Was hat Chanukka mit Weihnachten zu tun? Die kurze Antwort: nichts.
Die längere Antwort ist natürlich ein bisschen interessanter. Denn in der modernen Wahrnehmung und Praxis finden sich durchaus Parallelen.
Dass Chanukka und Weihnachten oft gemeinsam in den Fokus geraten, liegt an der zeitlichen Nähe der Feste am Ende des Kalenderjahres. Ein paar kulturelle Verflechtungen gibt es aber auch.
Die Ursprünge von Channuka und Weihnachten
Die beiden Feste könnten auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein. Während Chanukka jüdischen Ursprungs ist, entstammt Weihnachten der christlichen Tradition, wie man hierzulande wohl kaum erklären braucht.
Was wird an Channuka gefeiert?
Chanukka, das Fest der Lichter, erinnert an die Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels im 2. Jahrhundert v. Chr. (genau: 164 v. Chr.). Der erste Tempel war ja von den Babyloniern bei der zweiten Eroberung Jerusalems zerstört worden – bei der ersten Eroberung hatten sie ihn noch stehen lassen.
Nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. der zweite Tempel errichtet.
Im 4. Jahrhundert v. Chr. geriet Judäa unter die Herrschaft der Seleukiden. Diese versuchten, nach dem Tod Alexanders des Großen hellenistische Kultur durchzusetzen, was zu Spannungen mit den jüdischen Traditionen führte. Es gab aber auch innerjüdische Konflikte, in die die Seleukiden hineingezogen wurden.

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Zwangsmaßnahmen unter Antiochus IV., wie die Entweihung des Tempels, lösten schließlich den Makkabäeraufstand (167–160 v. Chr.) aus. Unter der Führung von Judas Makkabäus errangen die Aufständischen einen Sieg, reinigten den Tempel und führten das Chanukka-Fest ein, um die Wiedereinweihung zu feiern.
Das berichtet zumindest Flavius Josephus, den wir auch aus anderen Zusammenhängen kennen (-> außerbiblische Beweise für Jesus).
Den historischen Kontext kennen wir von Flavius Josephus (37/38–100), der allerdings erst nach Jesus Tod geboren wurde [Klicke auf die Cover | Anzeige]
Nach dem Sieg der Makkabäer über die Seleukiden soll ein Krug Öl, der nur für einen Tag gereicht hätte, auf wundersame Weise acht Tage lang gebrannt haben.
An dieses „Lampenwunder“ erinnert die Channukia, ein acht- oder neunarmiger Kerzenleuchter, der nicht mit der Menora (sieben Arme!) verwechselt werden sollte.

Was wird an Weihnachten gefeiert?
Im Gegensatz dazu feiert Weihnachten die Geburt Jesu Christi, ein Ereignis, das im 4. Jahrhundert n. Chr. kirchlich fixiert wurde, jedoch stark von vorchristlichen Wintersonnenwendefeiern geprägt ist.
Dass Jesus tatsächlich im Dezember geboren wurde, ist stark anzuzweifeln. Mit der ganzen Zeitrechnung und generell mit den Darstellungen des Neues Testaments gibt es grundsätzlich so einige Schwierigkeiten, was die historische Verlässlichkeit angeht.

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Ist Channuka das „jüdische Weihnachten“?
Nein. So etwas wie ein „jüdisches Weihnachten“ gibt es nicht.
Zeitliche Nähe von Chanukka und Weihnachten – Zufall oder Absicht?
Die zeitliche Überschneidung beider Feste im Dezember ist kein Zufall, denn Weihnachten wurde strategisch auf den 25. Dezember gelegt, um bestehende heidnische Bräuche zu christianisieren.

Chanukka, das auf dem jüdischen Mondkalender basiert, fällt ebenfalls häufig in den Dezember, ohne eine bewusste Verbindung zu den christlichen Feiern.
Dennoch führt diese Nähe dazu, dass beide Feste oft gemeinsam wahrgenommen werden, insbesondere in multireligiösen Gesellschaften.
Symbole und Bräuche
Über Bräuche an Weihnachten muss man ja nicht viel erzählen: Adventskalender, Festessen, Geschenke, Lieder, Weihnachtsbaum – soweit kann man das wohl als bekannt voraussetzen.
Anders bei Chanukka, hier darf man Wissenslücken bei den meisten nicht-jüdischen Nachbarn vermuten. Zunächst: Das jüdische Lichterfest wird über acht Tage gefeiert.
Zentraler Bestandteil ist das Anzünden der Menora oder Chanukkia, des acht- oder neunarmigen Leuchters mit einem zusätzlichen Dienerlicht (Schamasch). Jeden Abend wird eine weitere Kerze entzündet, begleitet von Segenssprüchen und Liedern wie „Maoz Zur“.
Zu den weiteren Bräuchen gehören das Spielen mit dem Dreidel (einem vierseitigen Kreisel), das Essen von in Öl gebackenen Speisen wie Latkes (Kartoffelpuffer) und Sufganiyot (gefüllte Krapfen) sowie das Verteilen von Geldgeschenken (Chanukka-Geld) oder kleinen Gaben an Kinder.
Der Fokus liegt auf der Erinnerung an das Wunder des Öls, das laut Überlieferung acht Tage lang brannte, obwohl es nur für einen Tag ausreichte.

Chanukkai und Weihnachtsbaum sind zentrale Symbole, die das Licht in der Dunkelheit zelebrieren. Die Geschenkkultur, die in beiden Festen eine Rolle spielt, ist jedoch eine neuzeitliche Entwicklung.
Insbesondere in den USA beeinflusste die Kommerzialisierung von Weihnachten auch die Art, wie Chanukka gefeiert wird – mit einer stärkeren Betonung auf Familienfeiern und Geschenken. Was das im Alltag bedeutet, referiert auf unnachahmliche Weise der jüdische Komiker Lewis Black. Immerhin braucht man Geschenke für acht Tage – keine leichte Aufgabe.
Theologische Unterschiede
Trotz ihrer Ähnlichkeiten in Bräuchen und Symbolen bleibt der theologische Kern grundverschieden.
Chanukka betont die jüdische Identität und den Widerstand gegen religiöse Assimilation, während Weihnachten die (angebliche) Inkarnation Gottes in Jesus Christus feiert.
Die Überschneidungen sind also eher kultureller und nicht religiöser Natur. Chanukka und Weihnachten haben im Grunde nur gemeinsam, dass sie gelegentlich beide im Dezember stattfinden.
Falls ihr euch mit den christlichen Feiertagen schwertut, empfehle ich euch diese beiden Bücher. Sie bieten einen guten Überblick. [Anzeige]
Das passiert manchmal, weil Chanukka nach dem jüdischen Mondkalender berechnet wird und flexibel im Dezember liegt, während Weihnachten immer am 25. Dezember gefeiert wird.
Häufige Überschneidungen treten auf, wenn Chanukka in die letzte Dezemberwoche fällt. Ein jüngeres Beispiel war 2016, als der erste Abend von Chanukka auf den 24. Dezember fiel, was einen seltenen parallelen Beginn beider Feste markierte. 2024 beginnt Chanukka am 25. Dezember.
Chanukka-Termine
Diese Überschneidungen bleiben jedoch durch unterschiedliche Kalenderzyklen unregelmäßig:
- 2025: Beginn am Abend des 14. Dezember, Ende am Abend des 22. Dezember.
- 2026: Beginn am Abend des 4. Dezember, Ende am Abend des 12. Dezember.
- 2027: Beginn am Abend des 24. Dezember, Ende am Abend des 1. Januar 2028.
- 2028: Beginn am Abend des 12. Dezember, Ende am Abend des 20. Dezember.
Chanukka beginnt nach Sonnenuntergang mit dem Anzünden der ersten Kerze.
Und was ist „Weihnukka“?
„Weihnukka“ ist ein humorvoller Begriff, der die Feste Weihnachten und Chanukka miteinander als Kofferwort kombiniert.
Er wird genutzt, um auf die zeitliche Nähe der beiden Feste hinzuweisen und auf kulturelle Gemeinsamkeiten oder Unterschiede abzuspielen und hat weiter keine besondere Relevanz.
Jetzt aber: „Frohes Fest“ bzw. „Chanukka sameach“.
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