Tanzverbot und Filmverbot am Karfreitag

Tanzverbot an Karfreitag: Deutschland spielt einmal im Jahr „Footloose“

Karfreitag – der Tag, an dem Jesus Christus laut Bibel für unsere Sünden am Kreuz starb. Ein ernstes Thema, logisch. 

Aber Deutschland wäre nicht Deutschland, wenn es nicht aus einem traurigen Ereignis sofort einen bürokratischen Tanz machen würde – genauer gesagt: einen Anti-Tanz. 

Denn während anderswo Leute in Ruhe ihrer Trauer nachgehen oder in stillen Prozessionen durch die Straßen pilgern, haben wir uns entschieden, kollektiv einen Tag lang die Füße still zu halten. Das Tanzverbot an Karfreitag ist quasi Deutschlands jährliche Neuauflage von „Footloose“ – nur halt ohne Kevin Bacon und leider nicht freiwillig.

In „Footloose“ (1984) verbietet ein Priester in einer amerikanischen Kleinstadt Tanzen, Rock’n Roll und Alkohol. In Deutschland ist das am Karfreitag Realität. Zumindest teilweise – Alkohol ist natürlich erlaubt, immerhin sind wir in Deutschland.

Tanzverbot: Hintergrund

Historisch betrachtet kommt das Tanzverbot aus einer Zeit, als man dachte, rhythmisches Hüftschwingen würde Gott nachhaltig beleidigen. Also im Prinzip das, was Dieter Bohlen regelmäßig mit der Musik macht. 

Besonders Bayern nimmt das Tanzverbot sehr ernst: Von Gründonnerstag bis Karsamstag ist praktisch jede Form von Spaß verboten, schließlich ist Karfreitag ein sogenannter stiller Feiertag. Da verordnet die Kirche ihren Schafen Gedenken, Demut und Fressehalten.

Wer da versehentlich ein bisschen mitsummt, könnte glatt das SEK auf den Plan rufen. Berlin hingegen sieht es entspannter – wenn man hier tanzt, riskiert man maximal ein höfliches Räuspern vom Ordnungsamt per Post.

Auch Filme sind am Karfreitag verboten

Noch skurriler wird das Ganze, wenn man sich anschaut, welche Filme an Karfreitag verboten sind. 

Arnold Schwarzenegger als „Terminator“? Tabu. 

Clint Eastwood ballert in „Für eine Handvoll Dollar“? Fehlanzeige. 

Monty Pythons „Leben des Brian“? Absolut verboten – Jesus könnte schließlich lachen. 

Filmverbot Karfreitag
Am Karfreitag spielt die Kirche Humorpolizei in Deutschland

Und dann wird es richtig bizarr: Selbst „Heidi“, das harmlose Mädchen von der Alm (siehe Titelbild), darf am Karfreitag nicht über deutsche Bildschirme flimmern.

Vermutlich, weil die ausgelassene Fröhlichkeit und das unverschämte Dauergrinsen eines kleinen Kindes die Menschen in der stillen Andacht irritieren könnten. 

Stell dir mal vor, dir entwischt ein kleines Lachen oder du wippst plötzlich unkontrolliert mit dem Fuß – das wäre eine Katastrophe biblischen Ausmaßes!

Karfreitags-Tanzverbot für Bremer Musikanten?

Politisch wird seit Jahren heiß diskutiert, ob man das Tanzverbot nicht doch abschaffen sollte. Bisher verliefen diese Debatten aber ähnlich erfolgreich wie der Versuch, einem Faultier das Klavierspielen beizubringen – nämlich gar nicht. 

Einzig Bremen hat das Verbot inzwischen abgeschafft, was ich persönlich mutig finde, denn bisher wusste niemand so genau, dass Bremen überhaupt existiert. 

Im Rest des Landes hält man eisern an der frommen Tradition fest, obwohl inzwischen weniger als die Hälfte der Deutschen noch Mitglied einer Kirche ist. Aber gut, Traditionen sterben langsam – genau wie der Humor derer, die sich solche Verbote ausdenken.

Religionsgemeinschaften Statistik für Deutschland
Religionszugehörigkeiten in Deutschland zum 31.12.2023 – wie man sieht, sind die Konfessionslosen die größte Gruppe (Quelle: Carsten Frerk – FoWiD)

Tanzverbote im europäischen Vergleich

Im europäischen Vergleich wirkt das deutsche Tanzverbot übrigens wie eine humoristische Einlage. 

Selbst in Spanien, wo die Karwoche so katholisch ist wie der Papst persönlich, darf fröhlich gefeiert werden.

Oster-Prozession in Spanien
Spanier wissen, wie man an Ostern Spaß hat

Und die Österreicher – auch nicht gerade bekannt für exzessive Lebensfreude – haben ihr Tanzverbot längst abgeschafft.

In der Schweiz entscheidet jeder Kanton selbst, was meistens dazu führt, dass man tanzt, wenn man Lust dazu hat. Die Schweizer halt, immer so pragmatisch.

Die 90er haben angerufen und wollen ihr Tanzverbot zurück

Wie sieht die Zukunft für unser Tanzverbot aus? Vermutlich wird es irgendwann abgeschafft, spätestens wenn die letzte Generation Kirchenmitglieder ihren Mitgliedsausweis zusammen mit ihrem Nokia 3310 in der Vitrine ablegt. 

Bis dahin aber heißt es: Jährlich einmal Füße stillhalten oder nach Holland flüchten, wo man schon längst begriffen hat, dass Jesus Humor hatte – immerhin machte er Wein aus Wasser, was ich persönlich als grandiose Partyidee betrachte.

Bis dahin bleibt Deutschland das einzige Land, das Jesus’ angebliches Opfer dadurch ehrt, dass es ihm den ganzen Tag Heidi und Arnold Schwarzenegger vorenthält.

Ich bin mir sicher: Wenn Jesus wirklich zuschaut, rollt er einmal im Jahr mit den Augen und murmelt: „Ernsthaft, Leute? Wegen mir müsst ihr das nicht machen!“

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