Die Schöpfung laut Koran

Schöpfung im Koran: zwischen sechs Tagen und sieben Himmeln

Die Schöpfung ist ein zentrales Thema in vielen Religionen, und der Koran bildet dabei keine Ausnahme. Er präsentiert eine spezifische Sicht auf Kosmogonie, die Entstehung der Welt und des Lebens – meist eingebettet in poetische Bilder und moralische Lehren. 

Doch wie plausibel ist die Schilderung der Schöpfung im Koran, wenn man sie mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und logischen Überlegungen abgleicht? 

Wir werfen einen kritischen Blick darauf, was der Koran zur Schöpfung zu sagen hat, und hinterfragen, ob diese Erzählungen den Anspruch auf göttliche Wahrheit tatsächlich untermauern können.

Die Schöpfung laut Koran: sechs Tage und kein Sonntag

Im Koran wird mehrfach erwähnt, dass Allah das Universum in sechs Tagen erschaffen habe. Zum Beispiel heißt es in Sure 7:54:

„Wahrlich, euer Herr ist Allah, der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschuf, […]“

Doch Sure 41:9-12 spricht von insgesamt acht Tagen (zwei für die Erde + vier für die Nahrung + zwei für Himmel und Erde). Die Schilderung bleibt im Detail unklar.

Interessanterweise bleibt auch unklar, was genau mit „Tagen“ gemeint ist, da an anderer Stelle (Sure 22:47) ein „Tag bei Allah“ als 1000 Jahre beschrieben wird. Sure 70:4 hingegen nennt die Zahl von 50.000 Jahren pro „Tag“. 

Einige moderne Apologeten deuten dies als Beleg für eine metaphorische Interpretation, doch die vagen Formulierungen lassen Raum für Spekulation – ein geschickter Schachzug oder ein göttlicher Lapsus?

Ebenfalls auffällig: Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Allah nach der Schöpfung eine Pause einlegte, wie es im jüdisch-christlichen Schöpfungsbericht beschrieben wird.

Das könnte darauf hindeuten, dass Allah keinen Sabbat braucht – oder dass der Koran die jüdische Vorlage einfach vergessen hat oder diese göttliche „Schwäche“ nicht übernehmen wollte.

Die Sure kannst du im Koran nachlesen. Klicke auf das Buch für eine deutsch-arabische Ausgabe.

Das ist zumindest beim Schöpfungsbericht im Koran so – die Hadithe, also die Sammlungen der Aussprüche und Handlungen Mohammeds, kennen diese Pause sehr wohl.

In Sahih Muslim (Hadith 2789) wird berichtet, dass Allah die Schöpfung in sechs Tagen vollendete, wobei der siebte Tag mit Ruhe verbunden wird – eine Anspielung auf die älteren nahöstlichen Traditionen des Tanachs (Altes Testament).

Lies dazu auch:

Das Buch der Vierzig Hadithe: Kitab al-Arba'in. Mit dem Kommentar von Ibn Daqiq al-'Id
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An-Nawawyys Vierzig Hadite
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Himmel, Erde und ein wenig Chaos: die Schöpfung laut Koran

Der Koran beschreibt die Erschaffung der Himmel und der Erde in einer Weise, die der Bibel stark ähnelt. Er setzt jedoch auch eigene Akzente. 

In Sure 41 wird geschildert, wie Allah zuerst die Erde und dann die Himmel „gestaltete“. Interessanterweise beschreibt der Koran die Himmel als „Rauch“ (arabisch: dukhan), bevor sie ihre endgültige Form annahmen.

(9) Sag: Wollt ihr denn wirklich denjenigen verleugnen, Der die Erde in zwei Tagen erschaffen hat, und Ihm andere als Seinesgleichen zur Seite stellen? Das ist der Herr der Weltenbewohner.

(10) Er hat in ihr festgegründete Berge gemacht, (die) über ihr (aufragen), und hat sie gesegnet und in ihr die Nahrung im rechten Maß in vier Tagen festgelegt, gleichmäßig für diejenigen, die danach fragen.

(11) Hierauf wandte Er sich dem Himmel zu, während er noch aus Rauch bestand, und sagte dann zu ihm und zur Erde: „Kommt beide her, freiwillig oder widerwillig.“ Sie sagten: „Wir kommen in Gehorsam.“

(12) So führte Er sie als sieben Himmel in zwei Tagen aus und gab jedem Himmel seine Aufgabe ein. Und Wir haben den untersten Himmel mit Lampen geschmückt, und auch als Schutz. Das ist die Anordnung des Allmächtigen und Allwissenden.

(13) Wenn sie sich also abwenden, dann sag: Ich warne euch vor einem Donnerschlag gleich dem Donnerschlag der ʿĀd und der Ṯamūd,

(14) als die Gesandten von vorn und von hinten zu ihnen kamen: „Dient nur Allah (allein)“. Sie sagten: „Wenn unser Herr gewollt hätte, hätte Er Engel herabgesandt. So verleugnen wir das, womit ihr gesandt worden seid.“

Sure 41:9–14

Diese Beschreibung mag poetisch wirken, passt aber kaum zu wissenschaftlichen Modellen der Entstehung des Universums, wie dem Urknall.

Das Bild einer Erde, die vor den Himmeln erschaffen wurde, widerspricht eindeutig den Erkenntnissen der Astrophysik, nach denen die Erde ein Produkt kosmischer Prozesse ist, die Milliarden Jahre nach der Entstehung des Universums abliefen.

Fun Fact: Der Koran spricht von „sieben Himmeln“ (Sure 67:3). Diese kosmologische Vorstellung stammt aus älteren babylonischen und persischen Traditionen und wurde offensichtlich in den Islam integriert – ein Beleg für kulturelle Synkretismen statt göttlicher Offenbarung?

Die Sure wirft noch ein anderes Problem auf, denn mit der Behauptung, „Du wirst in der Schöpfung des Allerbarmers keinen Fehler sehen“ gelangt doch so einiges in Begründungsnot: Es gäbe nämlich durchaus einige konzeptuelle „Fehler“, die man einem allmächtigen Wesen angesichts des Elends und der fast grenzenlosen Zerstörung und Lebensfeindlichkeit des Kosmos ankreiden könnte (Theodizee).

Menschen aus „einem Tropfen“ und Ton

Die Schöpfung des Menschen wird im Koran mehrfach erwähnt, jedoch mit leicht unterschiedlichen Details. In Sure 23:12–14 wird beschrieben, dass der Mensch aus einem „Tropfen“ (arabisch: nutfa) erschaffen wurde, der in eine „sichere Ruhestätte“ (den Mutterleib) gelangt. 

(12) Wir schufen den Menschen ja aus einem Auszug aus Lehm. (13) Hierauf machten Wir ihn zu einem Samentropfen in einem festen Aufenthaltsort. (14) Hierauf schufen Wir den Samentropfen zu einem Anhängsel, dann schufen Wir das Anhängsel zu einem kleinen Klumpen, dann schufen Wir den kleinen Klumpen zu Knochen, dann bekleideten Wir die Knochen mit Fleisch. Hierauf ließen Wir ihn als eine weitere Schöpfung entstehen. Segensreich ist Allah, der beste Schöpfer.

Dieser embryologische Ansatz mag modern klingen, aber bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass es sich eher um eine primitive Vorstellung handelt, die im antiken Nahen Osten weit verbreitet war.

Koran
Der Koran (arabisch: القرآن = al-Qur’ān) besteht aus 114 Suren

Andere Verse, wie Sure 15, berichten, dass Allah den Menschen aus „durchtrocknetem Ton“ erschuf. 

(23) Und fürwahr, Wir sind es, die lebendig machen und sterben lassen, und Wir sind die (alles) Erbenden. (24) Und Wir kennen ja diejenigen unter euch, die vorausgehen, und Wir kennen ja (auch) diejenigen, die zurückbleiben. (25) Und gewiß, dein Herr wird sie versammeln. Er ist Allweise und Allwissend. (26) Und Wir haben ja den Menschen aus trockenem Ton, aus fauligem schwarzen Schlamm erschaffen. (27) Und die Ğinn haben Wir zuvor aus dem Feuer des Glutwindes erschaffen. (28) Und als dein Herr zu den Engeln sagte: „Ich bin dabei, ein menschliches Wesen aus trockenem Ton, aus fauligem schwarzen Schlamm zu erschaffen. (29) Wenn Ich es zurechtgeformt und ihm von Meinem Geist eingehaucht habe, dann fallt und werft euch vor ihm nieder.“ (30) Da warfen sich die Engel alle zusammen nieder …

Sure 96 wiederum bezieht sich auf die Entwicklung des Menschen aus einem „Alaqa“, oft als „Blutklumpen“ oder „anhaftende Substanz“ übersetzt.

(1) Lies im Namen deines Herrn, der erschuf: (2) Er erschuf den Menschen aus einem Blutklumpen.

Was denn nun? Tropfen oder Ton oder Schlamm oder Blutklumpen? 

Diese Widersprüche werfen die Frage auf, ob es sich hierbei um göttlich inspirierte Texte handelt – oder um Mythen, die mehrfach angepasst wurden, um unterschiedlichen Zielgruppen zu gefallen.

Warum so ungenau?

Ein Argument, das oft von Gläubigen angeführt wird, lautet, dass der Koran keine wissenschaftliche Abhandlung sein wolle, sondern moralische Lehren und spirituelle Wahrheiten vermittle. 

Doch warum sollte ein allwissender Gott, der die Menschen von seiner Existenz überzeugen will, sich so vieler Widersprüche und Ungenauigkeiten bedienen?

  • Der Koran spricht von einer „ausgedehnten Erde“ (Sure 15:19), was mit der antiken Vorstellung einer flachen Erde korreliert. Warum hat Allah, der doch allwissend sein soll, keine präzisere Beschreibung des Universums geliefert?
  • Die Schöpfungserzählung im Koran dient oft als Grundlage für Allahs absolute Autorität. Doch wie überzeugend ist ein moralischer Appell, wenn er auf fragwürdigen Grundlagen basiert?

Fazit: Eine göttliche Schöpfung oder nur eine menschliche Erzählung?

Die Schöpfungsgeschichte im Koran mag Gläubige inspirieren, doch bei genauer Betrachtung offenbart sie sich als Produkt ihrer Zeit – voller kultureller Einflüsse, Widersprüche und veralteter Vorstellungen. 

Für Kritiker bleibt sie ein anschauliches Beispiel dafür, wie religiöse Texte oft mehr über die Menschen aussagen, die sie verfassten, als über die vermeintlichen Götter, die sie offenbart haben sollen.

Letztendlich zeigt die Schöpfung im Koran: Es bedarf mehr als vager Verse, um einen wirklich überzeugenden Beweis für göttliche Allmacht zu liefern.

Es gibt nichts an diesem Schöpfungsbericht, wenn man ihn überhaupt so nennen will, der seinen Wahrheitswert über den anderer Schöpfungsmythen erhebt, oder ihn zu ernsthafter Konkurrenz moderner Wissenschaft, Astrophysik und Evolutionsbiologie macht.

Gar nichts. 

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Kommentare

Ein Kommentar zu „Schöpfung im Koran: zwischen sechs Tagen und sieben Himmeln“

  1. Avatar von Ulrich Lamm
    Ulrich Lamm

    In mancher Hinsicht erscheint der Islam wie ein Designerwerk, aus jüdisch-christlichen Elementen auf die Zusammenfassung der Stämme Arabiens zu einer wirkungsvollen Gemeinschaft zugeschnitten. Aber die Widersprüche in der Schöpfungsgeschichte weisen darauf hin, dass Mohammed den Qoran nicht in endgültiger Form am Schreibtisch formuliert hat, sondern dass dieses Werk erst nach Mohammeds Tod niedergeschrieben wurde.

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