In Österreich, wie in vielen anderen Ländern, ist die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche ein fortlaufender Prozess, der sowohl auf Transparenz und Gerechtigkeit für die Opfer als auch auf präventive Maßnahmen für die Zukunft abzielt.
Ob dies erreicht wird, darf angesichts der neuesten Missbrauchszahlen bezweifelt werden – vor allem aber aufgrund der Art und Weise, wie diese erhoben und veröffentlicht werden.
Aktuelle Zahlen aus den Ombudsstellen gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch
Die Ombudsstellen spielen eine entscheidende Rolle bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der Kirche, indem sie den Opfern eine Stimme geben und helfen sollen, die Fälle aufzuklären und zu verarbeiten.
Sie sind auch Teil eines umfassenderen Bemühens, Präventionsmaßnahmen zu stärken und ein sicheres Umfeld in kirchlichen Institutionen zu gewährleisten.
Opferschutzkommission oder Ombudsstelle?
Als äußerst kritisch ist es anzusehen, dass die Meldung der Fälle aber eben nicht bei einer unabhängigen Opferschutzkommission, sondern in kirchlich betriebenen Ombudsstellen erfolgt.
Dass kirchlich betriebene Ombudsstellen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Kirche in einen Interessenkonflikt geraten, besonders wenn es um die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen innerhalb der Kirche geht, liegt auf der Hand. Damit ist eine Objektivität der Untersuchungen und die Glaubwürdigkeit der Ergebnisse schon strukturell nicht gegeben.
Fakten und Zahlen zu Kindesmissbrauch in der österreichischen katholischen Kirche
Obwohl Transparenz und Rechenschaft beim Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche auch in Österreich höchstes Gebot sein müsste, kann davon keine Rede sein.
Die Ombudsstellen veröffentlichen auf ihrer Webseite (Herausgeber: Medienreferat der Österreichischen Bischofskonferenz) lediglich einen Kasten mit grundlegenden Informationen – ohne Synopse oder Chronologie.
In einem grauen Kasten auf der Homepage informieren die Ombudsstellen in unregelmäßigen Abständen über die “zugunsten von Betroffenen” entschiedenen Fälle. Es gibt aber keine Information über die Änderungen, was die Beurteilung der Entwicklung schwierig macht. Man kann jedoch periodisch die Zahlen erfassen, oder ältere Stände der Seite beim Internet Archive abrufen, und damit Statistiken erstellen.
Balázs Bárány, humanisten.at

Wenig Transparenz bei Missbrauchsdaten bei österreichischen Kirchen
Aus den bereitgestellten Informationen über die Arbeit der Unabhängigen Opferschutzkommission seit 2010 in Österreich lassen sich mehrere Schlüsselerkenntnisse ableiten:
Anzahl der Missbrauchsfälle in Österreich
- Insgesamt wurden 3.118 Fälle von der Kommission entschieden, und 182 sind noch in Bearbeitung.
- In 2.863 Fällen wurde zugunsten der Betroffenen entschieden, was eine hohe Anerkennungsrate (ca. 91,8 % der entschiedenen Fälle) bedeutet.
Entschädigungen für Missbrauchsopfer
- Den Betroffenen wurden insgesamt 35,46 Millionen Euro zuerkannt.
- Davon entfallen 28,01 Millionen Euro auf Finanzhilfen und 7,44 Millionen Euro auf Therapieleistungen.
- Alle Entscheidungen der Klasnic-Kommission wurden von der Kirche umgesetzt.
- In 255 Fällen (ca. 8,2 % der entschiedenen Fälle) wurden keine Leistungen zuerkannt.
Zeitlicher Rahmen der Missbrauchsfälle in Österreich
- Die meisten gemeldeten Vorfälle sind rechtlich verjährt und stammen hauptsächlich aus den 1960er- und 1970er-Jahren.
- 48,5 % der Fälle ereigneten sich vor 1970, 33,7 % in den 1970er-Jahren, 11,6 % in den 1980er-Jahren, 4,5 % in den 1990er-Jahren und 1,5 % seit 2000.
- 0,2 % der Fälle lassen sich zeitlich nicht zuordnen.
Art der Missbrauchsfälle
- Beinahe jede zweite betroffene Person (etwa 50 %) berichtet von sexueller Gewalt. Dies unterstreicht die Schwere und die Art der überwiegenden Missbrauchsfälle.
- Neben sexueller Gewalt gibt es auch andere körperliche Misshandlungen (körperliche Gewalt) und seelische Gewalt.
Missbrauchsbekämpfung in Österreich
Für die Zukunft kann es nicht Aufgabe der Kirchen in Österreich bleiben, ihre eigenen Missbrauchsfälle aufzuklären – dies müssen wirklich unabhängige Stellen übernehmen. Hier muss sich eigentlich der Staat einschalten – und in vielen Fällen auch die Staatsanwaltschaft.
Eine weitere Einordnung der Strukturen rund um die bischöflichen Ombudsstellen gibt es im „Athikan“-Podcast, den ich euch hiermit wärmstens empfehle.
Zu Kindesmissbrauch in der Kirche gibt es zahlreiche Bücher. Hier einige Empfehlungen.
Bist du selbst von Missbrauch in Österreich betroffen?
Am besten wendest du dich an eine der staatlichen Beratungsstellen für Verbrechensopfer.
Hier findest du einen Link zu den Ombudsstellen. Wie erwähnt sollte dir hier bewusst sein, dass es sich um Stellen handelt, die von den Diözesen und Erzdiözesen in Österreich betrieben wird.
Es gibt umfangreiche Literatur über Missbrauch in der Kirche.
Klicke auf eines der Cover für weitere Infos.
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