„Halal“ und „haram“ sind zentrale Begriffe im Islam, die Erlaubtes und Verbotenes definieren. Was steckt dahinter und worauf kommt es an?
Was bedeuten die Begriffe „haram“ und „halal“?
Die Begriffe „haram“ und „halal“ sind im Islam tief verwurzelt und leiten sich aus der arabischen Sprache ab.
- Halāl (arabisch: حلال) bedeutet „erlaubt“ oder „zulässig“ und umfasst alle Handlungen, die gemäß islamischem Recht (Scharia) unproblematisch sind.
- Harām (arabisch: حرام,) hingegen steht für „verboten“ oder „unzulässig“. Es beschreibt Dinge, die gegen die Gebote Gottes (gemeint ist natürlich Allah) verstoßen und für Muslime daher zu vermeiden sind.

Diese Konzepte betreffen nicht nur Nahrung, sondern auch Kleidung, Finanzen, Verhalten und Moralvorstellungen. Die Speisevorschriften sind in der nicht-muslimischen Öffentlichkeit aber am bekanntesten.
Ableitung der Haram-und-halal-Unterscheidung
Anweisungen zu haram (Verbotenem) und halal (Erlaubtem) finden sich in verschiedenen Quellen des islamischen Rechts und der Tradition.
Die Unterscheidung von haram und halal im Koran
Wenig überraschend ist der Koran die primäre Quelle für Vorschriften zu halal und haram. Viel dazu steht in der Sure 5.

In mehreren Versen werden spezifische Anweisungen gegeben:
Schweinefleisch, Blut, Aas und Fleisch, das nicht im Namen Gottes geschlachtet wurde, sind verboten (Sure 2:173, 5:3). In „Zwangslagen“ können allerdings Ausnahmen gemacht werden.
Alkohol wird ausdrücklich verboten.
O die ihr glaubt, berauschender Trank, Glücksspiel, Opfersteine und Lospfeile sind nur ein Greuel vom Werk des Satans. So meidet ihn, auf daß es euch wohl ergehen möge!
Sure 5:90
Die Unterscheidung von haram und halal im Hadith
Die Aussagen und Handlungen des Propheten Mohammed (Sunna) sind die zweite Hauptquelle. In den Hadithen finden sich detaillierte Vorschriften, zum Beispiel zur Schächtung von Tieren nach islamischem Ritus. Auch gibt es viele Hadithe zum Alltagsverhalten und zu Anstand, Hygiene und Umgangsformen.
Beispiele dafür, wie der Islam das tägliche Leben durch moralische, hygienische und zwischenmenschliche Prinzipien strukturiert und dass der Glaube an Allah auch durch praktische Handlungen und respektvollen Umgang ausgedrückt wird:
„Der Beste unter euch ist derjenige, der die besten Manieren hat und freundlich zu seiner Familie ist.“
(Sunan at-Tirmidhi, Hadith Nr. 1162)
„Wenn einer von euch aufwacht, soll er sich die Hände waschen, bevor er sie in ein Gefäß taucht, denn er weiß nicht, wo seine Hände während des Schlafes waren.“
(Sahih al-Bukhari, Hadith Nr. 162)
Der Prophet Mohammed verurteilte Zinsen (Riba) und spekulative Geschäfte, was heute Grundlage für islamisches Finanzwesen ist.
Halal und haram in der Fiqh (Islamische Rechtswissenschaft)
Islamische Rechtsgelehrte (Fuqaha) haben auf Basis des Korans und der Hadithe Rechtsregeln entwickelt.
In den verschiedenen Rechtsschulen (z. B. Hanafi, Maliki) gibt es detaillierte Regelungen, die halal und haram definieren, insbesondere für Finanzen (wie also Handelsverträge oder Schulden abzuwickeln sind) oder auch die Anwendung von halal und haram auf moderne Technologie und Medizin.
Fatwas und Rechtsprechung
In modernen Kontexten erlassen Gelehrte oft Fatwas, um halal und haram auf neue Situationen anzuwenden, z. B. beim Konsum von künstlich erzeugtem Fleisch oder der Verwendung von Kryptowährungen.
Haram und halal in der Ernährung
Scheinbar kommen große Religionen nicht aus, ohne ihren Anhänger*innen detaillierte Vorschriften zur Ernährung zu machen.

Das ist im Judentum so, im Christentum ebenfalls und auch der Islam als dritte abrahamitische Religion macht hier keine Ausnahme.
Selbst eine Spaßreligion wie der Diskordianismus oder das Fliegende Spaghettimonster haben Speisevorschriften.
Die Speisegesetzgebung im Islam ist gleichzeitig auch die bekannteste Anwendung der Begriffe halal (erlaubt) und haram (verboten).
Daneben gibt es detaillierte Vorschriften, die spezifische Lebensmittel und Zubereitungsarten regeln. Hier sind weitere Speisegesetze des Islam:
Verbotene Nahrungsmittel (haram)
Schweinefleisch und dessen Derivate
Schweinefleisch ist eindeutig verboten, da es als unrein gilt (Koran 5:3, 6:145).
Aas (verendete Tiere)
Tiere, die nicht ordnungsgemäß geschlachtet wurden, dürfen nicht konsumiert werden (Koran 2:173, 5:3).
Blut und Blutprodukte
Der Verzehr von Blut ist verboten (Koran 6:145).
Alkoholische Getränke und berauschende Substanzen
Der Konsum von Alkohol oder Drogen, die den Geist beeinträchtigen, ist untersagt (Koran 5:90).
Raubtiere und Greifvögel
Tiere mit Fangzähnen (z. B. Alligatoren) oder Raubvögel sind verboten (Sahih Muslim, Hadith Nr. 1934).

Erlaubte Nahrungsmittel (haram)
Pflanzliche Lebensmittel
Alle pflanzlichen Produkte sind grundsätzlich erlaubt, sofern sie nicht giftig oder schädlich sind.
Fleisch von Tieren, die islamisch geschlachtet wurden
Das Tier muss nach den Regeln des Dhabīḥah geschächtet werden, wobei Allahs Name erwähnt wird (Koran 6:118-121).
Meeresfrüchte
Die meisten Meeresfrüchte gelten als halal (Koran 5:96), darunter alle Fischarten (auch Raubfische). Bei Fischen ist zudem keine rituelle Schlachtung nötig. Jedoch gibt es Unterschiede in der Auslegung, insbesondere bei Schalentieren. Die Hanafiten (eine der vier Rechtsschulen des sunnitischen Islams) lehnen den Genuss von Meeresfrüchten wie Krebsen, Muscheln und Tintenfischen ab. Die Schafiiten wiederum (eine andere der vier Rechtsschulen) verbieten Wassertiere, deren Eigenschaften „unreinen“ Landtieren (Hund, Schwein, …) ähneln.
Moralische Dimension von haram und halal
Neben der Ernährung umfasst die Unterscheidung auch moralische und gesellschaftliche Aspekte.
Es gibt Handlungen, die als halal gelten und damit geboten sind, zum Beispiel Ehrlichkeit, Großzügigkeit, Gebet und Respekt gegenüber anderen. Ein besonderer Fokus liegt darauf, wie Handlungen das soziale Gefüge beeinflussen und ob sie mit den Prinzipien von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit übereinstimmen. Siehe dazu auch:
Am anderen Pol gibt es Handlungenm die haram sind: Lügen, Diebstahl, Mord oder der Konsum von Drogen zählen hierbei zu den größten Sünden.
Unterschiede in der Auslegung haram-halal
Die Auslegung dessen, was halal und haram ist, kann je nach islamischer Rechtsschule variieren. Während grundlegende Verbote wie Schweinefleisch und Alkohol universell gelten, gibt es bei Themen wie Finanztransaktionen (z. B. Zinsen) oder modernen Technologien Unterschiede.

Warum ist die Unterscheidung von haram und halal wichtig?
Die Unterscheidung ist nur für Muslime wichtig. Menschen anderer Religionszugehörigkeit und Atheisten begründen ihre Moralvorstellungen jeweils anders.

Muslime sehen in der Befolgung von halal und haram eine Möglichkeit, sich an die göttlichen Gebote zu halten und ein gottgefälliges Leben zu führen. Gleichzeitig bietet diese Differenzierung klare Leitlinien im Alltag und stärkt die Gemeinschaft durch gemeinsame Werte und Traditionen.
Damit sind Begriffe „haram“ und „halal“ weit mehr als rein religiöse Kategorien – sie prägen das tägliche Leben vieler Muslime und dienen als ethische Orientierung.
Dabei reicht die Spannbreite von Ernährung über Finanzen bis hin zu moralischem Verhalten. Die genaue Auslegung bleibt jedoch oft Interpretationssache und wird durch kulturelle und rechtliche Gegebenheiten beeinflusst.
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