ein Ochse, der vielleicht zu einem Pfingsochsen wird

Pfingstochse – tierische Metapher am Feiertag

Der Begriff „Pfingstochse“ ist – wenig überraschend – eng mit dem christlichen Fest Pfingsten verbunden.

In vielen Regionen Europas, insbesondere im ländlichen Raum, wurde und wird das Pfingstfest mit besonderen Bräuchen und Traditionen gefeiert. Einer dieser Bräuche ist, dass ein geschmückter Ochse durch das Dorf geführt wird.

Warum heißt es Pfingstochse?

Der Pfingstochse, auch bekannt als Festochse oder Pfingstvieh, ist also ein geschmücktes Rind.

Präsentiert wird es am Pfingstsonntag, und zwar möglichst feierlich.

geschmückte Ochsen an Pfingsten
Pfingstochsen in Kufstein (Bild: Wikicommons, Saharadesertfox, CC BY-SA 3.0)

Pfingstvieh als Symbol für Fruchtbarkeit

In der bäuerlichen Kultur gilt der Pfingstochse als Fruchtbarkeitssymbol – das ist einigermaßen ironisch, handelt es sich bei einem Ochsen ja um ein kastriertes Rind.

Der Brauch hat seine Wurzeln wohl in alten Opferriten: Früher schloss sich an die Prozession eine Schlachtung an. Parallelen finden sich etwa beim Stieropfer, dass zu Ehren der Göttin Isis gehalten wurde. Auch hier gab es vorher eine Prozession mit geschmückten Rindern.

eine antike Prozession mit geschmücktem Stier
Dieses historisierende Gemälde von Frederick Arthur Bridgman (1847–1928) zeigt einen geschmückten Stier bei einer Prozession zu Ehren von Isis („Navigium Isidis“)

So oder so: Das geschmückte Tier wird als Zeichen für Wohlstand, Fruchtbarkeit und gute Ernten gesehen.

Die Vorbereitungen für den Pfingstochsen beginnen oft Wochen im Voraus. Das ausgewählte Rind wird liebevoll gepflegt und mit Blumen, Girlanden und bunten Bändern geschmückt. Dies geschieht an dem Tag, an dem das Vieh das erste Mal im Jahr auf die Sommerweide geführt wird.

Pfingstochsen-Redewendungen

Daraus hat sich das geflügelte Wort entwickelt, jemand sei „geschmückt wie ein Pfingstochse“, wenn sich eine Person besonders herausputzt und fein zurechtmacht. Zur Redewendung „den Pfingstochsen im Bett haben“ siehe unten.

Die Wahl des Ochsen erfolgt meistens nach bestimmten Kriterien wie Alter, Gesundheit und Aussehen. Die Auswahl des Ochsen ist von großer Bedeutung, da er das ganze Dorf repräsentiert und eine besondere symbolische Rolle einnimmt.

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Am Tag des Pfingstfestes versammeln sich die Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner in festlicher Kleidung, um den Pfingstochsen bei seinem Umzug durch das Dorf zu begleiten.

Oft werden Trachten getragen und Volksmusik gespielt. Der geschmückte Ochse wird an einer festlichen Prozession teilnehmen, angeführt von einem festlich geschmückten Wagen oder von jungen Burschen begleitet.

Der Umzug des Pfingstochsen ist ein festlicher Höhepunkt des Pfingstfestes und wird von den Dorfbewohnern mit großer Freude und Stolz begleitet.

Es ist ein Moment der Gemeinschaft, bei dem die Menschen zusammenkommen, um ihre Traditionen zu pflegen und den kulturellen Reichtum ihrer Region zu zeigen. Der Pfingstochse steht dabei im Mittelpunkt des Geschehens und wird von den Menschen bewundert und gefeiert.

Pfingstochse: Tendenz abnehmend

Der Ursprung des Brauchs ist zwar religiös, heute hat der Pfingstochse oft eine eher folkloristische Bedeutung. Er dient als „Gaudi“ und/oder touristische Attraktion und zieht Besucherinnen und Besucher aus nah und fern an.

Dennoch wird der Brauch von vielen Dorfgemeinschaften mit Stolz und Hingabe weitergeführt. Irgendwie gehört der Pfingstochse dann doch zur kulturellen Identität und ist ein Teil der regionalen Geschichte, der bewahrt werden soll.

Was hat der Pfingstochse mit dem Ausschlafen zu tun?

Der Zusammenhang zwischen dem Pfingstochsen und dem Ausschlafen ist eher indirekter Natur. Er bezieht sich auf eine weit verbreitete Redewendung, die im Zusammenhang mit dem Pfingstfest verwendet wird.

Die Redewendung lautet: „Den Pfingstochsen im Bett haben“.

Der Spruch „Den Pfingstochsen im Bett haben“ bedeutet im übertragenen Sinne, dass man sich an Pfingsten die Freiheit gönnt, auszuschlafen und sich eine Auszeit zu nehmen.

Betitelt wird damit traditionell derjenige oder diejenige, die an Pfingsten am längsten schlafen.

Das muss sich der Pfingstochse dann den ganzen Tag aufs Brot schmieren lassen, um eine weitere Redewendung zu bemühen. In einigen (abgelegenen) Dörfern verfrachtet man unter großem Gejohle die „Pfingstochsen“ auch in eine Schubkarre oder dergleichen und fährt sie durchs Dorf.

Pfingstochse
Mit Pfingsten hat das Ausschlafen des „Pfingstochsen“ nur mittelbar zu tun

Die Verbindung zwischen dem Pfingstochsen und dem Ausschlafen liegt also eher darin, dass das Pfingstfest traditionell mit ausgelassenen Festlichkeiten verbunden ist, bei denen man sich Zeit zum Feiern, Entspannen und Genießen nimmt.

Der geschmückte Ochse und die festliche Prozession sind ein Teil dieser Traditionen und bringen die Menschen zusammen. Das Pfingstfest bietet daher eine willkommene Gelegenheit, dem Alltag zu entfliehen und sich eine wohlverdiente Ruhepause zu gönnen.

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