Wie absurd können religiöse Bräuche eigentlich werden? Während man darüber noch nachdenkt, sind die Weltreligionen längst im „Hold-my-Beer“-Modus und übertrumpfen sich mit hanebüchenen kultischen Traditionen, die gleichermaßen gefährlich, überflüssig und dumm sind.
„Dumm ist der, der Dummes tut“, wusste schon der Philosoph Forrest Gump. Betrachtet man nun manche Gläubige bei ihren Ritualen, fragt man sich unwillkürlich, ob der „Schöpfer“ bei der Gestaltung der menschlichen Vernunft gerade Kaffeepause hatte.

Denn wenn wir uns die Welt der Religionen ansehen, stoßen wir auf Praktiken, die selbst eingefleischte Fantasy-Autoren als „zu unrealistisch“ abtun würden. Es gibt sie aber wirklich. Nicht nur den Glauben an Wunder, an Jungfrauengeburt, Auferstehung und Exorzismus. Sondern auch daran, dass irgendwelche Rituale die jeweilige Gottheit besänftigen, beeinflussen oder umstimmen können, ganz nach dem Motto: „Der allwissende Gott hat schon gecheckt, was du braucht, aber er will, dass du darum bettelst wie eine Bitch.“ Nun ja.
Als Religionskritiker stellen wir uns die Frage: Wo endet eigentlich die kulturelle Identität und wo beginnt die kollektive Psychose?
Als ehemaliger Katholik kann ich nur sagen: Es ist kein gutes Zeichen, wenn sogar Kinder sich bei religiösen Bräuchen ungläubig am Kopf kratzen. Ich fand beispielsweise Taufen immer recht albern, wobei mir die Kinder von orthodoxen Eltern ehrlich leid tun.
Als Vater kann ich kaum nachvollziehen, wie man bei der Säuglingstaufe sein Kind einem solchen Ritual aussetzt. Aber dahin bringt einen der Glauben halt.
Auch das Getue bei der Wandlung mit den „Einsetzungsworten“, dem Gebimmel der Ministranten und dem krächzigen Gesang des Pfarrers empfand ich immer als billiges Theater. Eine Schmierenkomödie, bei der einer meiner 7-jährigen Kumpels als Ministrant vorne kniete und bei der „Epiklese“ (der „Herabrufung“ des Heiligen Geistes) und bei der „Elevation“ (Hochhalten von Hostie und Kelch) ergriffen mit den Altarschellen bimmelte. Ich kannte den: Der hatte von „Transsubstantiation“ so viel Ahnung wie ne Kuh vom Eislaufen.
Daneben, im Bühnenzentrum, steht dann irgendein Bernhard am Altar und ruft kosmische Kräfte an, die die Hostie lebendig werden lassen, um sie dann zu verspeisen? Geh bitte!

Fehlanzeige: Irgendein Bernhard murmelt ein paar lateinische Wörter
Warum praktizieren Menschen gefährliche religiöse Rituale?
Bevor wir uns unseren Top-Ten der dämlichsten religiösen Bräuche zuwenden, sehen wir uns noch kurz die Psychologie dahinter an.
Der Drang, sich durch Schmerz, risikoreiches Verhalten oder sonst eine Absurdität einem unsichtbaren Wesen zu beweisen, ist fast so alt wie die Menschheit selbst.
Für Steinzeitmenschen oder Individuen in der Bronzezeit, die nicht wussten, dass sie auf einem Planeten leben, oder was Bakterien sind, ist dies auch durchaus nachvollziehbar: Bei der Entwicklung archaischer Gesellschaften musste sie mit dem Ziel sozialer Kontrolle und Homogenisierung ihrer Normen sich auf irgendetwas „Höheres“ berufen.

Doch warum schalten Menschen im 21. Jahrhundert ihren Selbsterhaltungstrieb aus, wenn nur ein altes Buch oder ein selbsternannter Guru es verlangt?
Die Psychologie hinter der religiösen Selbstaufgabe
In der Religionspsychologie gilt: Je kostspieliger ein Signal (das sogenannte „Costly Signaling“), desto „glaubwürdiger“ wirkt die Hingabe.
Wer sich Haken durch die Haut zieht, wer fastet, enthaltsam lebt, oder jahrzehntelang zur Ehre des Kosmos seinen rechten Arm in die Höhe streckt, meint es wohl ernst. Oder er hat schlicht den Kontakt zur evidenzbasierten Realität verloren.
Was sagt die Wissenschaft zu religiöser Ekstase?
Neurologisch betrachtet sind viele dieser Bräuche schlichte biochemische Überreaktionen. Endorphinausschüttungen bei Schmerzritualen täuschen eine „göttliche Präsenz“ vor, die physikalisch gesehen nur ein brennendes Nervensystem ist. Kennen wir auch von anderen Praktiken:
Bei Tänzen der Sufis wird durch monotone, langanhaltende Drehbewegungen der Gleichgewichtssinn überreizt. Dies führt zu einer Desorientierung im Scheitellappen, die das Gefühl vermittelt, die Grenzen des Ichs lösen sich auf und man verschmilze mit dem Universum.

Extremer Nahrungsentzug (Fasten, Askese) senkt den Blutzuckerspiegel drastisch und verändert den Neurotransmitter-Haushalt (weniger Serotonin, mehr Dopamin). Die Folge sind Halluzinationen und Visionen. A Prophet is born, Hallelujah!
Wenn dem Gehirn jeglicher Außenreiz entzogen wird (sensorische Deprivation, Höhlenmeditation, Samadhi-Tanks), beginnt es, „eigenes Material“ zu projizieren. Diese Eigendynamik des visuellen Cortex wird dann als Begegnung mit Wesenheiten in der Dunkelheit gedeutet.
Durch gezielte Überatmung (Hyperventilation, holotropes Atmen) sinkt der CO2-Gehalt im Blut, was den pH-Wert verändert (Alkalose). Das führt zu Kribbeln, Muskelverkrampfungen und ekstatischen Zuständen, die neurologisch einem kontrollierten Schockzustand ähneln.
Monotone, niederfrequente Schläge bei Trommelritualen können die Gehirnwellen mitreißen (Brainwave-Entrainment). Der Übergang in den Theta-Wellen-Bereich erzeugt einen traumähnlichen Zustand bei vollem Bewusstsein.
Ihr seht also: Das heißt natürlich nicht gleich, dass ein „Gott“ hier mit einem wohlwollenden Finger auf das Individuum zeigt oder gar der „Heilige Geist“ ihn erfasst. Alles passiert im Schädel.

Welche bizarren Bräuche gibt es heute noch weltweit? Die Top-Ten
Es ist ein Irrglaube zu denken, dass religiöser Unfug im Mittelalter ausgestorben sei. Von Indien bis Europa finden wir Praktiken, die jedem rational denkenden Menschen die Zornesröte ins Gesicht treiben. Hier sind unsere zehn „Favoriten“ in Sachen ritueller Absurdität.
Trigger-Alert: Die nachfolgenden Videos können verstörend sein. Klickt die nicht an, wenn ihr zart besaitet seid.
1. Das indische Baby-Werfen von Solapur
In Maharashtra (Indien) werden Kleinkinder von einem 15 Meter hohen Turm in ein Tuch geworfen, das von Gläubigen gehalten wird. Warum? Für das Glück und die Gesundheit natürlich!
Dass Schwerkraft ein Naturgesetz ist, das keine Rücksicht auf Gebete nimmt, scheint bei diesem „Brauch“ zweitrangig zu sein. Ein klassisches Beispiel für archaische Gefährdung Schutzbefohlener im Namen des Transzendenten. Zum Glück findet es immer weniger statt.
2. Die blutige Selbstgeißelung am Karfreitag
Auf den Philippinen lassen sich Eiferer tatsächlich ans Kreuz nageln oder peitschen sich den Rücken blutig, um das Leid Christi nachzuempfinden.
Wer braucht schon moderne Medizin oder Therapie, wenn man seine Schuldgefühle einfach buchstäblich aus sich herausschlagen kann? Es ist ein makabres Theater, das Schmerz mit Sühne verwechselt.
3. Das Bad im heiligen (und verseuchten) Ganges
Millionen Hindus tauchen in den Ganges, um ihre Sünden abzuwaschen. Dass der Fluss gleichzeitig als Abwasserkanal und Grabstätte dient, wird ignoriert.
Hier kollidiert die spirituelle „Reinheit“ frontal mit der mikrobiologischen Realität von Fäkalbakterien und Industrieabfällen. Ein ritueller Suizid auf Raten.
4. Die „Affen-Party“ von Lopburi
In Thailand veranstaltet man ein gewaltiges Buffet für Makaken. Warum? Um den Affengott Hanuman zu besänftigen, weil er einst siegreich gegen einen Dämonen war.
Dazu stellt man reichlich Affenstatuen auf, Menschen verkleiden sich als Affen – und es wird reichlich aufgetischt. Ein nettes Spektakel des Hinduismus – für Touristen und andere Affen.
5. Das jüdische Kapparot-Ritual
Vor Jom Kippur schwingen ultraorthodoxe Juden ein lebendes Huhn über ihrem Kopf, um ihre Sünden auf das Tier zu übertragen. Danach wird es geschlachtet.
Es ist die ultimative magische Abkürzung: Warum sich moralisch bessern, wenn man unschuldiges Geflügel als Sündenbock, äh, Sündenhuhn missbrauchen kann?
Von der Absurdität des Anblicks erwachsener Menschen, die ein Huhn über dem Kopf schwingen wie eine bizarre lebendige Fahne, schweigen wir hier lieber.
6. Famadihana: Das Tanzen mit den Toten
In Madagaskar graben Familien ihre verstorbenen Angehörigen alle paar Jahre aus, hüllen sie in frische Seide und tanzen mit den Leichen zu Live-Musik.
Was als „Ahnenverehrung“ verkauft wird, ist aus hygienischer Sicht ein Albtraum und psychologisch eine Verweigerung, den biologischen Endpunkt des Lebens zu akzeptieren.
7. Aghori-Mönche und der Kannibalismus
Die Aghori in Indien suchen die Erleuchtung in der Überwindung von Ekel. Sie leben auf Friedhöfen, bedecken sich mit Asche von kremieren Leichnamen und essen teilweise menschliches Fleisch von Leichen.
Hier wird die religiöse Grenzerfahrung zum pathologischen Extremismus. Wer Leichen verspeist, um „eins mit dem Universum“ zu sein, hat die Ausfahrt zur Zivilisation wohl vor langer Zeit verpasst.
8. Das Fest der schwarzen Nazarener
In Manila drängen sich Millionen Menschen, um eine schwarze Jesus-Statue zu berühren. Das mag historisch ja sogar zutreffen – aber: Jedes Jahr gibt es Verletzte und Tote im Gedränge.
Die Statue soll Wunder wirken – ironischerweise scheint sie gegen die Quetschungen und Knochenbrüche ihrer eigenen Anhänger völlig machtlos zu sein.
9. Der Thaipusam-Exzess: Piercings für den Gott
Beim tamilischen Thaipusam-Fest stechen sich Gläubige riesige Spieße durch Wangen und Zungen oder ziehen schwere Wagen mit Haken in ihrem Rücken.
Es ist die totale Unterwerfung des Körpers unter ein religiöses Narrativ. Wissenschaftlich gesehen ein Rausch aus Schock und Adrenalin, amalgamiert zu einer unnötigen körperlichen Schinderei.

10. Das Schlangen-Handling der Pfingstkirchen
In einigen US-Bundesstaaten hantieren Gläubige mit Giftschlangen, um ihren Glauben zu beweisen. „Wenn sie mich beißen, war es Gottes Wille.“
Nun, meistens ist es einfach das Gift der Klapperschlange. Hier wird die natürliche Selektion zum religiösen Auswahlverfahren – wer überlebt, hat recht; wer stirbt, hatte wohl „zu wenig Glauben“. Und ja: Leute sterben dabei.
Honorary Mention: Die japanische Penis-Prozession
Ein Fest darf hier nicht fehlen, wenn nämlich bei der jährlichen Prozession „Kanamara Matsuri“ in Kawasaki (Japan) tausende Menschen einem stählernen Penis in Ehrerbietung nachprozessieren. Es ist ein traditionelles Fruchtbarkeitsfest, das jährlich am ersten Sonntag im April gefeiert wird.
Höhepunkt ist ein Penis-Umzug, bei der drei große Phallusskulpturen auf tragbaren Schreinen (Mikoshi) durch die Straßen getragen werden: ein schwarzer Penis aus Eisen, ein hölzerner und ein auffälliger riesiger rosafarbener Penis, der oft von Transfrauen getragen wird.
Das Fest geht auf eine Legende aus dem 17. Jahrhundert zurück, nach der ein Schmied einen stählernen Phallus anfertigte, um einen Dämon zu besiegen, der im Körper einer jungen Frau lebte.
Warum sind diese religiösen Traditionen heute noch relevant?
Man könnte meinen, Bildung und Internet würden diesen Spuk beenden. Doch weit gefehlt. Religionen nutzen diese bizarren Ankerpunkte, um sich gegen die Moderne zu immunisieren. Je absurder der Brauch, desto stärker die Abgrenzung zur „profanen“, rationalen Welt.
Man fragt sich: Merken die das nicht? Die Antwort liegt in der tiefen emotionalen Programmierung. Wenn ein Brauch erst einmal als „heilig“ deklariert ist, wird Kritik als Blasphemie gefiltert.
Religiöser Traditionalismus vs. Menschenrechte
Oft verstecken sich diese Praktiken hinter dem Schutzschild der „Religionsfreiheit“. Doch endet die Freiheit nicht da, wo die körperliche Unversehrtheit – besonders von Kindern – mit Füßen getreten wird? „Das haben wir schon immer so gemacht“ ist kein Argument, sondern ein intellektueller Offenbarungseid.
Man kann vielleicht noch darüber streiten, ob es missbräuchlich ist, Kindern eine „Höllenangst“ einzujagen – wenn man sie von Türmen schmeißt oder Teile ihrer Genitalien entfernt, ist das mit Sicherheit keine Frage mehr.
Der Weg aus dem magischen Denken
Die Geschichte zeigt: Sobald wissenschaftliche Erkenntnis und soziale Sicherheit steigen, sinkt die Notwendigkeit für bizarre Opferrituale. Es ist an der Zeit, dass wir Mythen als das benennen, was sie sind: Kulturelle Fossilien, die in einem Museum besser aufgehoben wären als in der aktiven Lebensgestaltung.

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