Pfingsten Bedeutung

Die Bedeutung von Pfingsten

Welche Bedeutung hat eigentlich Pfingsten?

Das christliche Pfingstfest bedeutet wörtlich übersetzt fünfzigster Tag (nach Ostern). Es leitet sich vom griechischen πεντηκοστὴ ἡμέρα (pentēkostē hēméra) ab.

In anderen Sprachen zeigt sich die ursprüngliche Bedeutung von Pfingsten noch deutlicher: Das Fest heißt im Englischen „Pentecost“ oder im Französischen „Pentecôte“.

Pfingsten spielt eine entscheidende Rolle in der Trinitätslehre: Es ist der Moment, in dem die dritte „Person“ der Gottheit, der Heilige Geist, in der Welt wirksam wird. Während Weihnachten die Geburt Jesu feiert und Ostern seine Auferstehung, ist Pfingsten das Fest des göttlichen Wirkens in der Gegenwart – zumindest in der theologischen Deutung.

Dabei bleibt der Begriff „Heiliger Geist“ vage und schwer fassbar. Die Vorstellung, dass eine unsichtbare göttliche Kraft Menschen plötzlich mit göttlicher Erkenntnis erfüllt, wirkt aus naturalistischer Sicht eher wie eine Mischung aus Massenpsychose und religiösem Wunschdenken.

Doch für viele Christen markiert Pfingsten einen Höhepunkt im liturgischen Jahr – wenn auch in der säkularen Öffentlichkeit kaum jemand erklären kann, was da eigentlich gefeiert wird.

Der jüdische Hintergrund des Pfingstfestes

Hintergrund ist das jüdische Wochenfest („Schawuot“), ein Pilgerfest, das 50 Tage nach dem „Fest der ungesäuerten Brote“ („Mazzot“) begangen wird. 

Ein Schelm, wer hier Böses denkt, zum Beispiel, dass hier einfach wieder einmal ein wichtiger jüdischer Feiertag christlich „umgedeutet“ wurde. Da hat ganz bestimmt wieder mal nichts mit nichts zu tun 😉

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Pfingsten hat also seinen Ursprung gar nicht im Christentum, sondern basiert auf einem jüdischen Fest – dem Schawuot. Dieses Ernte- und Wochenfest wird sieben Wochen nach dem Pessach-Fest gefeiert und erinnert traditionell an die Übergabe der Tora an das Volk Israel am Berg Sinai.

Schawuot ist damit ein zentrales Ereignis der jüdischen Identität und Theologie: Es markiert den „Geburtstag“ des Gesetzes, also der Bundesordnung zwischen Gott und seinem Volk. In der Antike war es auch ein Wallfahrtsfest, zu dem fromme Juden aus der ganzen Welt nach Jerusalem kamen – ein Detail, das die Apostelgeschichte geschickt aufgreift, um zu erklären, warum beim „Pfingstwunder“ so viele Menschen aus unterschiedlichen Sprachräumen anwesend waren.

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Der jüdische Hintergrund von Pfingsten ist mehr als nur ein zeitlicher Zufall. In der christlichen Lesart wird das Gesetz durch den Geist ersetzt: Statt schriftlicher Gebote gebe nun der Heilige Geist den Gläubigen „ins Herz“, was gut und richtig sei.

Damit inszeniert die christliche Theologie einen subtilen theologischen Bruch mit dem Judentum – das als „veraltet“ oder „übererfüllt“ dargestellt wird.

Diese Substitutionstheologie ist nicht nur historisch problematisch, sondern auch der Beginn einer langen Geschichte christlicher Abgrenzung, die bis hin zu Antijudaismus reicht. Pfingsten steht also auch für eine tiefgreifende Transformation eines jüdischen Festes in ein christliches Gründungsnarrativ – mit weitreichenden Folgen.

Aussendung des „Heiligen Geistes“

Was wird eigentlich an Pfingsten gefeiert? Gefeiert wird an diesem 50. Tag der Osterzeit die Ankunft des Heiligen Geistes in Jerusalem.

Was genau der Heilige Geist ist, ist weder leicht zu verstehen noch leicht zu erklären. Er ist in der christlichen Theologie und Religion eine der drei „Personen“ der christlichen Dreifaltigkeit („Trinität“), soll aber weder als eigenständige Substanz noch als Gottheit verstanden werden. Das Alte Testament spricht gelegentlich auch vom „Hauch“ Gottes.

Dreieinheit Christologie
Die Trinität ist ein „bemerkenswertes“ Konzept

Die Bedeutung von Pfingsten laut der Apostelgeschichte

Jedenfalls soll nach allgemeiner christlicher Überzeugung an Pfingsten der Heilige Geist über eine Menschenmenge von 120 Personen in Jerusalem gekommen sein.

Zeugnis hierfür gibt die Apostelgeschichte, die im Neuen Testament der Bibel an das Lukasevangelium anschließt und ebenfalls von Lukas verfasst wurde. Das „Kommen des Heiligen Geistes“ findet sich im zweiten der insgesamt 28 Kapitel.

Die Zungenrede an Pfingsten

Das zentrale Ereignis ist das „Herabsenken“ des Heiligen Geistes auf die christliche Gemeinde in Jerusalem. Daraufhin beginnt diese eine Zungenrede, das heißt, die Menschen sprechen in einer Vielzahl ihnen eigentlich unbekannter Sprachen.

Die Pfingstgeschichte im Wortlaut

1 Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort.

2 Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.

3 Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.

4 Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

5 In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.

6 Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.

7 Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?

8 Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:

9 Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien,

10 von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten,

11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber – wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

12 Alle gerieten außer sich und waren ratlos. Die einen sagten zueinander: Was hat das zu bedeuten?

13 Andere aber spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken.

Apostelgeschichte 2, 1-13

Die Pfingstpredigt und ihre Bedeutung für die Kirche

Anschließend hält Petrus in Anwesenheit der anderen elf Apostel eine Predigt. Dass er die Ausgießung des Heiligen Geistes als Zeichen der „letzten Tage“ der Menschheit sieht, darf 2000 Jahre später wohl einigermaßen skeptisch betrachtet werden.

Wieso elf – war der verräterische Judas Iskariot denn nicht gestorben?

Pfingstpredigt
Die Pfingstpredigt

Doch, doch. Je nachdem, welcher Stelle des Neuen Testaments man mehr Glauben schenken möchte. Wieder einmal hat der gläubige Leser die Wahl: 

  • „Dann ging er weg und erhängte sich“ (Matthäus 27:5) oder 
  • „stürzte er vornüber zu Boden, sein Leib barst auseinander und alle seine Eingeweide quollen hervor“ (Apg 1,18).

Einig sind sich die beiden Textstellen lediglich insofern, als Judas tot war.

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Was hatte es mit Judas auf sich? Zahllose Legenden ranken sich um diese Gestalt.
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Allerdings wurde nun per Losentscheid ein neuer elfter Apostel berufen: Matthias. Dies war nötig, weil in Psalm 109,8 sinngemäß steht, dass „ein andrer das Amt des Anklägers erhalten“ solle.

Jedenfalls tritt Petrus mit den Elf auf und hält eine feierliche Predigt, dass die in Zungen Sprechenden („Xenoglossie“) beileibe nicht betrunken seien – sondern dies sei das „prophetische Reden“, von dem bereits der Prophet Joël gesprochen habe (Joel 3,1). 

Daraufhin lassen sich zahlreiche Menschen taufen: Im Selbstverständnis der katholischen Kirche ist dies bis heute der Moment ihrer eigentlichen Gründung. Daher auch die große Bedeutung des Pfingstfestes.

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Widersprüche um Pfingsten und ihre Bedeutung

Wie so oft, wenn man sich mit Bibelkritik befasst, fallen schnell biblische Ungereimtheiten auf. So auch an Pfingsten.

Prinzipiell vererben sich in der Apostelgeschichte einige Widersprüche rund um Ostern, die Passion Christi und Christi Himmelfahrt – etwa in der Dauer zwischen Auferstehung und Himmelfahrt.

Die in der Apostelgeschichte erwähnten „40 Tage“ finden sich jedenfalls an anderen Stellen nicht, wo von acht beziehungsweise null Tagen gesprochen wird. 

Doch es gibt auch neue Widersprüche: 

Wann kommt der Heilige Geist?

Laut Johannes (7:39, 20:22) und Apostelgeschichte (Apg 2:1-4) kommt die „Herabsenkung“ nachdem Jesus angeblich von den Toten auferstanden ist.

Bei Markus (12:36) und Lukas (1:15, 2:25) geschieht dies allerdings vor der Auferstehung. 

Wer schickt den Heiligen Geist?

Und wo kam der Heilige Geist an Pfingsten her, wer hat ihn geschickt? War es „der Auferstandene“ Jesus (Johannes 15:26), der den „Beistand“ sandte? Oder doch der „Gottvater“ selbst (Johannes 14:26)?

Es bleibt unklar. Deshalb ist es mitunter so schwer, den Originaltexten zu glauben: Sie widersprechen nicht nur der Logik, der Naturwissenschaft und dem Anstandsgefühl, sondern auch sich selbst.

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Pfingsten und seine Bedeutung heute

Trotz seiner enormen theologischen Bedeutung hat Pfingsten im populären Brauchtum nie den gleichen Stellenwert wie Weihnachten oder Ostern erreicht. Es fehlen die einprägsamen Rituale, die ikonischen Geschichten oder kulturellen Elemente wie Geschenke oder Festessen.

Durch die kalendarische Bindung an Ostern liegt Pfingsten immer auf einem Sonntag.

Pfingstbrauchtum

Dennoch hat sich in verschiedenen Regionen Europas ein Pfingstbrauchtum herausgebildet, das oft mehr mit Natur, Frühling und ländlicher Lebensweise zu tun hat als mit dem Heiligen Geist. Dazu zählen zum Beispiel Pfingstfeuer, Pfingstritte, Pfingstochsen oder das Aufstellen von Pfingstbäumen – Bräuche, die meist eine Mischung aus christlichen, vorchristlichen und agrarischen Symbolen darstellen.

Ein bekanntes Beispiel ist der „Pfingstochse“: Ein besonders prächtig geschmückter Ochse wird durchs Dorf geführt – oft als Zeichen für die Fruchtbarkeit des Landes oder als Symbol für die Kraft des Frühlings. Der „Pfingstbaum“ erinnert an den Maibaum und wurde in manchen Gegenden als Zeichen des Lebens oder der Liebe interpretiert.

In ländlichen Gegenden Oberbayerns oder Ostdeutschlands gab es auch Umzüge, bei denen ein Jugendlicher als „Pfingstl“ verkleidet wurde – eingehüllt in grüne Zweige, als personifizierter Frühling. Mit der ursprünglichen Pfingstbotschaft hat das wenig zu tun – dafür aber viel mit dem menschlichen Bedürfnis, religiöse Feste mit Natur, Rhythmus und Gemeinschaft zu verknüpfen.

Der Pfingstmontag ist ein bundesweiter Feiertag. Durch das lange Wochenende und die dazugehörigen Pfingstferien erfreut sich das Fest auch ohne tiefere Kenntnis der Bedeutung großer Beliebtheit …

Pfingsten: Der Heilige Geist steigt herab (Gemälde)
Pfingsten: Der Heilige Geist steigt herab (Gemälde)

Brauchtum an Pfingsten steht in einem engen Zusammenhang mit dem Sommeranfang. Themen hier sind Fruchtbarkeit oder etwa der Viehauftrieb auf die Sommerweide („Pfingstochse“).

Manchmal sind’s statt Ochsen auch Pferde. Manchmal beides.

Beliebt sind auch Pfingstzeltlager mit Jugendlichen und Pfingstfeuer. In ein katholisch betreutes Zeltlager würde ich mein Kind aufgrund des institutionalisierten Kindesmissbrauchs in der katholischen Kirche zwar nicht schicken – aber das müssen alle Eltern selbst entscheiden.

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