lächerliche katholische Bräuche

Lachhafte katholische Bräuche: Wenn Weihrauch das Hirn vernebelt

Katholizismus kurios: Wer denkt, schräge Rituale gäbe es nur in fernen Dschungeln bei Derwischen, Fakiren und Cargo-Kulten, hat noch nie eine bayerische Fronleichnamsprozession oder eine Reliquienverehrung in Rom miterlebt. 

Die katholische Kirche hat quasi das Patent auf kuriose Bräuche – wenn es darum geht, das Absurde in Gold zu fassen und lächerlichen Firlefanz als „Mysterium Fidei“ (Geheimnis des Glaubens) zu verkaufen, ist der Katholizismus absolute Spitzenklasse. 

Tote Knochen anbeten

Generell ist das ganze Gewese mit den toten Knochen unfassbar albern. Der Katholizismus hat eine fast schon ungesunde Obsession mit Leichenteilen.

Lexikon der kuriosesten Reliquien
Vom Atem Jesu bis zum Kot des Palmesels: Lexikon der kuriosesten Reliquien [Anzeige]

Was in jedem anderen Kontext ein Fall für die Spurensicherung wäre, nennt man hier „veneratio“ – gemeint ist die Heiligenverehrung. „Verehrt“ werden dabei Finger, Füße, Schädelkalotten oder Rippen.

Man zerstückelte also Tote, um Körperteile in Glaskästen anzubeten. Gelegentlich werden die Heiligen auch „am Stück“ gelagert, wie etwa hier in der Klosterkirche des oberbayerischen Fürstenfeldbrucks. Das nennt man dann Ganzkörperreliquie.

Skurril_Ganzkörperreliquie_Fürstenfeldbruck_Deutschland
Diese Ganzkörperreliquie des „Katakombenheiligen“ Hyazinth befindet sich in Fürstenfeldbruck (Bayern) (© konfessionen.org)

Hier handelt es sich übrigens um einen sogenannten „Katakombenheiligen“ – das ist ein Sammelname für Skelette, die man im 16. Jahrhundert aus einer neu entdeckten römischen Katakombe am Fließband zu antiken Heiligen erklärte und munter in ganz Europa, vor allem im Alpenraum, verteilte. 

Wenn du mehr über den Reliquienhandel erfahren willst,
klicke auf eines dieser Bücher:

Geld, Macht und Reliquien: Wirtschaftliche Auswirkungen des Reliquienkultes im Mittelalter (Geschichte und Ökonomie)
Geld, Macht und Reliquien: Wirtschaftliche Auswirkungen des Reliquienkultes im Mittelalter
Geld, Macht & Show: der katholische Reliquienwahnsinn
Geld, Macht und Show:
Der katholische Reliquienwahnsinn
[Anzeigen]

Eine Vorhaut verehren

Ja, richtig gelesen. Verehrt werden nicht nur Knochen, sondern auch anderes Gewebe wie Zähne, Haare oder die angebliche Muttermilch Mariens.

Jahrhundertelang stritten sich diverse Kirchen sogar darum, die echte Vorhaut Jesu (Praeputium Domini) zu besitzen. 

Jesus-Reliquien Präputium
Orte des angelichen „Präputiums“ in Europa

Dass ein gottgleiches Wesen ein Stück Haut zurücklässt, das dann in einer Monstranz spazieren getragen wird, weil der Rest des Herrn „aufgefahren“ ist, ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Dennoch war es jahrhundertelang für Gläubige vollkommen logisch, auf eine verdrehte Art und Weise wahrscheinlich sogar konsequent.

Die verschiedenen Vorhäute sind praktischerweise mittlerweile alle verschwunden, so erspart man sich in der Kirche peinliche Nachfragen oder sogar eine mögliche DNA-Analyse.

Stell dir mal vor, die Katholiken würden Jesus klonen 🙂  

Mit wissenschaftlichen Analysen ist man in der Kirche vorsichtig geworden: Bei einigen Reliquien wie dem Turiner Grabtuch oder der „heiligen Windel“ in Aachen hat sich dadurch nämlich herausgestellt, dass sie definitiv ein paar Jahrhunderte zu jung sind. 

Für die katholische Kirche aber kein Problem, schließlich kommt es nicht auf die Echtheit der Gegenstände an, die die Echtheit der Geschichte belegen sollen. Ist doch klar: Nur auf den Glauben daran kommt es an. Ach so! 

„Die Frage nach der Echtheit der Textilien wird vom Bistum Aachen nicht in den Vordergrund gestellt; vielmehr seien der symbolische Gehalt und Verweis auf die biblischen Erzählungen durch die Tuchreliquien als haptischer Bezugs- und Orientierungspunkt für den Gläubigen der eigentliche Sinn der Verehrung.“

Quelle: PR-Abteilung des Bistums, äh, Wikipedia-Seite zur Aachener Heiligtumsfahrt

Na denn passt ja alles. Alles nur Symbolik!

Was von Jesus übrig blieb: Die Geschichte seiner Reliquien
Reiner Sörries führt sachkundig in die Motive und Formen der Verehrung der Jesus-Reliquien ein und lädt Gläubige wie Skeptiker zu einem spannenden Streifzug durch die außergewöhnliche Frömmigkeitsgeschichte des christlichen Abendlandes ein. [Anzeige]

Eine thixotrope Substanz die Zukunft vorhersagen lassen

In Neapel hingegen gibt’s nicht nur symbolisch die beste Pizza des Planeten, sondern auch in echt. Und noch dazu ein sich verlässlich wiederholendes Wunder! Der „heilige“ Gennaro (Januarius) verflüssigt sich nämlich gleich dreimal jährlich!

Das bekannteste „Wunder“ der Stadt findet nämlich dreimal im Jahr (u.a. am 19. September) im Dom von Neapel statt. Man wartet jedes Jahr darauf, dass das feste, jahrhundertealte Blut des Frommen sich in einer Ampulle verflüssigt.

Die Neapolitaner sehen die Verflüssigung als gutes Omen für die Stadt. Bleibt das Blutwunder aus, droht angeblich Unheil. 

Physikalisch gesehen handelt es sich höchstwahrscheinlich schlicht um eine thixotrope Substanz, die durch Bewegung flüssig wird. Wohl deswegen wird bei der Prozession auch fleißig „gewippt“.

Thixotropie: Physik vs. Phantasie

Thixotropie ist die Eigenschaft von Fluiden oder Gelen, bei konstanter Scherung (z.B. Schütteln) dünnflüssiger zu werden und nach Beendigung dieser Belastung wieder ihre ursprüngliche, höhere Viskosität anzunehmen. Aber warum eine einfache physikalische Erklärung bemühen, wenn man auch hysterisch beten kann.

Raketengetriebene Taube zünden

Seit über 900 Jahren veranstalten Katholiken in Florenz den Brauch des „Scoppio del Carro“ (Explosion des Wagens). Die Zeremonie findet jeden Ostersonntag vor und in der Kathedrale Santa Maria del Fiore (dem Dom von Florenz) statt und umfasst eine Colombina – eine Art raketengetriebene mechanische Taube. Ja, mechanische Taube!

Während der Ostermesse entzündet der Erzbischof am Hochaltar die göttliche Wunderwaffe, die den Heiligen Geist symbolisieren soll. Die Taube saust anschließend an einem gespannten Eisendraht mit hoher Geschwindigkeit (ca. 60 km/h) durch das gesamte Kirchenschiff nach draußen auf den Vorplatz. Man ist ringsum baff.

Österliches Feuerwerk

Dort trifft sie auf den Brindellone, einen riesigen, antiken Wagen, der mit Hunderten von Feuerwerkskörpern beladen ist. Durch den Aufprall wird ein spektakuläres, etwa 20-minütiges Feuerwerk ausgelöst. 

Besonders wichtig für die Florentiner ist der Rückflug: Schafft es die Taube am Draht wieder eigenständig zurück in die Kirche bis zum Altar, gilt dies als glückbringendes Zeichen und Orakel für eine gute Ernte und ein erfolgreiches Jahr. 

Schlangen herumtragen

Von künstlichen Tauben nun zu echten Schlangen. Die Prozession von Cocullo, bekannt als Festa dei Serpari, ist ein weltweit einzigartiges religiöses Ritual in den Abruzzen (Italien), das jährlich am 1. Mai zu Ehren des heiligen Dominikus von Sora (San Domenico di Sora) stattfindet. 

Dazu behängt man Statuen des Heiligen unter dem Jubel einiger tausend Menschen mit jeder Menge lebendiger Schlangen. Aus nachvollziehbaren Gründen beschränkt man sich dabei auf ungiftige Schlangen wie Vierstreifen- und Äskulapnattern.

Die mit Schlangen sorgsam beladene Statue wird auf den Schultern junger Männer durch das Dorf getragen. Begleitet wird der Zug von einer Musikkapelle, Gläubigen in traditionellen Trachten und den Serpari, die oft selbst weitere Schlangen um den Hals oder in den Händen tragen.

Natürlich wird auch hier orakelt: Die Einheimischen beobachten genau, wie sich die Schlangen auf der Statue verhalten. Wickeln sie sich um den Kopf des Heiligen, gilt dies angeblich als Vorzeichen für eine gute Ernte; kriechen sie eher an den Armen abwärts, wird Unheil befürchtet.

Kreuze herumtragen

Wenn erwachsene Männer in bunten Kleidern durch die Straßen ziehen und dabei goldene Kästen vor sich her tragen, wirkt das wie ein schlecht budgetiertes Cosplay-Event. Doch für die Beteiligten ist es bitterer Ernst.

Nach außen wirkt es weniger ernst. Vor allem in der Karwoche, wo von Gründonnerstag über Karfreitag bis Ostersonntag einige zentrale katholische Feiertage stattfinden, gibt es viele Skurrilitäten. 

Kreuzprozessionen und allerlei andere Aufmärsche von christlichen Fundamentalisten gibt es aber zum Beispiel auch an Fronleichnam oder Pfingsten.

Mariä Himmelfahrt
Prozessionsspinner in Aktion

Besondere Berühmtheit erlangten dabei die Osterprozessionen der „Semana Santa“ (Heiligen Woche) in Spanien und Spaniens ehemaligen Kolonien. Hier werfen sich die Teilnehmer in spitze Kapuzengewänder. Einige der „Büßer“ tragen selbst Kreuze oder geißeln sich gar („Flagellanten“).

Andere hingegen transportieren teils tonnenschwere Szenerien von der Passion Christi aus Holz durch die Städte. Das Brimborium findet seit Jahrhunderten statt – damals auch noch mit öffentlichen Geißelungen. Schließlich wollte man sich ja besinnen. 

Die Ästhetik erinnert fatal an den Ku-Klux-Klan (der sich ironischerweise dort bedient hat), der Inhalt an eine kollektive Depression. Es ist die Zelebrierung von Schuld und Schmerz als moralische Währung.

lächerliche katholische Bräuche Prozession Semana Santa
Prozession in Las Palmas

Sich Kerzen vor den Hals halten

Der Blasius-Segen, der traditionell am Gedenktag des heiligen Blasius von Sebaste am 3. Februar gespendet wird, ist ein katholisches Schutzritual gegen Halskrankheiten. 

Bei diesem ebenso schlichten wie lachhaften Ritual hält der Priester zwei Kerzen dicht vor den Hals der einzelnen Gläubigen, und spricht dabei eine Segensformel, die um Bewahrung vor „Halsübeln und allem Bösen“ bittet. Ist so ne Art Versicherung gegen Fischgräten im Hals. 

Kabarettist Volker Pispers nimmt den katholischen Brauch gekonnt aufs Korn

Die gekreuzten Kerzen verweisen natürlich auf das Kreuz Christi, während das Licht als Zeichen göttlicher Heilskraft interpretiert wird. Ist ja klar.

Der Ursprung des Rituals liegt in einer Legende, nach der Blasius einem Jungen das Leben gerettet haben soll, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte.

Hier trifft sich volkstümliche Schutzmagie mit kirchlicher Segensliturgie zu einer absurden rituellen Geste, die nur dann als psychologisch beruhigend betrachtet werden kann, wenn man sein Denkvermögen am Kircheneingang zurücklässt. 

Über schlafende Babys springen

In Castrillo de Murcia verkleiden sich erwachsene Männer als Teufel und springen mit Anlauf über Neugeborene, die auf Matratzen mitten auf der Straße liegen. Klingt dämlich? Ist es auch. 

Das Gehüpfe („Teufelssprung“) soll die Babys von der „Erbsünde“ reinigen und vor Krankheiten schützen. Da das Loswaschen der angeblichen Erbsünde ja aber eigentlich schon Sinn und Zweck der Taufe ist, hat 2012 Papst Benedikt an dem Ritual herumgemeckert.  

Vielleicht wären Kinder generell besser dran, wenn man sie vor solch abergläubischem Unsinn schützen würde. 

Atheistisches meme

Betrunken Pferderennen durch die Stadt veranstalten

Zu Allerheiligen findet in Guatemala ein völlig chaotisches Pferderennen statt. Zu Ehren der Heiligen (santos), und zwar aller (todos). 

Was liegt näher, als dass sich die Reiter vorher massiv mit Rum zuschütten und diesen seltsamen Brauch vollkommen besoffen begehen? Was soll schon groß passieren, wenn Betrunkene mit einem Mix aus katholischem Gedenken und indigenen Ritualen in der Blutbahn zur Gaudi durch eine Menschenmenge reiten? 

Zombiehand herumtragen

„Warum packen wir nicht eine mumifizierte Hand aus dem Gruselkabinett in eine schicke tragbare Glasvitrine und drehen ein paar Runden durch die Hauptstadt?“

Das dachte man sich wohl im Königreich Ungarn, als man 1083 die rechte Hand des Königs Stefan („Szent István“) abtrennte. 

skurrile Reliuien: Heilige Rechte (lächerliche katholische Bräuche)
Gruselig: die abgetrennte Hand des Königs

Die Reliquie trennte sich vor fast tausend Jahren im Jahr 1083 von ihrem ehemaligen Besitzer, dem ersten ungarischen König István (Stephan I.).

Einige Jahrhunderte später, nämlich 1818, begann man damit, die „Szent Jobb“ (Heilige Rechte) öffentlich auszuführen. Die Kommunisten verboten die Prozession – seit dem „Systemwechsel“, wie die Wende von 1989 in Ungarn heißt, wird das Kalte Händchen aber wieder ausgeführt. Das geschieht am 20. August, dem Gedenktag des als Nationalheiligen verehrten Königs. 

Mit der von acht schneidigen Soldaten getragenen Königspfote prozessieren ungarische Kleriker, Katholiken, Nationalisten, Pfadfinder und andere ergriffene Gläubige einmütig im Kreis.

Nicht mehr alle Latten am Zaun haben

Der Brauch des Zaunlattenzählens war früher als Liebesorakel vor allem in ländlichen Regionen Bayerns, Österreichs und Norddeutschlands verbreitet. Er funktionierte so: Junge Mädchen (oder Kinder, die wissen wollten, wen sie einmal heiraten) gingen in der Dunkelheit schweigend und rückwärts zu einem Lattenzaun. 

Sie griffen blind nach einer Zaunlatte und zählten dann die Latten ab. Kam zum Schluss eine ungerade Zahl heraus, blieb man ledig – so einfach war das früher mit der Partnerwahl! 

Je nachdem kommte man einiges hinein- bzw. herausorakeln: Gab es eine gerade Zahl, sollte das Aussehen der abgezählten Zaunlatte das Aussehen des zukünftigen Bräutigams vorhersagen: Eine schöne, glatte Latte versprach einen wohlhabenden und attraktiven Mann. Eine morsche oder krumme Latte galt als Zeichen für einen alten oder armen Partner. Ist ja logisch.

Zettel fressen

Bis ins 20. Jahrhundert (und vereinzelt heute noch) gab es sogenannte Schluckbildchen. Diese Esszettel (bzw. bei Tieren Fresszettel) genannten Hausmittelchen sind kleine Papierquadrate mit Heiligenmotiven oder Gebeten. Nein, LSD ist da nicht mit drauf. 

Schluckbildchen lächerliche katholische Bräuche
Ein Bogen mit Schluckbildchen

Wenn man selbst (oder das Vieh im Stall) krank wurde, hat man diese Zettelchen „gesegnet“ und dann buchstäblich aufgegessen. Ist also eine Art religiöse Hausmedizin.

Die „heilige Kraft“ des Bildes sollte von innen heraus heilen. Es gab sie sogar als „Serien“ gegen verschiedene Krankheiten. Verkauft wurden sie unter anderem an Wallfahrtsorten und in Klöstern. 

Lack fressen

Nicht nur Zettel werden verspeist, sondern auch das Material der sogenannten Schabfiguren. Hier wird, wie der Name schon andeutet, Substanz von einer eigens dafür hergestellten Figur („Schabmadonna“) abgekratzt und diese dann verspeist. 

Der (Farb-?) (Lack-?) Staub soll natürlich wieder heilende Wirkung haben. Die Figuren wurden oft aus Ton gefertigt und an Wallfahrtsorten dem dortigen Gnadenbild nachempfunden. Es gab auch Schabfiguren aus Holz; bei diesen wurden Späne abgehobelt, in Wasser aufgekocht und dieser „Tee“ dann getrunken. Sogar von Münzen wurden Späne abgefeilt und diese dann verzehrt. 

Der Brauch lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen, wo man schon Fresken beschabte und den Abrieb verspeiste. Als besonders „wirksam“ galt der Abrieb der Augen. 

Zauberpraktiken als Lebenshilfe: Magie im Alltag vom Mittelalter bis heute
Margarethe Ruff ist den Spuren magischer Praktiken in Gerichtsakten, Zeitschriften und Literatur vom Mittelalter bis in unsere Zeit gefolgt [Anzeige]

Kondenswasser eines Sarges trinken

Aus dem Steinsarg der Heiligen Walburga (Eichstätt, Bayern) fließt seit 1042 zwischen Oktober und Februar eine klare Flüssigkeit, das sogenannte Walburgisöl. Die Nonnen des ortsansässigen Klosters sammeln das „Öl“. Als Zeichen der Demut nutzen sie dafür silberne Rinnen und vergoldete Schalen. 

Gläubige können dieses „Öl“ gegen Spende erwerben, nehmen es mit nach Hause und trinken es oder reiben sich damit ein, in der Hoffnung auf Wunderheilungen, von denen zahlreiche belegt sind. War nur Spaß. Belegt ist nichts, außer dem Willen mittelalterlicher Landbevölkerungen, quasi alles zu glauben.

Eine Theorie besagte, es handele sich um Kondenswasser am Sarg der Walburga. Eine chemische Untersuchung durch den Forensiker Dr. Mark Benecke zeigte hingegen, dass es sich bei dem übernatürlichen Ausfluss eher um gewöhnliches Leitungswasser handele, weil es für Kondenswasser zu viele Mineralien enthält. Benecke kennen wir schon vom Blutwunder weiter oben (Neapel).

Walburgas Sarkophag katholische Bräuche
Walburgas Sarkophag, an dem sich angeblich das „Öl“ als Kondenswasser absetzt (um 1455)
(© Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon)

Die Länge von Heiligen abmessen

Früher verkauften Klöster Schnüre, die exakt so lang waren wie die Körpergröße eines Heiligen (oder die Wundmale Christi). 

Diese „Heilige Länge“ band man sich um den Bauch, um bei der Geburt zu helfen oder sich vor dem Teufel zu schützen. Natürlich hatte sie auch Heilwirkung bei verschiedenen Zipperlein.

Fahrzeuge segnen

Am Christophorus-Tag bespritzt ein Mann in ulkigen Frauenkleidern Blech mit „heiligem“ Wasser, damit es auf der A8 weniger kracht. Wie man im Video sieht, muss er dabei selber lachen. 

Christophorus (altgriechisch Χριστόφορος „Christusträger“) gilt als „Patron“ der Reisenden wegen der Legende, er habe Jesus als Kind über einen Fluss getragen. 

Man könnte auch einfach die Bremsen prüfen oder sich an das Tempolimit halten, aber nein: Ein bisschen Hokuspokus über dem Kühlergrill soll die Physik der kinetischen Energie aushebeln.

Ein magisches Versicherungskonzept ohne jede Evidenz. Genauso wie übrigens die Geschichtswissenschaft keinerlei Evidenz für einen historischen Christophorus kennt. 

Man fragt sich oft: Hat der Klerus eigentlich nichts Besseres zu tun? Die Allmachtsfantasie macht vor nichts halt. Wenn der Segen Gottes für das Seelenheil nicht reicht, muss eben der fahrbare Untersatz herhalten.

Und noch eine logische Frage: Wenn mich ein Unfall ereilt, ist das nicht Gottes Wille? Ein Rädchen im sogenannten Heilsplan? Wie anmaßend ist es denn dann, diesen göttlichen Plan infrage zu stellen?

Waffen segnen

Nein, also wirklich nicht! Die katholische Kirche segnet offiziell keine Waffen. Also nicht mehr. Früher schon. Das Waffensegnen wäre heute aber pietätlos. Stattdessen werden Militärangehörige oder Einsatzkräfte gesegnet.

atheistisches Meme

Exorzismen durchführen

Es klingt wie aus einem schlechten Horrorfilm, ist aber im offiziellen Rituale Romanum verankert. Wenn Menschen psychische Probleme haben, schickt die Kirche keine Therapeuten, sondern Männer mit Kreuzen, die angebliche Dämonen anschreien. 

Diese mittelalterliche Praxis ist nicht nur lächerlich, sondern durch die Verweigerung medizinischer Hilfe schlichtweg gefährlich.

Was soll man eigentlich von Menschen halten, die trotz Biologie, Evolutionslehre und Archäologie an Dämonen, Engel, Nephilim, Teufel und Gott weiß was sonst noch glauben?

Gibt es Dämonen
Dämonen: Eventuell ist dein Nachbar davon überzeugt, von solchen Wesen verfolgt zu werden. Das Bild ist natürlich von einer KI erzeugt – echte Portraits von Dämonen sind irgendwie selten

Katholizismus skurril – lächerlicher Aberglaube im Brustton der Überzeugung

Ob Vorhaut-Verehrung oder Auto-Bespritzung – katholische Bräuche wirken nicht umsonst komisch: Sie sind der verzweifelte Versuch, einer chaotischen Welt durch magische Handlungen eine Struktur aufzuzwingen. Dass man dabei die Grenze zur Lächerlichkeit überschreitet, liegt in der Natur der Sache.

Religion von außen betrachtet
Nicht selten wirken religiöse Bräuche und Überzeugungen von außen … nun ja, skurril.

Wer sich nüchtern ansieht, wie in manchen katholischen Kontexten mit Reliquien, Segensformeln oder wundergläubigen Ritualen umgegangen wird, erkennt schnell ein Muster: wenig überprüfbare Realität, viel als Tradition kostümierter Humbug und sehr viel symbolische Überhöhung. 

Das Problem liegt nicht in persönlicher Spiritualität, sondern dort, wo solche Überzeugungen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben oder in öffentliche Verantwortung hineinwirken: Wer glaubt, dass übernatürliche Kräfte konkret in den Alltag eingreifen, trifft Entscheidungen potenziell nicht mehr nach rationaler Abwägung. 

Das wird besonders sensibel, wenn es um Bildung, Politik oder den Umgang mit Kindern geht, also Bereiche, in denen kritisches Denken und weltanschauliche Offenheit entscheidend sind. 

Eine pluralistische Gesellschaft kann religiöse Praxis tolerieren, aber sie sollte darauf achten, dass sie nicht zur Grundlage öffentlicher Normen wird. Religion gehört in den privaten Raum, wo sie niemandem aufgezwungen wird. Gerade Kinder haben ein Recht darauf, ohne frühzeitige Indoktrination aufzuwachsen und sich später selbst ein Urteil zu bilden. 

Atheistisches meme

Negative Religionsfreiheit bedeutet nicht Feindseligkeit gegenüber Glauben, sondern Schutz vor ihm, dort, wo er ungefragt in Lebensbereiche eingreift, die allen gehören. 

Zauberpraktiken als Lebenshilfe: Magie im Alltag vom Mittelalter bis heute
Margarethe Ruff ist den Spuren magischer Praktiken in Gerichtsakten, Zeitschriften und Literatur vom Mittelalter bis in unsere Zeit gefolgt [Anzeige]
Verschwundene Bräuche - Das Buch der untergehenden Rituale
Mit diesem umfassenden Lexikon der verschwundenen Bräuche öffnet sich ein Fenster in die Vergangenheit [Anzeige]

Du möchtest ab und zu eine Verkündigung? Abonniere hier den Newsletter. 


Kommentare

One response to “Lachhafte katholische Bräuche: Wenn Weihrauch das Hirn vernebelt”

  1. Der Kölner Dom ist groß und gotisch,
    der Knochenkult ist religiotisch.

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von konfessionen.org

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen

×