Ostern Hintergrund

Ostern: Hintergrund eines christlichen Festes

Der Hintergrund von Ostern reicht weit über die christliche Überlieferung hinaus und spiegelt verschiedene kulturelle und religiöse Einflüsse wider.

Historischer Hintergrund von Ostern

Ostern ist eines der bedeutendsten (und ältesten) Feste des Christentums. Entsprechend tief ist es hierzulande in historischen, religiösen und kulturellen Traditionen verwurzelt.

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Dieses Fest, das die Passion Christi und die Auferstehung Jesu Christi feiert, hat im Laufe der Jahrhunderte eine vielschichtige Entwicklung durchlaufen und ist heute ein zentraler Bestandteil des christlichen Feiertagskalenders

Der historische Hintergrund dieses christlichen Hochfestes liegt aber ganz woanders: in den heidnischen Riten unserer vorchristlichen Vorfahren. Doch wenden wir uns zunächst der biblischen Darstellung als dem heute wichtigsten Hintergrund des Osterfests zu.

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Biblischer Hintergrund der Ostergeschichte

Ostern hat seine Wurzeln in den Ereignissen, die im Neuen Testament beschrieben werden, insbesondere in den Evangelien. Der Kern des Osterfestes bezieht sich auf die Passion ChristiJesus am Kreuz, seinen Tod; schließlich auch die angebliche Auferstehung und Himmelfahrt.

Warum Jesus den neutestamentarischen Schilderungen zufolge überhaupt nach Jerusalem ging und nicht in Galiläa bleib, haben wir in unserem Beitrag zum Ostersonntag dargestellt.

Zur Textgeschichte des Neuen Testaments empfehle ich dir folgende Lektüre:

Einleitung in das Neue Testament
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Die Osterereignisse werden als die zentralen „Heilsgeschehnisse“ im Christentum betrachtet. Der Tod Jesu wird als Opfer für die angeblichen Sünden der Menschheit und seine Auferstehung als Sieg über den Tod und als Verheißung des ewigen Lebens gedeutet.

Die Datierung von Ostern hängt eng mit dem jüdischen Passahfest zusammen, da Jesus laut der Bibel während des Passahfestes gekreuzigt wurde.

Frühchristlicher Hintergrund der Osterfeiern

Die Art und Weise, wie Ostern in der Frühzeit des Christentums gefeiert wurde, hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert. Anfänglich konzentrierten sich die Feierlichkeiten auf die Auferstehung Jesu, die als zentrales Ereignis der christlichen Hoffnung angesehen wurde.

Die frühesten Christen waren hauptsächlich Juden, die das Passahfest feierten, und es wird angenommen, dass die Auferstehungsfeier anfänglich als Teil des Passahfestes begangen wurde. 

Die genaue Datierung von Ostern war jedoch Gegenstand von Diskussionen und unterschiedlichen Traditionen in verschiedenen christlichen Schulen (Konfessionen hießen sie erst später).

Das Erste Konzil von Nicäa im Jahr 325 legte schließlich fest, dass Ostern am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche zu feiern sei, was die heute noch gültige Regelung für den Ostersonntag darstellt.

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Das Wandgemälde „Das letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci ist die wohl bekannteste Darstellung des Gründonnerstags

Ostern vor dem Hintergrund anderer Frühlingsfeste

Ostern liegt in einer Zeit des Jahres, die in vielen Kulturen mit Frühlingsfesten und der Feier des neuen Lebens verbunden ist. Diese zeitliche Überschneidung ist nicht zufällig: Die Themen Erneuerung, Fruchtbarkeit und Wiedergeburt spiegeln die symbolische Bedeutung von Ostern wider. 

In vielen antiken und heidnischen Kulturen markierten Frühlingsfeste den Übergang vom Winter zur wärmeren Jahreszeit und feierten die Wiedergeburt der Natur. 

Bei den alten Römern und Griechen, bis hin zu verschiedenen germanischen und keltischen Völkern war der Frühling eine Zeit des Feierns und der Dankbarkeit für die „Wiedergeburt“ des Lebens. 

Ostern zeigt interessante Parallelen zu verschiedenen Frühlingsfesten aus heidnischen Traditionen. Dieser Oster-Hintergrund sollte beachtet werden, um die Ostergeschichte vollständig zu verstehen und das Osterfest im Kontext dieser älteren Frühlingsrituale zu betrachten, die lange vor der Etablierung des Christentums existierten.

Parallelen zu heidnischen Festen

Viele der Bräuche und Symbole, die heute mit Ostern verbunden sind, finden sich in ähnlicher Form in vorchristlichen, heidnischen Frühlingsfesten. 

Ostara

Eines der bekanntesten Beispiele ist das Fest Ēostre oder Ostara, das in einigen germanischen Traditionen gefeiert wurde – zumindest wurde das eine Zeitlang vermutet.

Dieses Fest ehrte die Göttin Ēostre oder Ostara, die als Göttin der Fruchtbarkeit und des Frühlings angesehen wurde. Ob es die Ostara je gegeben hat, wird in der Wissenschaft zwar bezweifelt. Es scheint aber wahrscheinlich, dass es ein germanisches Frühlingsfest gegeben hat. Diese könnte dann auch mit einer germanischen Gottheit in engerer Verbindung gestanden haben.

Hintergrund Ostern: Die germanische Göttin Ostara
Die germanische Göttin Ostara

Saturnalien

Obwohl primär ein Winterfest, beinhalteten die römischen Saturnalien, die zu Ehren des Gottes Saturn gefeiert wurden, Elemente des Frühlingsfestes. Diese Feiern waren durch Umkehrungen der sozialen Ordnung und allgemeine Ausgelassenheit gekennzeichnet.

Hilaria

Ein weiteres Beispiel ist die römische Feier der Hilaria, die Ende März zu Ehren der Göttin Kybele und ihres Geliebten Attis abgehalten wurde. Diese Feiern beinhalteten Themen der Auferstehung und der Erneuerung, die in einigen Aspekten den Osterfeierlichkeiten ähneln.

Hintergrund zu Ostern: Die Göttin Kybele (römisch)
Hintergrund und Vorlage für Ostern? Die Göttin Kybele (römisch)

Lupercalien

Ein weiteres römisches Fest, das im Februar gefeiert wurde und den Übergang zum Frühling markierte. Es war dem Gott Faunus gewidmet und umfasste Rituale zur Förderung der Fruchtbarkeit und zur Abwehr böser Geister.

Floralia

Ein ebenfalls römisches Festival, das Ende April zu Ehren der Blumengöttin Flora abgehalten wurde. Es umfasste Blumen, Tänze, Spiele und Theatervorführungen.

Fest der Anna Perenna

Ein weiteres römisches Frühlingsfest, das am ersten Vollmond des römischen Kalenderjahres gefeiert wurde. Es markierte den Beginn des neuen Jahres und war mit Festmahlen und Fröhlichkeit verbunden.

Beltane

Beltane war ein wichtiges Fest in der keltischen Tradition, das am 1. Mai gefeiert wurde.

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Es markierte das Ende des Winters und den Beginn des Sommers und war mit Feuerritualen, Fruchtbarkeitsriten und dem Schutz der Herden verbunden. Hier könnte der Ursprung der bekannten Osterfeuer liegen. Auch der Maibaum könnte von diesem Fest abstammen.

Keltischer Hintergrund für Ostern: Osterfeuer
Keltische Druiden könnten das erste „Osterfeuer“ entzündet haben

Nowruz (auch Navruz)

Das persische Neujahrs- und Frühlingsfest Nowruz wird am Tag der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche gefeiert. Es ist ein Fest der Erneuerung, bei dem Rituale zur Reinigung und Erneuerung durchgeführt werden. Laut Erklärung der UN-Generalversammlung wird es seit „mehr als 3.000 Jahren auf der Balkanhalbinsel, in der Schwarzmeerregion, im Kaukasus, in Zentralasien und im Nahen Osten gefeiert“.

Fest der Ishtar

Im alten Mesopotamien wurde im Frühling das Fest der Göttin Ishtar, der wichtigsten babylonischen Göttin, gefeiert. Ishtar ist eine Göttin der Liebe und zugleich des Krieges, ihr Hymnus besingt sie als „die Göttin aller Göttinnen, die Herrin aller Häuser, die Führerin des Menschengeschlechts“ etc. Ishtar wurde auch mit dem Planeten Venus assoziiert und galt als Herrin des Himmels. Ihre Verehrung könnte daher auch astronomische und astrologische Aspekte beinhaltet haben, insbesondere im Zusammenhang mit dem Zyklus von Tod und Wiedergeburt.

Berlinern wird das Ishtar-Tor im Pergamon-Museum ein Begriff sein. Die dazugehörige Prozessionsstraße ist mit zahlreichen Löwen verziert, dem Symboltier der Ishtar. Dieses Fest könnte mit Fruchtbarkeitsriten und der Verehrung der Göttin verbunden gewesen sein. Einige Forscher vermuten, dass Aspekte des Ishtar-Kultes in späteren religiösen Traditionen der Region, einschließlich der griechischen und römischen Mythologie, aufgenommen wurden. Die Verehrung Ishtars reicht bis in das 3. Jahrtausend v. u. Z. zurück und dauerte bis in die Zeit der Assyrer und Babylonier, etwa bis ins 6. Jahrhundert v. u. Z.

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Diese Feste zeigen die Bedeutung, die der Frühling in vielen alten Kulturen hatte. In nomadischen, aber auch agrarwirtschaftlich geprägten Kulturen war dies nach langen winterlichen Monaten des Darbens und Hungerns durchaus verständlich. Der Frühling galt als lebenspendende Zeit der Erneuerung, des Wachstums und der Hoffnung. 

Die Feiern zeigen auch, wie saisonale Zyklen und natürliche Ereignisse das spirituelle und rituelle Leben der Menschen beeinflusst haben.

Hintergrund des Osterhasen

Die Herkunft des Osterhasen als Hintergrund für das Osterfest und heute sein bekanntestes Symbol ist ein interessantes Beispiel dafür, wie sich kulturelle Bräuche im Laufe der Zeit entwickeln und vermischen. 

Es gibt mehrere Theorien über die Ursprünge des Osterhasen:

  • Fruchtbarkeitssymbolik: Der Hase, insbesondere der Feldhase, ist seit der Antike ein Symbol für Fruchtbarkeit und Erneuerung, was hauptsächlich auf seine hohe Reproduktionsfähigkeit zurückzuführen ist. Diese Assoziation mit Fruchtbarkeit passt gut zu den Themen des Frühlings und der Erneuerung, die auch im Osterfest zentral sind.
  • Deutsche Wurzeln:
    Eine populäre Theorie besagt, dass der Brauch des Osterhasen seinen Ursprung im deutschsprachigen Raum des Mittelalters hat. Es gibt Aufzeichnungen aus dem 16. Jahrhundert, die von einem „Osterhasen“ sprechen, der Eier bringt. Deutsche Einwanderer brachten diesen Brauch im 18. Jahrhundert nach Amerika, wo er sich weiter verbreitete und entwickelte.
  • Heidnische Traditionen und Ostara:
    Eine andere Theorie verbindet den Osterhasen mit dem germanischen Frühlingsfest Ostara, das der Göttin Ēostre oder Ostara gewidmet war. Diese Göttin wurde mit der Morgenröte und der Fruchtbarkeit assoziiert, und es wird spekuliert, dass der Hase als ihr Symbol diente, obwohl direkte historische Belege dafür fehlen.

Symbole wie der Osterhase und Ostereier, die heute mit Ostern assoziiert werden, könnten ihre Wurzeln durchaus in antiken oder heidnischen Festen haben, die Fruchtbarkeit und das neue Leben feierten.

Die Frühjahrs-Tagundnachtgleiche als Hintergrund für Ostern

Die Frühjahrs-Tagundnachtgleiche, ein astronomisches Ereignis, bei dem Tag und Nacht nahezu gleich lang sind, hat in vielen Kulturen große Bedeutung. Sie markiert den Beginn des Frühlings und wird oft mit neuen Anfängen, Fruchtbarkeit und dem Sieg des Lichts über die Dunkelheit in Verbindung gebracht.

Tagundnachtgleiche Frühling als Hintergrund von Ostern
Ist die Frühlings-Tagundnachtgleiche der Hintergrund von Ostern?

Wie bereits gesehen, wurde die Tagundnachtgleiche in vielen alten Kulturen mit Festen und Ritualen gefeiert, die die Wiedergeburt der Natur und das Wiedererwachen des Lebens hervorheben.

Im christlichen Kontext hat die Frühjahrs-Tagundnachtgleiche eine wichtige Rolle bei der Bestimmung des Datums für Ostern gespielt. Das Erste Konzil von Nicäa legte fest, dass Ostern am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach der Tagundnachtgleiche gefeiert werden sollte. Diese Regelung verbindet das christliche Osterfest mit dem natürlichen Rhythmus des Jahres.

Die Entwicklung der Osterbräuche

Die Karwoche, die Ereignisse des Karfreitags und das Osterfest, das die Auferstehung Jesus von Nazareth feiert, hat im Laufe der Jahrhunderte eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. 

Die Art und Weise, wie Ostern gefeiert wird, hat sich mittlerweile von streng liturgischen Praktiken zu einer Vielfalt von Bräuchen und Traditionen entwickelt, die sowohl religiöse als auch weltliche Elemente umfassen. Mancherorts sind Bräuche wie Osterfeuer, Osterspiele und Paraden populär geworden, die zwar historische oder religiöse Ursprünge haben, aber heute hauptsächlich als Teil des kulturellen Erbes gefeiert werden.

Diese Transformation spiegelt die Anpassungsfähigkeit und die kulturelle Durchdringung des Osterfestes wider, das heute weltweit von Christen zelebriert wird. Dabei haben sich die Symbolik und die Traditionen von Ostern im Laufe der Zeit erheblich gewandelt. Diese Entwicklung zeigt, wie sich die Osterbräuche kontinuierlich an die sich verändernden kulturellen und gesellschaftlichen Kontexte angepasst haben, um für eine breitere Öffentlichkeit relevant zu bleiben.

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