David tötete einst Goliath – oder etwa nicht? Wie so oft bei heroischen Geschichten lohnt sich ein zweiter Blick, denn die Bibel selbst liefert widersprüchliche Versionen. 

Neben dem berühmten David beansprucht plötzlich ein gewisser Elchanan das tödliche Verdienst. Was also stimmt – und was sagt dieser Widerspruch über die Bibel als „heilige Schrift“?

Die klassische Erzählung: David gegen Goliath

Die Geschichte vom jungen David, der mit einer Schleuder den riesigen Krieger Goliath zu Fall bringt, ist eine der bekanntesten Erzählungen der Bibel – ein Sinnbild für Mut, Glauben und den Sieg des Schwachen über den Starken. 

Wer tötete Goliath?
Dieses Caravaggio-Gemälde von 1606 zeigt die berühmte Szene: David kehrt mit dem abgetrennten Kopf Goliaths in das israelitische Heerlager zurück

Die Geschichte aus 1. Samuel 17

Im ersten Buch Samuel, Kapitel 17, wird die Geschichte ausführlich erzählt, eingebettet in die Geschehnisse rund Gründung und Festigung der Königreiche Juda und Israel.

Geschichte des alten Israel
Das Buch behandelt die Geschichte der Hebräer von der langen Phase der Ansiedlung, die um 1200 begann, bis zum Ende der Monarchie Israel 721 und derjenigen Judas 587. [Anzeige]

Natürlich kommen wir nicht ohne die üblichen biblischen Land- und Viehwirtschaft-Metaphern aus. Der junge Hirte David, bewaffnet nur mit einer Steinschleuder, tritt dem schwer gepanzerten Philister Goliath entgegen – und besiegt ihn mit einem gezielten Steinwurf. Hier die Stelle aus dem ersten Buch Samuel.

34 David aber sprach zu Saul: Dein Knecht hütete die Schafe seines Vaters; und kam dann ein Löwe oder ein Bär und trug ein Schaf weg von der Herde, 35 so lief ich ihm nach, schlug auf ihn ein und errettete es aus seinem Maul. Wenn er aber auf mich losging, ergriff ich ihn bei seinem Bart und schlug ihn tot. 36 So hat dein Knecht den Löwen wie den Bären erschlagen, und diesem unbeschnittenen Philister soll es ergehen wie einem von ihnen; denn er hat die Schlachtreihen des lebendigen Gottes verhöhnt. 

37 Und David sprach: Der HERR, der mich von dem Löwen und Bären errettet hat, der wird mich auch erretten von diesem Philister. Und Saul sprach zu David: Geh hin, der HERR sei mit dir! 38 Und Saul legte David seine Rüstung an und setzte ihm einen ehernen Helm auf sein Haupt und legte ihm einen Panzer an. 39 Und David gürtete sein Schwert über seine Kleider und versuchte zu gehen; aber er war es nicht gewohnt. Da sprach David zu Saul: Ich kann so nicht gehen, denn ich bin’s nicht gewohnt; und er legte es ab 40 und nahm seinen Stab in die Hand und wählte fünf glatte Steine aus dem Bach und tat sie in die Hirtentasche, die er hatte, in den Beutel, und nahm die Schleuder in die Hand und ging dem Philister entgegen. 

41 Der Philister aber kam immer näher an David heran, und sein Schildträger ging vor ihm her. 42 Als nun der Philister aufsah und David anschaute, verachtete er ihn; denn er war ein Knabe, bräunlich und schön. 43 Und der Philister sprach zu David: Bin ich denn ein Hund, dass du mit Stecken zu mir kommst? Und der Philister fluchte dem David bei seinem Gott. 44 Und der Philister sprach zu David: Komm her zu mir, ich will dein Fleisch den Vögeln unter dem Himmel geben und den Tieren auf dem Felde. 

45 David aber sprach zu dem Philister: Du kommst zu mir mit Schwert, Spieß und Sichelschwert, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN Zebaoth, des Gottes der Schlachtreihen Israels, die du verhöhnt hast. 46 Heute wird dich der HERR mir überantworten, dass ich dich erschlage und dir den Kopf abhaue und gebe deinen Leichnam und die Leichname des Heeres der Philister heute den Vögeln unter dem Himmel und dem Wild auf der Erde, damit alle Welt innewerde, dass Israel einen Gott hat, 47 und damit diese ganze Gemeinde innewerde, dass der HERR nicht durch Schwert oder Spieß hilft; denn der Krieg ist des HERRN, und er wird euch in unsere Hand geben. 

48 Als sich nun der Philister aufmachte und daherging und sich David nahte, lief David eilends von der Schlachtreihe dem Philister entgegen. 49 Und David tat seine Hand in die Tasche und nahm einen Stein daraus und schleuderte ihn und traf den Philister an der Stirn, dass der Stein in seine Stirn fuhr und er zur Erde fiel auf sein Angesicht. 

50 So überwand David den Philister mit Schleuder und Stein und traf und tötete ihn. David aber hatte kein Schwert in seiner Hand. 51 Da lief er hin und trat zu dem Philister und nahm dessen Schwert und zog es aus der Scheide und tötete ihn und hieb ihm den Kopf damit ab. Da aber die Philister sahen, dass ihr Stärkster tot war, flohen sie. 

Wenn man genau liest, stirbt Goliath erst mit der Enthauptung. Oder doch nicht? Letztendlich wird Goliath ja zweimal getötet (Vers 50 und 51). Der Bibeltext ist da nicht genau bzw. widerspricht sich.

Cineastisch wurde diese berühmte Story schon oft dargestellt. Gerne mit reinverflochten: Exodus, Moses, Prophezeiungen, Nephilim, brennende Dornbüsche. Was man halt erzählerish so im Hause hat.

Hier eine der aktuellsten Verfilmungen aus der Serie „Das Haus David“.

Der Kopf des Riesen wird dem israelitischen König Saul präsentiert, und David wird über Nacht zum Volkshelden. Die Geschichte hat alles, was ein gutes Epos braucht: Spannung, Heldentum, göttliche Unterstützung, Splatter.

Das Haus Davids (Serie)
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Symbolkraft des „kleinen“ Helden David

Diese Erzählung lebt von ihrer Symbolik. David verkörpert den Glauben, der Berge versetzt – oder eben Riesen stürzt.

Hier eine weitere filmische Umsetzung aus der Serie „Die Bibel“. 

Goliath dagegen steht für die Arroganz der Macht, die sich demütigen lässt. Die Geschichte wurde über Jahrhunderte zur Metapher für den Triumph des „Kleinen“, sei es in Politik, Gesellschaft oder Sport.

Wer sich „wie David gegen Goliath“ behauptet, steht kulturell in einer langen Tradition – ob gläubig oder nicht.

Rezeption in Theologie und Kultur

Die theologische Ausdeutung sieht in David den „Gesalbten“, den von Gott auserwählten König Israels, der später zum Urvater des Messias werden soll. 

Künstlerisch wurde das Motiv zahllos aufgegriffen – von Michelangelos Statue bis zur Kindergottesdienst-Erzählung. Es ist eine der identitätsstiftenden Geschichten des Judentums und Christentums – was die folgende Unstimmigkeit umso brisanter macht.

Wer tötete Goliath?
Eine der zahlreichen Abbildungen des Konflikts befindet sich in San Sebastian

Der Widerspruch in der Bibel: Elchanan als Goliath-Töter?

Wieso gibt es plötzlich eine zweite Version?
Und wieso kennt die kaum jemand?

2. Samuel 21,19: Eine andere Version

In „Die Helden Davids und ihre Taten“ heißt es:

 15 Es erhob sich aber wieder ein Krieg der Philister mit Israel. Und David zog hinab und seine Knechte mit ihm, um mit den Philistern zu kämpfen. Und David wurde müde. 16 In Nob aber war Jischbi, der einer der Riesensöhne[2] war, und das Gewicht seines Speers war dreihundert Schekel Bronze, dazu war er mit einem neuen Schwert gegürtet. Der wollte David erschlagen. 

17 Aber Abischai, der Sohn der Zeruja, half David und schlug den Philister tot. Da beschworen David seine Männer und sprachen: Du sollst nicht mehr mit uns ausziehen in den Kampf, damit nicht die Leuchte in Israel verlischt. 18 Danach erhob sich bei Gob noch ein Krieg mit den Philistern. Da erschlug Sibbechai, der Huschatiter, den Saf, der auch einer vom Geschlecht der Riesen war. 

19 Und es erhob sich noch ein Krieg bei Gob mit den Philistern. Da erschlug Elhanan, der Sohn Jaïrs aus Bethlehem, den Goliat, den Gatiter; der hatte einen Spieß, dessen Schaft war wie ein Weberbaum. 

20 Und es erhob sich noch ein Krieg bei Gat. Da war ein langer Mann, der hatte sechs Finger an seinen Händen und sechs Zehen an seinen Füßen, das sind vierundzwanzig an der Zahl, und auch er war vom Geschlecht der Riesen. 

21 Und als er Israel Hohn sprach, erschlug ihn Jonatan, der Sohn Schimas, der ein Bruder Davids war. 22 Diese vier stammten vom Geschlecht der Riesen in Gat und fielen durch die Hand Davids und seiner Knechte. 

Keine Spur von David.
Kein Schleuderdrama.
Kein göttliches Eingreifen. 

Einfach nur ein anderer Mann, der denselben Gegner tötet – mit denselben ikonischen Waffen. Ein klarer Widerspruch zum David-Epos. Wie kann das sein?

Wer tötete Goliath
War es vielleicht gar nicht David, sondern nur einer seiner Krieger?

Unterschiede in den Goliath-Textüberlieferungen

Einige Bibelübersetzungen versuchen, den Widerspruch abzuschwächen, indem sie den Namen „Goliath“ durch „Bruder von Goliath“ ersetzen – eine Ergänzung, die im hebräischen Urtext jedoch nicht existiert. 

Solche Unterschiede in der Textüberlieferung deuten darauf hin, dass spätere Redaktoren versuchten, den inneren Widerspruch zu glätten. Doch wer genau hinsieht, erkennt: Die ursprüngliche Aussage ist eindeutig – und sie widerspricht der bekannteren Version aus 1. Samuel 17.

Versuche der Harmonisierung der Goliath-Tötungen

Um diesen Widerspruch zu erklären, greifen Theologen zu diversen Strategien: 

  • Manche behaupten, es habe zwei Goliaths gegeben. 
  • Andere nennen Elchanan lediglich einen Soldaten unter Davids Befehl. 
  • Wieder andere sagen, Elchanan habe „nur“ den Bruder Goliaths erschlagen. 

Mögliche Erklärungen für den Widerspruch

All diese Versuche zeigen: Die Spannung zwischen den Texten ist so offensichtlich, dass sie nicht ignoriert werden kann – aber auch kaum ohne Verrenkung aufzulösen ist.

Redaktionelle Bearbeitung und spätere Ergänzungen

Eine plausible Erklärung ist, dass die berühmte David-Geschichte eine spätere Bearbeitung ist – ein Heldengedicht, das dem König nachträglich zugeschrieben wurde, um seine Bedeutung zu erhöhen. 

Das ist in der antiken Literatur keine Seltenheit. Die ältere Tradition könnte Elchanan als den tatsächlichen Kämpfer nennen – und David wurde erst später zum mythischen Goliath-Bezwinger gemacht, weil das politisch und theologisch besser ins Bild passte.

Meme Atheismus
Die Widersprüche in der Bibel sind oft erstaunlich offensichtlich

Verwechslung von Figuren und Namen

Auch Verwechslungen durch Abschreibfehler oder Namensähnlichkeiten sind denkbar. In der mündlichen und schriftlichen Überlieferung der Antike wurden Heldentaten oft mehreren Figuren zugeschrieben, je nach Region, Interesse oder theologischer Ausrichtung. 

Möglicherweise war Elchanan in Bethlehem ein bekannter Krieger – und seine Geschichte wurde später mit der David-Erzählung verschmolzen oder überschrieben. Dieses Überschreiben kennen wir schon von der Sintflut.

Goliat David Steinschleuder
Bild eines Steinschleuderers aus den Balearen. So ähnlich dürften antike jüdische Steinschleuderer ebenfalls ausgesehen haben

Apologetische Strategien: Wie Theologen mit dem Problem umgehen

Konservative Theologen versuchen, den Widerspruch durch kreative Auslegung zu entschärfen. Dabei wird der Text in 2. Samuel wahlweise uminterpretiert oder als spätere Abschreibverwirrung dargestellt.

Doch solche apologetischen Manöver machen die Bibel nicht kohärenter, sondern nur weniger glaubwürdig. Wer Widersprüche mit Argumenten „wegrationalisiert“, demonstriert vor allem eines: die Angst vor dem Verlust dogmatischer Autorität.

Sind es nicht vielleicht zwei verschiedene Goliaths?

Ja, diese Möglichkeit wurde tatsächlich von einigen Auslegern und Apologeten in Betracht gezogen – doch sie ist problematischer, als sie auf den ersten Blick scheint.

Die Idee lautet: Es seien zwei verschiedene Personen mit demselben Namen. Klingt zunächst plausibel – schließlich heißen auch heute viele Menschen gleich, ohne identisch zu sein. Doch diese Lösung steht auf wackligem Boden, sowohl textlich als auch historisch.

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Erstens: Die Beschreibung beider Goliaths ist nahezu identisch. Beide sind „Goliath, der Gittiter“, also aus der Philisterstadt Gat, beide tragen denselben ikonischen Speer „wie ein Weberbaum“. nicht unmöglich, aber sie widerspricht dem Prinzip der Wahrscheinlichkeit. Zwei riesenhafte Philister namens Goliath aus der gleichen Stadt mit identischer Bewaffnung, die beide in identischen Formulierungen beschrieben werden – das ist nicht gerade ein überzeugendes Szenario.

Zweitens: Die Harmonisierungsversuche in manchen Bibelübersetzungen sprechen Bände. So wird in 2. Samuel 21,19 in manchen deutschen Übersetzungen (z. B. Lutherbibel 1984) eingefügt, Elchanan habe „den Bruder Goliaths“ getötet – obwohl im hebräischen Urtext von einem „Bruder“ keine Rede ist.

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Drittens: Es ist wahrscheinlich, dass die David-Geschichte später entstand oder ausgeschmückt wurde. Textkritiker und Historiker vermuten, dass die Elchanan-Version ursprünglich war – ein früher Kriegsheld, der den Philister-Giganten tötete. Erst später wurde die Tat David zugeschrieben, um seine Rolle als göttlich legitimierter König zu untermauern. 

Was bedeutet der Goliath-Widerspruch für die biblische Autorität?

Wenn zwei Texte in derselben Heiligen Schrift einander widersprechen – wer hat dann recht? Und was bedeutet das für den Anspruch, die Bibel sei „göttlich inspiriert“ und „irrtumslos“? 

Der Widerspruch um Goliaths Tod kratzt nicht nur an einer Heldengeschichte – er stellt das gesamte Prinzip der biblischen Autorität in Frage. Denn wenn schon bei so zentralen Figuren wie David die Fakten unsicher sind – wie steht es dann um die „Wahrheiten“ in anderen Texten?

Noch dazu leitet sich von David der Stammbaum Jesu ab – zumindest wurde das rückwirkend so zugedacht. Auch hier gibt es nämlich reichlich Unstimmigkeiten.

Mythos, Legende oder historische Erinnerung?

Der Fall Goliath zeigt exemplarisch, wie schwer es ist, zwischen Historie und religiöser Erzählung zu unterscheiden. Wahrscheinlich handelt es sich bei der David-Geschichte um eine Legende, die später kanonisiert wurde. 

Der historische Kern – wenn es ihn gibt – wurde ausgeschmückt, überlagert und theologisch aufgeladen. Die Bibel ist damit nicht primär ein Geschichtsbuch, sondern eine Sammlung symbolischer Deutungen – und gerade deshalb kritisch zu lesen.

Der Umgang mit Fehlern im „heiligen“ Text

Wer die Bibel als „heilig“ und „unfehlbar“ ansieht, muss mit solchen Widersprüchen ringen – und verliert oft die intellektuelle Redlichkeit. 

Wer dagegen akzeptiert, dass die Bibel ein menschliches Dokument ist, kann solche Konflikte als das sehen, was sie sind: Spuren einer lebendigen Überlieferung, voller Brüche, Redaktionen und ideologischer Interessen. Der wahre Respekt vor der Bibel beginnt dort, wo man sie als Literaturdenkmal ernsthaft liest – nicht dort, wo man sie unkritisch verklärt.

Historische Einbettung des Konflikts mit Goliath

Die Geschichte von David und Goliath spielt zur Zeit der sogenannten „Vereinigten Monarchie“ unter Saul und David, also im 11. bis 10. Jahrhundert v. u. Z. — einer Epoche, in der die israelitischen Stämme erstmals zu einem größeren politischen Verband zusammenwuchsen – zumindest der biblischen Darstellung nach. Das Buch Samuel selbst dürfte gegen in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. u. Z. entstanden sein, also rund 400 Jahre später.

In Wirklichkeit ist nicht belegt, dass es sich bei Israel um ein größeres Reich handelte. Die Bevölkerung Jerusalems in dieser Zeit wird auf 1.500 Einwohner geschätzt.

Historisch betrachtet markiert diese Phase den Übergang von einer dezentralen Stammesgesellschaft mit charismatischen „Richtern“ zu einer institutionalisierten Monarchie mit zentraler Königsherrschaft.

Der Krieg gegen die Philister („Seevölker“) – zu denen Goliath gehörte – spiegelt diesen Umbruch wider. Die Philister waren eine technologisch überlegene Seemacht mit Städten an der Mittelmeerküste, darunter Gaza, Aschkelon und Ekron. 

Völkermord Bibel Landnahmen, Israel
Karte der Landnahme Israels

Ihr Aufstieg stellte eine massive Bedrohung für das entstehende israelitische Königreich dar. Goliath, der philistische Champion, verkörpert somit die militärische Überlegenheit der Philister, während David die Hoffnung auf einen göttlich legitimierten Führer symbolisiert, der diese Übermacht besiegen kann.

Der historische Kern der Erzählung dürfte in einem realen, wenn auch längst mythologisierten Konflikt zwischen Israeliten und Philistern liegen. David fungiert hier als Projektionsfläche für ein neues israelitisches Selbstbewusstsein: ein junger, zunächst unbedeutender Hirte, der sich durch Mut, List und göttliche Unterstützung gegen die überlegene Gewalt behauptet – eine ideale Gründungslegende für ein Königreich, das Legitimation braucht.

Die Erzählung diente wohl auch dazu, Davids Anspruch auf das Königtum nachträglich zu rechtfertigen. Während Saul als König versagt und göttlich verworfen wird, tritt David schon als junger Mann als Held auf, der Israels Feinde bezwingt – ein literarisches Mittel, um seine Königswürde als quasi vorbestimmt darzustellen.

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Wer tötete Goliath?
Kein Riese ist zu groß für kritisches Denken

Der Streit um Goliaths Tod ist mehr als ein bibelwissenschaftliches Detail – er entlarvt die Widersprüche, die entstehen, wenn Mythen zu Dogmen werden. 

Ob David oder Elchanan den Riesen erschlug, ist am Ende zweitrangig. Entscheidend ist, dass die Bibel kein monolithisches Wahrheitsdokument ist, sondern ein widersprüchliches Archiv religiöser Vorstellungen. Wer wirklich verstehen will, was darin steht, braucht keine Schleuder – sondern Mut zum kritischen Denken. Denn nicht jeder Riese fällt durch Glauben. Manche fallen durch Analyse.

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