Die Geschichte des Karfreitags: einer der wichtigsten und emotionalsten Feiertage im christlichen Kalender. Sie erinnert an die Passion Christi: seine Festnahme, Verurteilung und seinen Tod am Kreuz.
Was weiß die Wissenschaft, die Geschichte über den Karfreitag? Wir betrachten nachfolgend den historischen Hintergrund von Karfreitag, seine Entwicklung durch die Jahrhunderte, die theologische Bedeutung sowie die modernen Interpretationen und Praktiken.
Bevor wir uns aber der Karfreitagsgeschichte zuwenden, resümieren wir noch einmal: Warum ist der Karfreitag so zentral im Christentum?
Bedeutung der Karfreitagsgeschichte für Christen
Karfreitag erinnert an die Kreuzigung Jesu Christi, ein Ereignis, das das absolute Zentrum des christlichen Glaubens darstellt. Christen glauben ja, dass der im Tanach (dem „Alten Testament“) angekündigte Messias in der Person des Jesus von Nazareth bereits erschienen ist.
Karfreitag symbolisiert die Opferung Jesu für die Sünden der Menschheit und seine Liebe zur Welt. Dieser Tag wird als die Erfüllung der göttlichen Erlösungspläne gesehen. Die Kreuzigung wird als notwendiges Opfer für die Sühne der Sünden und die Wiederherstellung der Beziehung zwischen Gott und den Menschen betrachtet.
Karfreitag ermöglicht Christen, sich mit dem Leiden und der menschlichen Erfahrung Jesu zu identifizieren. Es ist ein Tag der Reflexion über menschliches Leid, Opfer und die Bedeutung von Glaube und Hoffnung. Karfreitag bildet den Auftakt zu Ostern, dem Tag der Auferstehung Jesu, der als Sieg über Sünde und Tod gefeiert wird.
Theologische Folgen, wenn sich die Geschichte des Karfreitags als falsch herausstellte
Sollte sich herausstellen, dass die Geschichte des Karfreitags gefälscht oder erfunden wäre, hätte dies eine enorme Erschütterung des christlichen Glaubensfundaments zur Folge.
Die Kreuzigung und Auferstehung würden als fundamentale Glaubenswahrheiten im Christentum entfallen, die Messianität des Nazareners wäre noch zweifelhafter, als sie es eh schon ist. Auch viele ethische Lehren und moralische Vorstellungen im Christentum sind eng mit dem Beispiel und den Lehren Jesu verbunden. Eine Infragestellung der historischen Grundlagen müsste eine Neubewertung auch dieser Aspekte erfordern.
Auch die Erlösungslehre würde hinfällig: Denn Christus als Menschenopfer für die Vergebung der Sünden – wie viel Logik man in dieser auch zu erkennen vermag – hätte dann ja eben nicht stattgefunden.
Auf praktischer Seite beziehen sich viele christliche Praktiken und Sakramente, wie die Eucharistie, direkt auf den Tod und die Auferstehung Jesu. Diese würden ihre Bedeutung komplett verlieren, wenn sich herausstellte, dass die Ereignisse nicht stattgefunden haben.
Würde sich also herausstellen, dass diese Ereignisse nicht geschehen sind, würde dies mehr als eine tiefgreifende Krise des christlichen Glaubens bedeuten: Es wäre das Ende der christlichen Theologie, wie wir sie kennen.
In Anbetracht dessen, was für Christen also mit der Geschichte des Karfreitags auf dem Spiel steht, sollte man erwarten, dass die Belege für die Historizität dieser Ereignisse über eine „Glaubenswahrheit“ hinausgehend auch empirisch über allen Zweifel erhaben sind. Oder um mit Carl Sagan zu sprechen: „Außergewöhnliche Behauptungen verlangen außergewöhnliche Beweise“.

Die Geschichte des Karfreitags: der Prozess des Jesus von Nazareth vor Pilatus
Blicken wir noch einmal nüchtern und ohne Offenbarungsverklärtheit auf die angeblichen Ereignisse am Karfreitag. Als Grundlage hierfür dienen uns mangels außerbiblischer Primärquellen die Evangelien.
Das letzte Abendmahl tags zuvor, den Verrat des Judas und die Gefangennahme Jesu sparen wir uns. Nach all diesen dramatischen Wendungen fand im römisch besetzten Jerusalem der Prozess gegen Jesus von Nazareth statt, eine zentrale Figur in der lokalen religiösen Bewegung.
Angeklagt wegen schwerwiegender Vorwürfe, die sowohl religiöse Blasphemie als auch politische Aufwiegelung umfassen, stand Jesus vor Pontius Pilatus, dem römischen Präfekten von Judäa.
Die Anklagepunkte gegen Jesus
Der Angeklagte, der sich selbst als „König der Juden“ (siehe Matthäus 25,31-40) bezeichnete, wurde von den jüdischen religiösen Autoritäten vorgeführt, die ihn beschuldigen, gegen das mosaische Gesetz verstoßen zu haben. Der schwerwiegendste Vorwurf gegen ihn lautet auf Gotteslästerung, ein Verbrechen, das nach jüdischem Recht die Todesstrafe nach sich ziehen kann.
Jesus hatte zuvor die Hohepriester und religiösen Führer in Jerusalem gegen sich aufgebracht, insbesondere die Pharisäer und Sadduzäer, wegen ihrer Heuchelei und strengen Auslegung des jüdischen Gesetzes. Er stellte ihre Autorität in Frage und konfrontierte sie mit Vorwürfen der Selbstgerechtigkeit und der Vernachlässigung des wahren Geistes des Gesetzes.
Jesus machte Ansprüche auf eine besondere Beziehung zu Gott, den er als seinen Vater bezeichnete. Für viele religiöse Führer klang dies nach Blasphemie und stellte eine direkte Herausforderung ihrer religiösen Lehren dar. Die wachsende Beliebtheit Jesu unter dem Volk wurde zunehmend als Bedrohung für die religiöse und soziale Ordnung angesehen. Als Jesus am gut besuchten Passahfest in Jerusalem eintraf, war dies von zusätzlicher Brisanz.
Zusätzlich wird Jesus beschuldigt, gegen die römische Autorität aufzubegehren, indem er sich selbst zum König ernannte, was als direkte Herausforderung der römischen Herrschaft gesehen wird.
Geschichte des Prozesses am Karfreitag
Der Prozess begann mit einer Befragung durch Pilatus, der sichtlich bemüht war, die Angelegenheit zu entschärfen. Jesus, der während des gesamten Verfahrens eine ruhige und besonnene Haltung bewahrte, antwortete auf die Vorwürfe oft indirekt, was Pilatus offenbar verunsicherte.

Trotz mangelnder Beweise für eine tatsächliche Rebellion oder ernsthafte Bedrohung der römischen Ordnung war der Druck der örtlichen religiösen Führer und der aufgebrachten Menge erheblich.
Das Urteil gegen Jesus
Nach einer kurzen Beratung verkündete Pilatus das Urteil: Geißelung und anschließende Kreuzigung. Dieses Urteil scheint ein Versuch zu sein, die öffentliche Ordnung zu wahren und einen Kompromiss zwischen den Forderungen der religiösen Führer und der römischen Rechtspraxis zu finden. Die Entscheidung zur Kreuzigung, eine für die Römer typische Hinrichtungsform für Aufständische, deutet darauf hin, dass die politischen Vorwürfe letztendlich ausschlaggebend waren.
Geschichte des Karfreitags und römisches Recht
Jesus wurde gemäß den Evangelienberichten im Neuen Testament unter der römischen Herrschaft in Judäa zum Tode verurteilt. Die römische Jurisdiktion, repräsentiert durch Pontius Pilatus, den Präfekten von Judäa, war die einzige, die die Vollstreckung einer Todesstrafe anordnen konnten.
Historiker vermuten, dass der Hauptgrund für die Verurteilung durch die Römer der Vorwurf des Aufruhrs oder der Bedrohung der öffentlichen Ordnung war, was nach römischem Recht als schweres Verbrechen galt. Judäa war seit dem Jahr 6 eine römische Provinz. Religiös motivierte Aufstände gegen die römische Fremdherrschaft waren dabei ein ständiges Problem. Im Jahr 26 etwa kam es zum Ausbruch von Gewalt, weil der Statthalter Pontius Pilatus die Feldzeichen seiner Legion nach Jerusalem verbringen ließ, was allerdings dem jüdischen Bilderverbot entgegensteht.
Dokumentierte Geschichte am Karfreitag: römische Gerichtsakten?
Es gibt keine bekannten römischen Gerichtsakten oder andere direkte historische Aufzeichnungen der Verurteilung Jesu. Die Hauptquellen für diese Ereignisse sind die Evangelien des Neuen Testaments.
Einige außerbiblische historische Quellen wie die Werke von Flavius Josephus und Tacitus erwähnen Jesus und seine Hinrichtung, bieten jedoch keine detaillierten Informationen über den rechtlichen Prozess.

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Den historischen Kontext kennen wir von Flavius Josephus (37/38–100), der allerdings erst nach Jesus Tod geboren wurde [Klicke auf die Cover | Anzeige]
Historiker und Bibelwissenschaftler versuchen mangels Primärquellen, den Prozess gegen Jesus durch Analyse des historischen Kontextes, römischer Rechtspraktiken und der politischen Situation in Judäa zur Zeit Jesu zu rekonstruieren. Das Fehlen direkter römischer Gerichtsakten bedeutet, dass viele Details dieses Prozesses im Bereich der Interpretation und Rekonstruktion bleiben.
Die Karfreitag-Geschichte in der biblischen Darstellung
Die Ereignisse, die zu Karfreitag führen, sind in den vier Evangelien des Neuen Testaments detailliert beschrieben, wenn auch nicht übereinstimmend. Sie erzählen von der Festnahme, dem Prozess, der Verurteilung und schließlich der Kreuzigung Jesu. Dazu gleich mehr.
Theologische Bedeutung: Kontroversen und Diskussionen um Karfreitag
Es gibt hitzige Debatten über die historische Genauigkeit der biblischen Darstellung der Kreuzigung und der damit verbundenen Ereignisse.
Historizität der Geschichte am Karfreitag
Skepsis wird massiv gespeist durch die Unterschiede der einzelnen Texte. Schließlich sollte man denken, ein Ereignis dieser globalen Tragweite wäre eindeutig überliefert, und nicht in sich auschließenden Varianten.
Die vier Evangelien im Neuen Testament – Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – bieten hingegen jeweils eine eigene Darstellung der Geschichte am Karfreitag, dem Tag der Kreuzigung Jesu. Ja, sie stimmen in vielen Aspekten übereinstimmen, aber es gibt auch gewichtige Unterschiede in ihren Berichten.
Abweichungen der Karfreitagsgeschichte in den Evangelien: Beispiele
Oft finden sich Abweichungen der Karfreitagsgeschichte zwischen den „synoptischen Evangelien“ und dem Johannesevangelium. Die Bezeichnung „synoptische Evangelien“ bezieht sich auf die ersten drei Bücher des Neuen Testaments in der Bibel: Matthäus, Markus und Lukas. Der Begriff „synoptisch“ bedeutet so viel wie „mit einem gemeinsamen Blick“ und betont die inhaltlichen Parallelen zwischen diesen Evangelien im Vergleich zum vierten Evangelium, dem Johannesevangelium, das eine andere Darstellungsweise hat.
Hier Beispiele:
- Bei Matthäus „wäscht Pilatus seine Hände in Unschuld“, was in den anderen Evangelien nicht erwähnt wird.
- Zudem enthält Matthäus die Episode, in der Judas Iskariot Selbstmord begeht. Lies dazu auch: Was geschah mit Judas?
- Im Markusevangelium (Markus 15:25) wird angegeben, dass die Kreuzigung um die dritte Stunde (etwa 9 Uhr morgens) begann, während das Johannesevangelium (Johannes 19:14-16) angibt, dass Pilatus Jesus erst um die sechste Stunde (etwa 12 Uhr mittags) zur Kreuzigung übergab. Diese zeitliche Diskrepanz deutet auf unterschiedliche chronologische Darstellungen hin.
- Während alle Evangelien von der Verspottung Jesu am Kreuz und der Verlosung seiner Kleider berichten, variieren die Details und spezifischen Aussagen Jesu am Kreuz.
- Alle drei synoptischen Evangelien (Matthäus 27:51, Markus 15:38, Lukas 23:45) berichten, dass der Vorhang des Tempels zum Zeitpunkt von Jesu Tod zerriss, aber das Johannesevangelium erwähnt dieses Ereignis nicht.
- Die Anwesenheit und Identität der Frauen, die bei der Kreuzigung zugegen waren, variieren zwischen den Evangelien.
- Matthäus (Matthäus 27:51-53) beschreibt ein Erdbeben und das Öffnen von Gräbern, wobei Heilige auferweckt wurden, die nach Jesu Auferstehung in die Stadt kamen. Diese dramatischen Ereignisse werden in den anderen Evangelien nicht erwähnt.
- Nur im Johannesevangelium (Johannes 19:28-30) wird berichtet, dass Jesus am Kreuz sagte: „Mich dürstet“, woraufhin ihm Essig auf einem Schwamm gereicht wurde. Diese Szene wird in den synoptischen Evangelien nicht erwähnt.
- In den synoptischen Evangelien (Markus 15:21-22, Matthäus 27:32-34, Lukas 23:26-31) wird berichtet, dass Simon von Cyrene gezwungen wurde, das Kreuz für Jesus zu tragen. Im Johannesevangelium (Johannes 19:17) hingegen wird erwähnt, dass Jesus selbst sein Kreuz trug.
- Lukas (Lukas 23:39-43) erzählt von einem der Verbrecher, der Jesus um Gnade bittet und dem Jesus das Paradies verspricht. Diese Interaktion wird in den anderen Evangelien nicht beschrieben.
- Das Johannesevangelium (Johannes 18:33-38) gibt ein ausführlicheres Gespräch zwischen Jesus und Pilatus wieder, in dem Jesus über sein Königreich spricht, das in den synoptischen Evangelien fehlt.
- In den synoptischen Evangelien reagiert Jesus eher zurückhaltend auf seine Verurteilung. Im Johannesevangelium hingegen (Johannes 19:11) antwortet Jesus Pilatus mit den Worten: „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre.“
- Die Details der dreimaligen Verleugnung Jesu durch Petrus variieren leicht zwischen den Evangelien in Bezug auf die genauen Umstände und die Art und Weise, wie Petrus seine Verleugnung äußert.
- Nur im Johannesevangelium (Johannes 19:31-38) wird beschrieben, dass die Juden Pilatus bitten, die Körper vom Kreuz zu nehmen, damit sie nicht am Sabbat dort bleiben.
- Unterschiede gibt es auch in der Beschreibung der Vorbereitungen für Jesu Begräbnis. Im Johannesevangelium (Johannes 19:39-40) helfen Nikodemus und Joseph von Arimathäa bei der Vorbereitung, während die synoptischen Evangelien dies unterschiedlich darstellen.
- Die Reaktionen von Zeugen auf Jesu Tod variieren ebenfalls. Matthäus (Matthäus 27:54) berichtet, dass der Hauptmann und die bei ihm Wachenden, die das Erdbeben und das Geschehen sahen, sehr erschraken und sagten: „Wahrlich, dieser war Gottes Sohn!“ Lukas (Lukas 23:47) hingegen lässt den Hauptmann Gottes Lob preisen und sagen: „Fürwahr, dieser Mensch war gerecht.“
- Die genaue Formulierung der Inschrift, die Pilatus am Kreuz Jesu anbringen ließ, variiert in den Evangelien. Markus (Markus 15:26) und Lukas (Lukas 23:38) geben sie als „Der König der Juden“ an. Matthäus (Matthäus 27:37) erweitert dies zu „Dies ist Jesus, der König der Juden“, während Johannes (Johannes 19:19-20) die Inschrift als „Jesus von Nazareth, der König der Juden“ wiedergibt und erwähnt, dass sie in drei Sprachen geschrieben war.
- Jedes Evangelium berichtet unterschiedliche letzte Worte Jesu am Kreuz, von „Es ist vollbracht“ in Johannes über „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“ (Lukas) bis zu „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ in Matthäus und Markus.
Widersprüche in der Bibel gibt es zuhauf.
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Analogie: Die Historizität der Auferstehung Jesu
Die Historizität der angeblichen Auferstehung Jesu am Ostersonntag ist ebenso ein zentrales Thema in der christlichen Theologie und hat auch in der historischen Forschung großes Interesse geweckt. Die Frage der Zuverlässigkeit der biblischen Quellen und das Vorhandensein von außerbiblischen Belegen sind dabei wesentliche Aspekte und müssen mit derselben Skepsis betrachtet werden.
Die Ostergeschichte: Zuverlässigkeit der biblischen Quellen
Die Hauptquellen für die Auferstehung Jesu sind die vier Evangelien im Neuen Testament – Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – sowie einige Briefe des Apostels Paulus, insbesondere 1. Korinther 15, in dem Paulus von Erscheinungen des auferstandenen Christus berichtet.
Die Evangelien wurden innerhalb einiger Jahrzehnte nach den Ereignissen verfasst, wobei die Briefe des Paulus als die frühesten christlichen Schriften gelten. Paulus selbst ist als Zeuge leider nicht unumstritten: Wie Detering darlegt, handelt es sich bei sämtlichen paulinischen Briefen um geschickte Fälschungen aus dem 2. Jahrhundert.

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Die Auferstehungsberichte in den vier Evangelien zeigen deutliche Unterschiede, die gravierende Fragen bezüglich ihrer historischen Genauigkeit und theologischen Interpretation aufwerfen.
Die synoptischen Evangelien und das Johannesevangelium bieten unterschiedliche Berichte über die Auferstehung am Ostersonntag, sowohl in Bezug auf die Ereignisse am leeren Grab als auch auf die Erscheinungen Jesu nach seinem Tod.
Kritisch betrachtet, lassen sich folgende Abweichungen feststellen:
Erste Zeugen der Auferstehung
Die Identität und Anzahl der ersten Zeugen der Auferstehung unterscheiden sich in den Evangelien. Matthäus (Matthäus 28:1-10) erwähnt Maria Magdalena und „die andere Maria“, Markus (Markus 16:1-8) spricht von Maria Magdalena, Maria, der Mutter des Jakobus, und Salome, Lukas (Lukas 24:1-12) nennt Maria Magdalena, Johanna, Maria, die Mutter des Jakobus, und „andere Frauen“, und Johannes (Johannes 20:1-18) fokussiert sich auf Maria Magdalena.
Das leere Grab
Während alle vier Evangelien von einem leeren Grab Jesu berichten, unterscheiden sich die Details. Bei Matthäus erscheint ein Engel, der den Stein wegrollt, während bei Markus, Lukas und Johannes das Grab bereits offen und leer vorgefunden wird.
Erscheinungen Jesu
Die Berichte über Jesu Erscheinungen nach seiner Auferstehung variieren erheblich. Matthäus erwähnt eine Begegnung in Galiläa, Markus endet ursprünglich mit der Feststellung, dass die Frauen niemandem etwas sagten, Lukas beschreibt den Gang nach Emmaus und eine Erscheinung in Jerusalem, und Johannes erzählt von Erscheinungen sowohl in Jerusalem als auch am See Tiberias.
Reaktionen der Zeugen
Die Reaktionen der ersten Zeugen auf die Auferstehung sind unterschiedlich dargestellt. Bei Markus fliehen die Frauen aus Angst und sagen anfangs niemandem etwas, während bei Matthäus, Lukas und Johannes von unterschiedlichen Graden des Glaubens und der Verkündigung berichtet wird.
Engel am Grab
Die Anzahl und Rolle der Engel am Grab Jesu variiert. Matthäus (Matthäus 28:2-5) und Markus (Markus 16:5) sprechen von einem Engel, Lukas (Lukas 24:4) von zweien.
Die Botschaft der Auferstehung
Die genaue Botschaft, die die Engel oder Jesus selbst übermitteln, unterscheidet sich in den Evangelien. Während in allen Berichten die Botschaft der Auferstehung zentral ist, variieren die Instruktionen und theologischen Schwerpunkte.
Die Reaktion der Jünger
Die Reaktionen der Jünger auf die Nachricht von Jesu Auferstehung variieren. Im Johannesevangelium (Johannes 20:3-10) eilen Petrus und der andere Jünger zum Grab und finden es leer vor, während in den synoptischen Evangelien die Jünger zunächst skeptisch oder ungläubig auf die Nachricht der Frauen reagieren (z.B. Lukas 24:11).
Die Rolle von Thomas
Nur im Johannesevangelium (Johannes 20:24-29) wird die Geschichte von Thomas, dem Ungläubigen, erzählt, der erst glaubt, nachdem er die Wunden Jesu berührt hat. Diese spezifische Episode fehlt in den anderen Evangelien.
Die Begegnung auf dem Weg nach Emmaus
Lukas (Lukas 24:13-35) berichtet von einer einzigartigen Begegnung zwischen Jesus und zwei seiner Jünger auf dem Weg nach Emmaus, die in den anderen Evangelien nicht erwähnt wird.
Die Große Kommission
Die explizite Aufforderung Jesu an seine Jünger, das Evangelium zu verbreiten (bekannt als die „Große Kommission“), findet sich in Matthäus (Matthäus 28:16-20), wird aber in dieser Form in den anderen Evangelien nicht dargestellt.
Die Himmelfahrt Jesu
Die Himmelfahrt Jesu wird nur in Lukas (Lukas 24:50-53) und in der Erweiterung des Markusevangeliums (Markus 16:19) beschrieben. Matthäus und Johannes schließen ohne eine Darstellung der Himmelfahrt.

Diese Unterschiede in den Auferstehungsberichten der vier Evangelien legen nahe, dass die Erzählungen weniger als präzise historische Dokumentationen, sondern vielmehr als theologische Interpretationen der Ereignisse durch die jeweiligen Autoren verstanden werden müssen. Ihre Beweiskraft für die Historizität des Karfreitags und des sogenannten Osterwunders schwindet damit erheblich.
Wir erinnern uns, dass wir für die Tragweite und das Gewicht der Implikationen aus der Geschichte am Karfreitag eigentlich sogar besonders starke Belege erwarten mussten. Diese Belege wurden nicht nur nicht präsentiert, sondern durch die textimmanenten Widersprüche wurden Zweifel an der Textwahrheit nur weiter bestärkt. Kritische Leser*innen sind bei genauer Betrachtung der Texte zurecht unbeeindruckt.
Würde die Auferstehung beweisen, dass Jesus der Messias ist?
Die Verbindung zwischen der Auferstehung und Jesu messianischer Rolle basiert auf Glaubensannahmen, die in den christlichen Schriften festgehalten sind. Aus einer streng logischen Perspektive kann Glaube nicht als Beweis im wissenschaftlichen oder empirischen Sinn angesehen werden.
Aus historischer Sicht gibt es keine außerbiblischen Beweise für die Auferstehung. Die Annahme, dass die Auferstehung Jesu seine messianische Rolle beweist, setzt voraus, dass man die biblischen Berichte als historisch akkurat und vertrauenswürdig betrachtet. Damit setzt man das zu Beweisende bereits voraus (ein logischer Fehlschluss namens „Petition Principii“); die Auferstehung als Beweis für Jesu messianische Rolle wird in hohem Maße subjektiv und abhängig von individuellen Glaubensüberzeugungen.
Historie des Karfreitags: Außerbiblische Quellen
Es gibt nur wenige außerbiblische historische Quellen, die direkt auf Jesus oder die Ereignisse der Kreuzigung und angeblichen Auferstehung Bezug nehmen. Römische Historiker wie Tacitus und jüdische Historiker wie Flavius Josephus erwähnen Jesus, liefern aber keine detaillierten Berichte über die Auferstehung. Sie bieten höchstens Kontext zu der Zeit und Umgebung, in der Jesus lebte – falls es Jesus wirklich gab.
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Historiker betrachten die Auferstehung oft aus einer rein historischen Perspektive und fokussieren auf die Nachprüfbarkeit der Ereignisse. Das gilt natürlich auch für die Ereignisse des Karfreitags.
Theologen hingegen betrachten die Auferstehung als Glaubenswahrheit. Es gibt entsprechend abweichende Interpretationen über die Natur der Auferstehung – von einem physischen, tatsächlichen Ereignis bis hin zu einer symbolischen oder spirituellen Erfahrung.
Die Tatsache, dass zeitgenössische außerbiblische Quellen die Auferstehung nicht erwähnen, wird von einigen Forschern als Argument gegen die Historizität angeführt, während andere argumentieren, dass das Fehlen solcher Berichte nicht notwendigerweise die Nichtexistenz des Ereignisses beweist. Auch hier lauert ein Fehlschluss, nämlich eine Beweislastumkehr, die von Skeptikern und Atheisten plötzlich verlangt zu beweisen, dass es nicht so war wie behauptet.
Spätestens mit „Hitchens‚ Rasiermesser“ kann man diese argumentative Figur aber getrost verwerfen, denn andersrum wird ein Schuh draus: Was nicht bewiesen wird, braucht man auch nicht für wahr zu halten.

Während die biblischen Berichte für Gläubige eine zentrale Glaubensgrundlage darstellen, bleiben sie aus historischer Sicht umstritten und schwer zu verifizieren. Für viele bleibt die Auferstehung eine Frage des Glaubens und nicht der historischen Beweisführung.
Archäologie und Karfreitag-Geschichte
Archäologische Funde, die direkt die Kreuzigung Jesu Christi belegen, existieren nicht. Selbst die Belege für gekreuzigte Juden überhaupt aus der fraglichen Zeit sind selten. Insgesamt gibt es nur vier Skelette von römischen Kreuzigungsopfern unter Juden.
Dies hat zwei Gründe: Erstens war den Römer meist egal, was mit den Leichen hingerichteter Sklaven und Aufrührer geschah. Oft wurden sie nur verscharrt oder in Massengräbern entsorgt – das sind sehr schlechte Bedingungen für eine archäologische Auswertung.
Zweitens: Die Römer waren sparsam. In den meisten Fällen entfernten sie die Nägel aus den Kreuzen wieder – zur Wiederverwendung. Auch daher sind archäologisch eindeutige Kreuzigungsfunde so selten.
Die meisten Erkenntnisse über die Kreuzigung und deren Durchführung stammen aus historischen und medizinischen Analysen sowie aus der Interpretation biblischer Texte. Hier sind einige relevante Forschungsarbeiten:
McGovern, Kaminskas und Fernandes (2022) untersuchten die Kreuzigung, insbesondere die von Jesus Christus, und stellten fest, dass die vorherrschende Theorie, dass Erstickung die primäre Todesursache bei Kreuzigungen war, auf unzureichenden Beweisen basiert. Sie schlagen vor, dass andere Ursachen als Erstickung wahrscheinlicher sind.
Bordes et al. (2020) führten anatomische Untersuchungen an Leichen durch, um zu verstehen, wie Nägel und Spieße während der Kreuzigung die Körperteile verletzt haben könnten. Diese Studie hilft, die Praktiken der Kreuzigung aus medizinischer und anatomischer Sicht besser zu verstehen.

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Entwicklung des Karfreitags in der Kirchengeschichte
Im Mittelalter wurde Karfreitag zunehmend zu einem zentralen Tag der Andacht und Buße. Verschiedene Rituale wie die Kreuzwegandachten entstanden in dieser Zeit. Während der Reformation gab es unterschiedliche Ansichten über die Beobachtung von Karfreitag. Einige reformatorische Bewegungen lehnten die traditionellen Rituale ab, andere behielten sie bei.
In vielen europäischen Ländern entwickelten sich einzigartige Bräuche zur Begehung von Karfreitag, wie Prozessionen, Passionsspiele und spezielle musikalische Kompositionen.
Mit der Ausbreitung des Christentums in andere Teile der Welt entwickelten sich auch dort lokale Traditionen und Bräuche, die den Karfreitag auf verschiedene Weise hervorheben und interpretieren.
Insgesamt spiegelt die Entwicklung und Begehung der Geschichte am Karfreitag im Laufe der Jahrhunderte die kulturelle und theologische Vielfalt innerhalb des Christentums wider. Der Tag bleibt ein zentraler Aspekt christlicher Spiritualität und wird weltweit in vielfältiger Weise begangen.
Dass keiner der Vorgänge archäologisch oder historisch belegt ist, scheint dabei niemanden zu stören.

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