit schließen lassen. (Ratet mal, wer sich hinter der Zielgerichtetheit nun wieder verbirgt.) 

So oder so: Es wird versucht zu zeigen, dass der Theismus wahr ist.

2. Nützlichkeit der Religion

Die zweite Variante: Man versucht zu zeigen, dass Theismus und Religion nützlich seien. In der Regel schließt dies die Erwähnung karitativer Einrichtungen ein, Kindergärten, Krankenhäuser, Schulen und seelsorgerische Arbeit. Zudem spende das Vertrauen in Gott und die Heiligen vielen Menschen Trost und die religiöse Gemeinschaft schütze vor Einsamkeit. 

Dabei wird geflissentlich übersehen, dass es auch vollkommen säkulare Hilfsorganisationen (zum Beispiel Ärzte ohne Grenzen) und Gemeinschaften gibt.

Es gibt aber noch viel größere Problem damit:

  1. Selbst wenn eine Religion nützlich ist, sagt dies nichts darüber aus, ob ihre Theologie „stimmt“, ob also ihre metaphysischen Behauptungen wahr sind.
  2. Wenn es stimmt, dass eine Religion nützlich ist, stimmt dies auch für alle anderen Religionen, solange sie in den oben genannten Bereichen Erfolge zu verzeichnen hat. Damit wären auch Handlungen wie fundamentalistisch motivierte Terroranschläge, Genitalverstümmelung bei Kindern („Beschneidung“), Sippenhaft oder Sklaverei grundsätzlich legitimiert, solange sie nur jemandem „nützen“. Die Hamas beispielsweise brüstet sich seit Jahrzehnten damit, Jugendliche vom Drogenkonsum zu entwöhnen, indem sie ihnen den Weg zu Allah zeigt.

3. Widerlegung des Atheismus

Die dritte Variante ist, den Atheismus anzugreifen. Hierzu gehört oft die Kritik, den Atheismus als moralisch und spirituell leer darzustellen und ihn als eine Glaubenshaltung ohne Werte oder Sinn zu prägen.

Glauben Atheisten an nichts?
Glauben Atheisten an nichts?
Haben Atheisten keinen Sinn im Leben?

Beispiele gefällig? Aber gern. Sehen wir uns mal bei den Katholiken um.

  • „Pascendi Dominici Gregis“ (1907) von Papst Pius X.: Diese Enzyklika verurteilt den Modernismus, der oft mit atheistischen und agnostischen Ideen in Verbindung gebracht wurde, und beschreibt diese Bewegungen als zerstörerisch für die wahre Religion.
  • „Humani Generis“ (1950) von Papst Pius XII.: Diese Enzyklika warnt vor der Bedrohung durch atheistische und säkulare Philosophien und betont die Notwendigkeit des Glaubens an Gott für eine wahre moralische Ordnung.
  • Erstes Vatikanisches Konzil (1869-1870): Das Konzil definierte dogmatisch die Unfehlbarkeit des Papstes und verurteilte rationalistische und atheistische Lehren, die die Existenz Gottes und die göttliche Offenbarung leugneten.
  • Zweites Vatikanisches Konzil (1962-1965): Während dieses Konzils wurden atheistische Philosophien als moralisch und spirituell defizitär kritisiert. Dokumente wie „Gaudium et Spes“ sprechen die Gefahren des Atheismus an und betonen die Notwendigkeit des Glaubens für das Verständnis der menschlichen Existenz.
  • Der Katechismus der Katholischen Kirche (1992) enthält Abschnitte, die den Atheismus und auch den Agnostizismus als moralisch und spirituell problematisch darstellen. Insbesondere wird betont, dass ohne den Glauben an Gott eine objektive Grundlage für Moral und Ethik fehlt.
  • Papst Benedikt XVI.: In der Enzyklika „Spe Salvi“ (2007), kritisierte Ratzinger den Atheismus als eine Weltanschauung, die zur Verzweiflung und Sinnlosigkeit führen kann: „In diesem Sinn gilt, daß, wer Gott nicht kennt, zwar vielerlei Hoffnungen haben kann, aber im letzten ohne Hoffnung, ohne die große, das ganze Leben tragende Hoffnung ist.“
  • Thomas von Aquin: In seiner „Summe der Theologie“ beschreibt Thomas atheistische Positionen als intellektuell und moralisch defizitär.
In der „Summa theologica“ des Thomas von Aquin (1226-1274) erreicht die mittelalterliche Scholastik ihren Höhepunkt. [Anzeige]

Auch der Islam bietet reichlich Munition, die auf den Atheismus abgefeuert wird. Es gibt zahlreiche Schriften und Lehren, die Atheismus und Unglauben als moralisch und spirituell leer darstellen. Hier sind einige Beispiele:

  • Koran, Sure 2:6-7: „Gewiss, diejenigen, die ungläubig sind, es ist ihnen gleich, ob du sie warnst oder nicht warnst, sie glauben nicht. Allah hat ihre Herzen und ihr Gehör versiegelt, und über ihren Augen ist eine Hülle; und ihnen wird eine gewaltige Strafe zuteil sein.“
  • Koran, Sure 6:25: „Und unter ihnen gibt es manche, die dir zuhören, aber Wir haben auf ihre Herzen Hüllen gelegt, so dass sie ihn nicht begreifen, und in ihre Ohren Schwerhörigkeit. Selbst wenn sie jedes Zeichen sähen, würden sie doch nicht daran glauben. So sehr, dass sie, wenn sie zu dir kommen, mit dir streiten; die Ungläubigen sagen: ,Das sind nur Fabeln der Früheren.’“
  • Fatwas: Zahlreiche islamische Gelehrte und Muftis haben Fatwas erlassen, die den Atheismus verurteilen und als eine der größten Bedrohungen für den Glauben und die moralische Ordnung in der muslimischen Gemeinschaft ansehen. 
  • Ibn Taymiyyah: Der mittelalterliche Gelehrte sieht in seinen Schriften den Atheismus und den Unglauben als eine Form der geistigen Verwirrung und moralischen Dekadenz. Er argumentiert, dass der Glaube an Allah notwendig ist für eine gerechte und moralische Gesellschaft.
  • Al-Ghazali: Ein einflussreicher islamischer Theologe, der in seinem Werk „Ihya Ulum al-Din“ (Die Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften) den Atheismus scharf kritisiert und die Bedeutung des Glaubens an Allah für das spirituelle und moralische Leben unterstreicht.
Die Inkohärenz der Philosophen (Tahāfut al-falāsifa): Eine Auswahl. Arabisch - Deutsch. Eingeleitet und übersetzt von Andreas Lammer
Al-Ghazali:
Die Inkohärenz der Philosophen
  • Sahih al-Bukhari (Hadith): In vielen Hadithen wird der Unglaube als eine der größten Sünden dargestellt, die den Menschen von Allah entfernt und seine Gnade und Barmherzigkeit entzieht.
  • Sahih Muslim (Hadith): Es gibt Hadithe, die betonen, dass der Glaube an Allah und seine Propheten grundlegend für moralisches Verhalten und spirituelles Heil ist.

Zusammenfassung: Glauben Atheisten an nichts?

Es stimmt nicht, dass „Atheisten an nichts glauben“. Atheisten lehnen zwar den Glauben an die Existenz von Gott oder Göttern ab, was jedoch nicht bedeutet, dass sie keinerlei Überzeugungen oder Werte haben. 

Viele Atheisten glauben an wissenschaftliche Erkenntnisse, ethische Prinzipien und humanistische Werte. Sie können an Dinge wie Menschenrechte, Gerechtigkeit und die Bedeutung von Mitmenschlichkeit und moralischem Handeln glauben. 

Die bewusste Förderung der Auffassung, dass Atheisten an nichts glauben, diente der Kirche in vielerlei Hinsicht: zur Verteidigung des eigenen Glaubens, zur Aufrechterhaltung moralischer Disziplin, zur Marginalisierung von Andersdenkenden und zum Widerstand gegen säkulare Einflüsse. 

Auch im Islam wird der Atheismus ähnlich wie im Christentum als moralisch und spirituell defizitär dargestellt. Dieses Narrativ hat tiefgreifende historische Wurzeln und hat das Bild des Atheismus in vielen religiösen Kontexten stark geprägt.

Atheismus betrifft aber lediglich die Frage des Glaubens an göttliche Wesen und sagt nichts über die anderen Überzeugungen und Werte aus, die ein atheistischer Mensch haben kann.

Geschichte des Atheismus - Von den Anfängen bis zur Gegenwart
Geschichte des Atheismus
Argumente kontra Religion: Werkzeugkasten für Religionskritik
Methodik des Atheismus
Atheismus: Fünf Einwände und eine Frage (Blaue Reihe)
Einwände gegen Atheismus

Du möchtest ab und zu eine Verkündigung? Abonniere hier den Newsletter. 

Entdecke mehr von konfessionen.org

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen

×