Kirche des fliegenden Spaghettimonsters

Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters: Religion mit Sauce

Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters (auch FSM-Kirche oder KdFSMD) ist eine satirische Religionsbewegung, die 2005 ins Leben gerufen wurde.

Was ist die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters?

Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters wurde von Bobby Henderson, einem US-amerikanischen Physiker, gegründet. 

Dieser schrieb auch das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters. Dieses enthält nicht nur die Grundsätze der Kirche des FSM, sondern ist auch überaus unterhaltsam – Leseempfehlung für alle!

Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters
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Das Ziel der FSM: den absurden Forderungen religiöser Gruppen nach Gleichbehandlung von „Intelligent Design“ im Schulunterricht einen Spiegel vorzuhalten. Diesen Ansatz hat die Religionsparodie mit der „Church of Satan“ gemeinsam.

Was als Protest in den USA begann, hat sich inzwischen zu einer Bewegung entwickelt, die weltweit Anhänger zählt.

So erfreut sich auch die „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e. V.“ (KdFSMD e. V.) zunehmender Beliebtheit. 

Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland (KdFSMD e. V.) 

Die KdFSMD e. V. wurde zunächst als „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Berlin-Bandenburg e. V.“ 2006 in Templin gegründet.

Der Verein wurde später zur „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e. V.“, der bundesweit aktiv ist.

Seit 2011 ist der Verein als gemeinnützige Körperschaft anerkannt — nicht aber als Religionsgemeinschaft.

Um die Anerkennung als Religionsgemeinschaft führte der Verein diverse gerichtliche Auseinandersetzungen.

Ortseingangsschilder: Die „Nudelmesse“ wird gelesen

Über einen Rechtsstreit um die Ortseingangsschilder in Templin erlangte die KdFSMD e. V. größere mediale Aufmerksamkeit.

Ziel des Vereins war es hierbei, am Ortseingang Schilder mit den Uhrzeiten der „Nudelmesse“ anzubringen, wie man sie sonst von evangelischen oder katholischen Gottesdiensten kennt.

Nudelmesse FSM Templin
Auf die „Nudelmesse“ weist am Ortseingang von Templin dieses Schild hin ©konfessionen.org

Die Straßenmeisterei genehmigte, die Nudelmesse-Hinweise an die gleichen Masten wie die anderen Kirchen anzubringen. Dies stieß jedoch auf Widerstand der christlichen Kirchen, da diese ihre Masten selbst finanziert hatten und keine Konkurrenz wollten.

Fragwürdige Rückendeckung erhielten sie dabei von der 2015 amtierenden Kultusministerin Brandenburgs, Sabine Kunst (SPD), die über die Katholische Nachrichtenagentur KNA verlautbaren ließ, es handele sich beim KdFSMD e. V. um eine „Religionsparodie ohne ernsthafte religiöse Substanz“, weswegen keine Genehmigung für die Ortseingangsschilder erteilt werde. Eine klare Kompetenzüberschreitung, denn diese Entscheidung obliegt nicht dem Kultusministerium, sondern dem brandenburgischen Landesbetrieb Straßenwesen.

Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland (KdFSMD)
Logo des Fliegenden Spaghettimonsters

Der Landesbetrieb Straßenwesen hatte die Aufstellung eigener Schilder 2014 genehmigt, zog die Genehmigung dann 2015 jedoch zurück. Eine Zusage zum Aufstellen eigener Schilder wurde mündlich erteilt, schriftlich aber nie bestätigt.

Bei Akteneinsicht boten sich dem KdFSMD e. V. Hinweise darauf, dass dies alles auf Druck des Kultusministeriums unter Sabine Kunst geschehen war.

„Das […] Schreiben, mit dem diese Zusage erfüllt werden sollte, erreichte uns nie. Wir reichten Klage ein und erfuhren durch Akteneinsicht in den Mailverkehr des Landesbetriebes, dass vom Kultusministerium enormer Druck aufgebaut wurde. Die Vermutung, die Verweigerung der Zusage erfolgte nicht nach Recht und Gesetz, sondern auf Weisung der Bildungsministerin, kam auf.“

Bruder Spaghettus in seinem Blogeintrag vom 23. Juli 2015

Damit begann ein Rechtsstreit, bei dem der KdFSMD e. V. zunächst beim Landgericht Frankfurt/Oder unterlag, um anschließend beim Oberlandesgericht Berufung einzulegen. Nach Abweisung zog der Verein vor das Bundesverfassungsgericht und sogar bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Erfolglos.

In der Zwischenzeit hatte der Bürgermeister von Templin den Nudelmesse-Schildern „politisches Asyl“ an den Masten der Stadt angeboten. Allerdings nur bis zur Beendigung des Rechtsstreits – als es so weit war, wollte die CDU die Schilder wieder entfernen lassen.

Der wehrhafte „Bruder Spaghettus“ (bürgerlich: Rüdiger Weida) war aber in seiner Funktion als „Feldherr der bissfesten Lochnudel vom Schutzorden des saftigen Glauben“ nicht inaktiv geblieben.

Er konnte zwei Fraktionen des Templiner Stadtparlaments überzeugen, die Schilder als touristische Wahrzeichen dauerhaft unter Schutz zu stellen. 2021 war es dann so weit.

Die Stadtverordnetenversammlung entschied in einer knappen Abstimmung zugunsten der „Pastafari“ und gestattete der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters, die Schilder mit der Nudelmesse am Ortseingang anzubringen.

Mittlerweile freut sich die Stadt Templin auch ganz offiziell auf ihrer Webseite über die Pastafari-Aufmerksamkeit.

Touched by His Noodly Appendage Painting.
(Flying Spaghetti Monster)
Niklas Janssons Bild „Von seinem nudeligen Anhängsel berührt“ parodiert Michelangelos „Erschaffung Adams“

Spaghettimonster-Kopfbedeckungen: Piratentuch vs. Nudelsieb

Inzwischen kämpft Bruder Spaghettus weiter – unter anderem darum, auf dem Personalausweis mit einem Piratentuch auf dem Kopf als Zeichen seiner religiösen Überzeugung abgelichtet zu werden, was zunächst abgelehnt wurde. Auf seinem Führerschein ist er bereits mit Piraten-Kopfbedeckung zu sehen.

Verfahrensstand
„Gegen diesen Bescheid legt der Beschwerdeführer Widerspruch ein. Zur Begründung führt er aus, dass die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e. V. keine Spaßreligion, sondern genauso ernsthaft wie andere Religionen auch sei. Das Internet sei als Argumentationsgrundlage ungeeignet. Der Staat habe auch nicht die Berechtigung, die Logik oder Glaubwürdigkeit von Glaubenswahrheiten zu prüfen, sondern diese zu akzeptieren.“

aus: Verfassungsbeschwerde: Anerkennung von Piratenkopftuch als weltanschauliche Kopfbedeckung, Institut für Weltanschauungsrecht

Wieso Piraten?

Piraten sind für die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters heilige Wesen, da sie laut Teigwaren-Mythologie die ursprünglichen Pastafari waren – friedliebende Missionare, die Nudeln und Weisheit verbreiteten.

Bruder Spaghettus
Bruder Spaghettus in vollem ornat (Karikatur von Rolf Heinrich)

Außerdem behaupten die Nudelanhänger*innen, dass der Rückgang der Piratenpopulation direkt für den Klimawandel verantwortlich ist, um die Absurdität pseudowissenschaftlicher Korrelationen zu verdeutlichen.

„Bis 2011 war es allen Pastafari weltweit klar, wir haben Piraten zu sein. Da ist das Evangelium eindeutig. Piraten sind Sein auserwähltes Volk, wir haben uns zu bemühen, Piraten zu werden, Gebete werden eher erhört, wenn man Piratenornat oder wenigstens eine Augenklappe trägt und nur mit genügend Piraten können wir die Erderwärmung stoppen.“

Bruder Spaghettus in seinem Blogeintrag vom 18. Oktober 2018

Laut den „heiligen“ Schriften der FSM-Kirche war das Spaghettimonster bei der Schöpfung leicht betrunken, was die Unvollkommenheiten und chaotischen Zustände in der Welt erklärt. 

Wieso Nudelsieb?

Wieso nur „bis 2011“?

In diesem schicksalhaften Jahr kam es nämlich zum Kopfbedeckungs-„Schisma“. Ausschlaggebend hierfür war, dass der Österrreicher Niko Alm auf seinem Führerschein-Foto unter Berufung auf den Pastafarianismus ein Nudelsieb aufgesetzt hatte.

Ein gelungener PR-Coup des Religionskritikers, der aber bei den Anhänger*innen der „piratigen“ Kopfbedeckung auf augenzwinkernde Ablehnung stößt.

„Wir fanden die Aktion toll, haben uns aber gleich gefragt: Wieso Nudelsieb? Das kam für uns nicht in Frage. Wir wollten weiter dem Spaghettimonster und dem Evangelium folgen und haben das auch begründet. Alle, die Niko Alm folgen und ein Nudelsieb tragen, nannten wir fortan Almisten.

Aber natürlich sind wir keine normale Religion, in der Abweichler bekämpft und teilweise sogar komplett ausgerottet werden. Wir sehen die Almisten nicht als Feinde, wir helfen ihnen sogar, wenn wir können.“

Bruder Spaghettus in seinem Blogeintrag vom 18. Oktober 2018

FSM – wer oder was ist das Fliegende Spaghettimonster?

Das Fliegende Spaghettimonster – kurz FSM – ist die zentrale Gottheit dieser Spaßreligion.

Es wird als eine riesige, schwebende Masse aus Spaghetti mit Fleischbällchen dargestellt, ausgestattet mit zwei nudelartigen Anhängseln, die es in seiner „nudeligen Weisheit“ zur Erschaffung und Steuerung des Universums verwendet. 

Das „Fliegende Spaghettimonster“, interpretiert durch eine KI
Das „Fliegende Spaghettimonster“, interpretiert durch eine KI

Es wird außerdem als eine Gottheit beschrieben, die sich nicht darum kümmert, angebetet zu werden, sondern ihre Anhänger lediglich dazu auffordert, mit Humor, Vernunft und einer großen Portion Selbstironie durch das Leben zu gehen. Spätestens hier merkt man, dass es sich um keine „ernsthafte“ Religion handelt.

Die Entstehungsgeschichte: Wie alles begann

Der Ursprung der FSM-Kirche liegt in einem offenen Brief. Bobby Henderson schrieb 2005 an das Board of Education des US-Bundesstaates Kansas, nachdem dieses beschloss, „Intelligent Design“ – eine pseudowissenschaftliche Alternative zur Evolutionstheorie – im Biologieunterricht zu behandeln. 

Henderson argumentierte, dass, wenn eine Religion wie der Kreationismus im Unterricht berücksichtigt wird, auch der Glaube an das Fliegende Spaghettimonster denselben Status erhalten sollte.

Seine Forderung wurde bewusst absurd formuliert, um den religiösen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit zu karikieren. Zu seiner Überraschung fand Henderson weltweit Unterstützer, die seine Kritik an religiösem Einfluss in Bildungssystemen teilten.

Die Glaubensgrundsätze der FSM-Kirche

Die FSM-Kirche verfolgt keine traditionellen Dogmen

Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Logo
Logo der „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e. v.) (mit freundlicher Genehmigung)

Stattdessen enthält ihr „Glaube“ humorvolle Elemente, die auf reale Religionen anspielen und deren Absurdität aufzeigen sollen. Ein Überblick:

  1. Der Glaube an das FSM
    Das Fliegende Spaghettimonster erschuf das Universum – im betrunkenen Zustand, was die offensichtlichen Mängel in der Welt erklärt.
  2. Der Himmel und die Hölle
    Im Himmel gibt es einen Bier-Vulkan und eine Stripperfabrik. In der Hölle sind die gleichen Einrichtungen vorhanden, aber das Bier ist abgestanden und die Stripper haben Geschlechtskrankheiten.
  3. Die 8 ALWM („Am liebsten wäre mir …“)
    Ähnlich wie die zehn Gebote enthält die FSM-Religion acht humorvolle Empfehlungen für ein moralisches Leben. Beispiel: „Am liebsten wäre mir, wenn ihr Meine Existenz nicht benutzt zur Unterdrückung, Unterwerfung, Bestrafung, Entleibung und/oder um zu anderen gemein zu sein. Ich brauche keine Opfer, und Reinheit ist etwas für Bier und Trinkwasser, nicht für Menschen.“
  4. Pastafari-Rituale
    Anhänger, die sich selbst Pastafaris nennen, tragen bei religiösen Zeremonien oft ein Nudelsieb auf dem Kopf und zelebrieren ihre „Messen“ mit Pasta-Gerichten. Statt „Amen“ sagen sie entsprechend „Ramen“.

Ist die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters eine echte Religion?

Rechtlich gesehen variiert die Anerkennung der FSM-Kirche weltweit. In einigen Ländern, darunter Neuseeland, wird sie offiziell als Religionsgemeinschaft anerkannt und kann sogar Trauungen durchführen. 

In anderen Ländern, wie Deutschland, wird die Religionszugehörigkeit zur FSM als Religionsparodie oder Religionssatire betrachtet und genießt keine rechtliche Gleichstellung mit „traditionellen“ (also etwa den abrahamitischen) Religionen. In Deutschland versteht sie sich als Weltanschauungsgemeinschaft.

Interessanterweise erfüllt die FSM-Kirche aber viele Kriterien, die auch für andere Religionen gelten:

Doch während die meisten Religionen den Anspruch erheben, eine objektive Wahrheit zu vertreten, macht die FSM-Kirche genau das Gegenteil: Sie nutzt ihren absurden Charakter, um auf die Willkürlichkeit religiöser Dogmen hinzuweisen.

Kritik an der FSM-Kirche

Wie jede Bewegung bleibt auch die FSM-Kirche nicht frei von Kritik. Gegner argumentieren, dass sie den Glauben gläubiger Menschen ins Lächerliche zieht.

Tatsächlich ist dies jedoch kein direkter Angriff auf den Glauben an sich, sondern vielmehr auf dessen politische und gesellschaftliche Privilegien.

Warum ist die FSM-Kirche wichtig?

Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters hat eine zentrale Botschaft: Religiöse Vorstellungen sind subjektiv und sollten keinen Einfluss auf Wissenschaft, Bildung oder Gesetzgebung haben.

Ihr humorvoller Ansatz weist Paralellen zur Spaßreligion der „Church of the SubGenius“ auf, eröffnet aber neue Wege, um auch ernsthafte Themen wie negative Religionsfreiheit und Trennung von Kirche und Staat zu diskutieren.

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Indem sie traditionelle Religionen parodiert, erinnert die FSM-Kirche daran, dass es keine objektive Grundlage gibt, eine Religion über eine andere zu stellen.

Und wer weiß – vielleicht segnet uns das Fliegende Spaghettimonster doch alle mit seiner nudeligen Güte.

Ramen.

Für den evolutionären Humanismus

Zugleich setzt sich die mit der Giordano-Bruno-Stiftung vernetzte Kirche des FSM für den evolutionären Humanismus ein und fördert zum Beispiel Evolutions-Lehrpfade.

Außerdem identifiziert sie sich weltanschaulich mit den „10 Angeboten des evolutionären Humanismus“.

„Wir, die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V., haben uns deshalb entschieden, die Verbreitung einer offenen und toleranten Ethik zu fördern. Dabei setzen wir auf den von der Giordano Bruno Stiftung weiterentwickelten evolutionären Humanismus. Dessen 10 Angebote und Seine 8 ALWM bilden die Grundlage unseres Handelns.“

Schülerpreis „GöthE“

Ein aktuelles Projekt ist die Auslobung des Schülerpreises „GöthE“, was für „Götterfreie humanistische Ethik“ steht.

Es werden drei Preise an einzelne Schüler oder Schülergruppen vergeben, die sich mit einem Text-, Video- oder einem anderen Beitrag mit ethischen Fragen der Gegenwart beschäftigen und ethische Begründungen entwickeln, ohne auf übernatürliche Wesen zurückzugreifen.

Klicke auf den Link für mehr Infos: https://www.schuelerpreis.de/

Fazit zur Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters

Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters ist damit weit mehr als ein Scherz – sie ist ein cleveres Werkzeug, um über religiöse Privilegien, Bildung und Glaubensfreiheit zu diskutieren.

Sie hat bewiesen, dass manchmal ein Teller Pasta ausreicht, um die Welt zum Nachdenken zu bringen.

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