Fußballgott im Stadion

Der Fußballgott: ultimative Beweise für seine Existenz

Seit Generationen steht fest: Der „Fußballgott“ existiert. Die leidenschaftlichen Fangesänge, die tiefen Emotionen in den Stadien und das ewige Auf und Ab in der Tabelle – all dies deutet mit beeindruckender Präzision auf die Existenz eines höheren Wesens hin, das die Geschicke des Fußballs lenkt. 

So oder so ähnlich könnte man argumentieren, wenn man tatsächlich für die Existenz des Fußballgottes eintreten würde – was natürlich niemand tut.

Fußballgott Literatur
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Furore um Fußballgott beim „Finale dahoam“

Doch wenn wir die Fußballgott-Präsenz rational erklären wollten – kämen wir dann nicht bei denselben Denkmustern heraus, wie bei den „echten“ Gottesbeweisen? 

Und würde das nicht die Vermutung nahelegen, dass auch diese nur Kult sind, nur Mythos, nur blauer Dunst?

Ist das der Grund, warum die Kirchen vor dem Champions-League-Finale der Bayern 2012 gegen Chelsea so dünnhäutig und massiv Kritik an der Werbung von Sat.1 übten? 

Spinnen wir’s mal weiter. Im Folgenden beleuchten wir die klassischen Gottesbeweise und wie sie für den Glauben an den wahren Gott, den Fußballgott, Gültigkeit haben.

Ähnlichkeiten mit den Argumenten für andere Götter sind natürlich rein zufällig … 

Statue des Fußballgotts
Könnte er so aussehen, der Fußballgott?

Wer ist der Fußballgott?

Wir reden jetzt natürlich nicht von der blasphemischen Bezeichnung „Fußballgott“, die einige besonders fanatische Anhänger für Spieler ihrer Teams bereithalten. Beim Verlesen der Aufstellung im Stadion wird ja nach einigen Spielernamen „Fußballgott“ gebrüllt. 

Das ist natürlich albern. Verfügten diese Spieler wirklich über übernatürliche Fähigkeiten, würden sie nicht bei der Hertha spielen – oder die wäre in der Tabelle ganz woanders.

Wir reden hier vom wirklichen Fußballgott. Der, der dafür sorgt, dass Bayern sein berühmtes Dusel hat und Real immer in der letzten Minute trifft. Der mit der „Hand Gottes“ Weltmeisterschaftsspiele entscheidet.

Fußballgott Maradona
Fußball und Kult waren schon immer eng verknüpft: Aus der „Hand Gottes“ entwickelte sich mit der „Iglesia Maradoniana“ eine ganze Spaßreligion 

Es ist nicht ganz klar, wie der Fußballgott heißt – er könnte Goalachcoatl heißen oder Kreuzeckus Prime oder Abseitar oder Rasenlos. 

Es ist auch nicht ganz klar, ob er (oder sie?) im Wesen ein gütiger Gott ist, der seine ballspielenden Kinder liebt – oder mehr der cholerische Typ, der im Tobsuchtsanfall auch mal ein paar Populationen vernichtet oder Kinder ermordet wie sein Kollege Jahwe.

Was wir aber wissen: Die Geschehnisse im Fußball deuten auf die Existenz einer übernatürlichen Macht hin, die die Geschicke der Fußballprofis und Schiedsrichter lenkt.

Zahllose aktive Fußballer beten diesen ihren Gott an, wie unschwer zu erkennen ist, wenn einige den Platz betreten und die Hände zum Himmel halten. 

Der moralische Fußballgottesbeweis

Ein treffsicheres Argument ist der „moralische“ Beweis. Gibt es eine bessere Erklärung für das überwältigende Gefühl von Gerechtigkeit, das sich einstellt, wenn ein verschossener Elfmeter gegen das Lieblingsteam des Gegners das Spiel in die „richtige“ Richtung lenkt? 

Das moralische Gesetz im Fußball deutet darauf hin, dass irgendwo ein allwissender Fußballgott existieren muss, der entscheidet, wer wirklich den Sieg verdient.

Anders ließe sich die unbestechliche Fairness im Fußball kaum erklären. Der Fußballgott ist eben gerecht – zumindest, solange er das eigene Team unterstützt.

Und wenn das eigene Team doch verliert? Nun, der Fußballgott hat offenbar höhere, „unergründliche“ Pläne – das eigene Team wird nur auf die nächste Stufe vorbereitet oder geprüft. Egal, ob es betet oder nicht.

Der kosmologische Fußballgottesbeweis

Woher kommt der Fußball? Die Frage nach dem Ursprung des Fußballuniversums führt uns unweigerlich zum kosmologischen Argument, eine weitere Steilvorlage auf dem Weg zum unkritischen, kultischen Glauben. 

Es gibt einfach keine plausible Erklärung für die Existenz der Kreisklasse, der Bundesliga oder der Champions League ohne die Annahme eines ursprünglichen „Erstursachers“. 

Irgendjemand oder -etwas muss den Anstoß gegeben haben! Den Anstoß ausgeführt haben!

Und dieser „Jemand“ ist natürlich kein Geringerer als der Fußballgott selbst. Denn nur ein übernatürliches Wesen könnte eine Institution wie die FIFA erschaffen, die solch eine gigantische Anziehungskraft auf Milliarden Menschen ausübt und nebenbei auch noch eine ganze Kaste von Klerikern reich macht.

Beispiel: Die erste Kreisligapartie, das erste Bundesliga-Duell, das Champions-League-Finale – sie alle deuten darauf hin, dass hinter diesem Fußballkosmos ein höherer Plan steckt. Eine sinnstiftende Gerichtetheit. 

Wer würde sonst eine Welt kreieren, in der Abstiege und Wiederaufstiege den Fußballkreislauf ewig in Gang halten? Der Fußballgott ist der Urheber des Balls, der seit jeher rollt.

Fußballgott in Action
Der Kicker-Gott müsste schon ein sehr mächtiges Wesen sein

Der teleologische Beweis für den Fußballgott

Betrachten wir nun die akribische Ordnung, die dem Fußball innewohnt – Abseitsregeln, Standardsituationen oder auch den perfekten Pass. Es ist doch offensichtlich, dass dem ein Plan zugrunde leigt, ein „Intelligent Design“!

Dieser „intelligente Plan“ lässt keinen Zweifel daran, dass der Fußballgott hier seine Finger im Spiel hat. Ein derart komplexes System mit Abseitsfallen und Handspielregeln ist eindeutig nicht durch bloße Zufälle oder evolutionäre Prozesse entstanden.

Nein, ein Meisterdesigner muss dies geplant haben, ein Fußballgott, der die Welt der Elfmeter, Freistöße und Verlängerungen erschaffen hat. Und die moderne Wissenschaft mit Torlinientechnik und VAR zeigt nur, wie genial der Designer von vornherein war!

Fine-Tuning (Feinabstimmung Naturkonstanten)
Irgendjemand muss das alles doch passend eingestellt haben

Beispiel: Wer einmal das präzise Zusammenspiel einer perfekt ausgeführten Tiki-Taka-Passfolge aus der Blütezeit des FC Barcelona beobachtet hat, erkennt das Werk des Fußballgotts.

Dieses perfekte Zusammenspiel der Spieler, die Harmonien des Spielflusses – all dies deutet darauf hin, dass der Fußballgott selbst als „Chefcoach“ des Universums agiert.

Der ontologische Fußballgottesbeweis

Im Kern besagt der ontologische Gottesbeweis, dass die Vorstellung eines perfekten Wesens impliziert, dass dieses Wesen existiert. Der Gedanke allein, dass ein „Fußballgott“ existieren könnte, erfordert nach dieser Logik seine Existenz. 

Können wir uns wirklich einen Fußball ohne den Fußballgott vorstellen? Allein der Gedanke an ein Spiel ohne seine übergeordnete Führung, an ein Leben ohne Schicksalsfouls und gesegnete Tore, erscheint schlichtweg unvorstellbar. Ein Fußballgott muss daher existieren, denn das Gegenteil wäre, ganz einfach, absurd.

Beispiel: Wenn Fans nach einem unverdienten Freistoßtor „Gott sei Dank!“ rufen, dann ist das nicht bloß eine Redewendung. Der Gedanke, dass ein Fußballgott existiert und eingreift, ist tief in uns verankert. Ohne diese Existenzannahme wäre das gesamte Fußballerlebnis – gelinde gesagt – bedeutungslos.

Der kreationistische Fußballgottesbeweis

Natürlich stellt sich auch die Frage: Hat der Fußballgott den Fußball geschaffen, so wie er ist? Oder hat sich der Fußball einfach „entwickelt“?

Die Antwort der Kreationisten ist klar: Der Fußballgott hat den Fußball in seiner Vollkommenheit erschaffen. Schließlich ist alles vom Anstoß bis zur Taktik, vom Spielfeld bis zum Schlusspfiff genau so, wie es sein soll.

Die Evolutionstheorie im Fußball – also die Idee, dass sich das Spiel durch zufällige Prozesse und taktische Weiterentwicklungen ergeben habe – ist eine Beleidigung für jeden wahren Gläubigen.

Beispiel: Die Entstehung des perfekten Spielfelds, das mit 22 Spielern exakt gefüllt ist, lässt nur den Schluss zu, dass der Fußballgott diesen heiligen Rasen in seiner endgültigen Form geschaffen hat. Schließlich hat der Fußballgott auch die heilige Stätte „Stadion“ erbaut, wo seine Jünger ihn anfeuern.

Intelligent Design Kreationistenpfütze
Geht auch mit Pfützen, das Argument

Fazit: Der Fußballgott – ein unerschütterlicher Glaube

Nach all diesen Beweisen kann niemand mehr ernsthaft am Fußballgott zweifeln. Seine Anwesenheit ist spürbar, seine Weisheit unantastbar, und seine Entscheidungen – nun ja, die sind manchmal schwer zu verstehen, aber zweifellos unfehlbar. 

Denn so wie jeder religiöse Glaube sich mit einem großen, unsichtbaren Plan begnügt, akzeptiert auch der wahre Fußballgläubige die unendlichen Wege des Fußballgotts.

Ob er ein Foul zulässt, einen unverdienten Sieg schenkt oder das eigene Team in letzter Minute straucheln lässt – der Fußballgott tut alles mit einer Weisheit, die wir Menschen nur erahnen können.

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Fußballgott_Elf-Einwürfe (Literatur)

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