Der Priester steht schreiend vor dem Altar, kanalisiert göttliche Energie durch die Ärmel seiner Kasel (LOL) und leitet dank seiner magischen Fertigkeiten die Transsubstantiation ein – so stellt man sich die Wandlung bei einer katholischen Messe vor.

In Echt ist das aber viel langweiliger: Ein Mann im rentenfähigen Alter murmelt ein paar Silben und ein pubertierender Knabe läutet ein Glöckchen. Das war’s dann mit der Wandlung.
Kann das eigentlich jeder oder braucht man dazu eine magische Grundausbildung? Wenn’s nach der Kirche geht, ist das ganz klar: Man braucht sie.
Prostratio: das Brimborium der Priesterweihe
Wer jemals eine Priesterweihe miterlebt hat, weiß: Das Ganze wirkt eher wie ein Ritual aus „Herr der Ringe“ als wie eine Berufseinführung. Weihrauch zieht durch den Raum, lateinische Formeln wabern über die Köpfe der Zuschauer, und die Hauptakteure liegen ausgestreckt auf dem Boden – als hätten sie eine Mischung aus Yoga und Ohnmacht ausprobiert.
Inoffiziell hat sich genau für so etwas der Begriff des Brimboriums etabliert (er ist eine Abwandlung des kirchenlateinischen Wortes breviarium, das „Sammlung von Stundengebeten“ bedeutet).
Offiziell nennt man das „Prostratio“. Aber eigentlich ist es nur ein symbolisches Niederwerfen, das den Eindruck erwecken soll: Ab jetzt beginnt ein neues, überirdisches Leben.
Kirchenlatein für Fortgeschrittene: Lustige Begriffe rund um die Priesterweihe
Die katholische Kirche liebt es, Dinge kompliziert klingen zu lassen. Das kennen wir von der Transubstantiation, dem Dispensationalismus und der Verbalinspiration.
Dröseln wir erst mal auf, welche Art von Priester es überhaupt gibt.
- Priester
Der Hauptdarsteller. Früher hieß es: „Ein Mittler zwischen Gott und Mensch.“ Heute eher Herr Müller von nebenan. Betont nahbar. - Pfarrer
Ein Priester mit eigenem Revier – die Gemeindeversion des Managers, der für Finanzen, Kirchenchor und kaputte Dachziegel zuständig ist. - Kaplan
So etwas wie der Assistenzpfarrer: jung, frisch geweiht, darf aber noch nicht richtig ran. Ein bisschen wie ein Praktikant mit Weihrauchlizenz. - Diakon
Die Vorstufe zum Priester, quasi der Azubi mit eingeschränkten Vollmachten. Darf taufen, predigen, beerdigen – aber keine Messe feiern. - Bischof
Der regionale Oberzauberer. Trägt eine Mitra, schwingt den Hirtenstab und redet gerne in Sätzen, die nach feierlichem Latein klingen, auch wenn’s nur Kirchendeutsch ist.
- Kardinal
So etwas wie die Chefetage im Kirchenkonzern. Erkennt man an roten Gewändern – als hätte man die Liturgie mit dem Dresscode des Vatikans kombiniert. - Papst
Der CEO von „God Inc.“ – offiziell Stellvertreter Christi, inoffiziell auch Mode-Influencer für weiße Roben.
Prada für Priester: von Messgewändern und Mitren
„Kompliziert klingen“? Das gilt auch für die priesterlichen Klamotten.
Man muss bei den Namen manchmal schon schmunzeln und fragt sich, ob die Kleidungsstücke nicht besser im Kostümfundus eines Schmierentheaters aufgehoben wären.

Aus Jux haben wir ein paar Spitznamen zu den pompösen Insignien der Bischöfe, albernen Kopfbedeckung für abgehalfterte Altmagier und modischen Relikten aus dem Spätmittelalter dazugedichtet.
- Albe
Knöchellanges weißes Unterkleid, Symbol für Reinheit.
👉 „Nachthemd des Herrn“ - Amikt
Quadratisches Tuch um die Schultern, offiziell „geistliche Rüstung“.
👉 „Himmlisches Unterhemd deluxe“ - Birett
Eckige Kopfbedeckung mit Bommel, früher Pflicht.
👉 „Kleriker-Lego-Hut“

- Chorhemd
Kurze Alben-Version, über Soutane getragen.
👉 „Ministranten-Schuluniform“ - Chormantel (Pluviale)
Prunkvoller Umhang, vor allem bei Prozessionen.
👉 „Kirchlicher Catwalk-Mantel“ - Dalmatik
Weitärmliges Festgewand für Diakone.
👉 „Liturgische Tunika“ - Fanon
Exklusives Papst-Schultertuch, heute nicht mehr in Gebrauch.
👉 „Papst-Cape aus der Mottenkiste“ - Gremiale
Schürze zum Schutz bei Ölsalbungen.
👉 „Salbungsvolle Bischofs-Küchenschürze“ - Kasel
Ärmelloses Überwurf-Gewand, bunt bestickt.
👉 „Campingzelt des Herrn“ - Manipel
Stoffstreifen für die linke Hand, inzwischen abgeschafft.
👉 „Überflüssiger Arm-Schal“ - Mitra
Spitze Bischofsmütze, seit dem 10. Jh. in Mode.
👉 „Spitzenmäßiger Priesterpartyhut“ - Mozetta
Knopfumhang für Kleriker, farblich abgestuft.
👉 „Priester-Bolero“ - Pallium
Wollband mit Kreuzen über den Schultern, päpstliches Symbol.
👉 „Schäferhund-Leine Gottes“ - Pontifikalhandschuhe/-schuhe/-strümpfe
Edle Accessoires für Bischöfe.
👉 „Kirchliches Gucci-Set“ - Rationale/Superhumerale
Brust- und Rückentuch, heute nur in wenigen Bistümern.
👉 „Irrational prächtiges Prunktuch“ - Soutane
Knöchellanger schwarzer Kleriker-Mantel.
👉 „Vampir-Look für den Alltag“ - Stola
Schalartige Insignie, je nach Rang verschieden getragen.
👉 „Joch-Schal“ - Subcinctorium
Dekorstreifen am Gürtel des Papstes, inzwischen abgeschafft.
👉 „Päpstlicher Dekorlappen“ - Tiara
Dreifache Papstkrone, heute nur noch im Wappen.
👉 „Triple-Krone XXL“ - Tunicella
Gewand des Subdiakons, kaum unterscheidbar von der Dalmatik.
👉 „Diakonklamotte light“ - Velum
Tuch, um heilige Dinge nicht direkt anzufassen.
👉 „Liturgischer Ofenhandschuh“ - Zingulum
Kordelgürtel zur Albe, manchmal mit Quasten.
👉 „Heilige Bademantel-Quaste“

Von Stefans und Michaels: Priester sind auch nur Leute
Hinter den ganzen Ritualen und lateinischen Floskeln stehen aber am Ende ganz normale Männer. Stefan, Michael oder Thomas – Leute, die früher mit ihren Freunden auf dem Bolzplatz standen, sich über Mathearbeiten geärgert haben und vermutlich genauso wie alle anderen Teenager durch die Pubertät stolperten.
Jetzt tragen sie halt Soutane statt Trikot. Dass die Kirche ausgerechnet diesen Menschen einen „besonderen Status“ verleiht, gehört zur Inszenierung. Irgendwas metaphysisch Bedeutendes dahinter gibt es nicht.
Warum Priester trotzdem als „heilig“ gelten
Die katholische Theologie behauptet einfach trotzdem, dass die Priesterweihe einen „ontologischen Charakter“ verleiht – kann ja keiner so schnell das Gegenteil beweisen.
Ein Priester ist demnach durch das Ritual für immer innerlich verwandelt, selbst wenn er später aussteigt oder sich in einen Skandal verwickelt (siehe dazu den Artikel über Missbrauch in der Kirche).

Verwandelt klingt nach Zauberspruch, ist aber nur ein theologisches Konstrukt. Kritiker würden sagen: ein Etikettenschwindel, der aus ganz normalen Menschen Übermenschen macht – zumindest auf dem Papier.
Priester und Laiendienste
Die Kirche hat es gern streng hierarchisch – sonst könnte ja jeder kommen oder noch schlimmer: jede.
Weil ihr aber das Personal für den liturgischen Betrieb langsam ausging, hat man unter dem Deckmäntelchen der „tätigen Teilnahme des Kirchenvolks am Gottesdienst“ auch Laien erlaubt, gewisse Rollen zu übernehmen.
Natürlich streng limitiert und nur unter einseitig diktierten Voraussetzungen – das kennen wir bereits.
Laien haben keine Priesterweihe und tragen auch keine Kostüme, dürfen aber trotzdem ein bisschen mitmachen – seit 1963. Wenn die Kirche von „Laiendiensten“ spricht, heißt das: Vorlesen (Lektor), Vorsingen (Kantor), Hostien verteilen (Kommunionhelfer). Dazu muss man natürlich Hardcore-Christ sein und eine besondere „Ehrfurcht vor der Eucharistie“ (katholisch.de) zeigen.
- Lektor
Der Mensch, der im Gottesdienst Texte vorliest – meistens mit einer Mischung aus Pathos und gelangweiltem Schulreferat. - Kantor
Der Sänger, der die Gemeinde zum Mitsingen animieren soll – was allerdings regelmäßig scheitert, weil niemand die Melodie kennt. - Messdiener-Chef
Eine Art Anführer der Ministranten, oft 16 Jahre alt, aber schon so wichtig, als ginge es um den Weltfrieden. - Ministrant
Kinder oder Jugendliche, die im Gottesdienst Dinge tragen, Glöckchen bimmeln und an den richtigen Stellen „Amen“ sagen. - Thuriferar
Der Auserwählte mit der besten Aufgabe: Schwenkt das Weihrauchfass (Thuribulum) durch die Kirche, bis selbst die letzte Oma im Nebel verschwindet.

Menschen in Kostümen reden von einem unsichtbaren Gott
Fassen wir zusammen. Priester sind ganz normale Männer, die sich für einen Beruf in einer Institution entschieden haben, die es liebt, Dinge mit Weihrauch, Ritualen und geheimnisvollen Begriffen zu überhöhen.
Und prächtigen Frauenkleidern. Frauen sind bei den Katholiken und Orthodoxen aber nach wie vor nicht für die Priesterweihe zugelassen 😂
Priester sind keine Halbgötter, keine besonderen Wesen, sondern einfach ganz normale Menschen in kostümierten Rollen – mit einem Jobtitel, der mehr Schein als Sein ist. Von „jenseitigen“ Dingen haben sie nicht mehr und nicht weniger Ahnung, als du und ich. Höchstens mehr Überzeugung.
Natürlich können Priester auch Sinnvolles leisten – allerdings nichts, was ein Psychologe, ein Pfleger, ein Arzt oder einfach ein „säkularer“ Mitmensch nicht auch könnten.

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