Exorzismus

Exorzismus: wenn Wahnsinnige Besessene „heilen“

Vor „falschen und unzulässigen Praktiken im Exorzismus“ warnte die „Internationale Vereinigung der Exorzisten“ (AIE) im Januar 2025. Man solle einen Exorzismus nicht Laien überlassen, welche eine „magische Denkweise fördern“ sondern den „offiziellen Exorzisten der Diözese aufzusuchen“, riet die Vereinigung aus Rom.

Der Exorzismus existiert als Ritual seit Jahrtausenden und in vielen Kulturen. Der Gedanke, dass böse Geister oder andere schädliche übernatürliche Mächte von einer Person Besitz ergreifen können, zieht sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte.  

Während es für manche ein Mittel ist, „dämonische Besessenheit“ zu bekämpfen, sehen andere darin ein psychologisches Phänomen oder ab er schlicht gefährlichen Aberglauben.

Also: Was steckt hinter Exorzismus? 

Wir legen das Wichtigste im Folgenden dar und verlinken auch Exorzismus-Literatur und nennen gruselige Exorzismus-Filme (nachfolgend ein Clip aus dem Film „The Pope’s Exorcist“ mit Russell Crowe; 2023). 

Exorzismus – wir beschwören die Etymologie

Das Wort „Exorzismus“ leitet sich vom griechischen „exorkizein“ (ξορκισμός) ab, was „beschwören“ oder „einen Eid auferlegen“ bedeutet.

Im ursprünglichen Sinn bezeichnete ein Exorzismus oder eine Teufelsaustreibung die Praxis, eine übernatürliche Kraft zu bannen oder zu vertreiben, indem sie durch einen Schwur gebunden wird.

Die etymologische Wurzel zeigt, dass Exorzismus ursprünglich weniger mit Gewalt, sondern vielmehr mit „autoritativer Beschwörung“ verbunden war.

Exorzismus
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Sind wirklich Menschen von Dämonen besessen, die mit einem Exorzismus vertrieben werden können?

Für die ganz Neugierigen kürzen wir hier vorweg ab: Dafür gibt es keinerlei nachvollziehbaren Hinweise. Sicher, wenn du an eine aktive „spirituelle“ Welt glaubst, könntest du Besessenheit als „reale“ Präsenz übernatürlicher Wesen deuten. 

Aus meiner Sicht ist es allerdings genauso sinnvoll, an Dämonen zu glauben, wie an Geister, Engel, Vampire, Nephilim, Feen, Werwölfe und Zombies. 

Exorzismus übernatürlicher Wesen
Fast jede Kultur hat irgendwelche Fabelwesen hervorgebracht. Welches Schweinderls darf’s denn sein?

Aus einer naturalistischen Perspektive gibt es keinen Hinweis darauf, dass Menschen tatsächlich von Dämonen besessen sein können. 

Alle bekannten Fälle von sogenannter Besessenheit lassen sich durch psychologische, neurologische oder soziale Faktoren erklären. 

Phänomene wie unerklärliches Verhalten, Stimmenhören oder das Zeigen extremer Kräfte werden in der Regel als Symptome von psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie, dissoziativen Störungen oder Epilepsie gedeutet. 

Die Wirkungen von Exorzismen, die gelegentlich als Heilung wahrgenommen werden, lassen sich auf den Placebo-Effekt, suggestive Machtstrukturen oder den Abbau psychischer Spannungen zurückführen. 

Eine objektive, empirische Bestätigung der Existenz von Dämonen oder deren Einfluss auf den Menschen gibt es nicht.

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Geschichte der „Dämonologie“ in Europa

Im Mittelalter, besonders während der vorreformatorischen Zeit der katholischen Kirche, wurde der Glaube an Dämonen und ihre Fähigkeit, Menschen zu beeinflussen, weit verbreitet.

Dämonologie, die Lehre über Dämonen und ihre Kräfte, war stark mit der christlichen Theologie verknüpft, und Dämonen wurden als böse spirituelle Wesen betrachtet, die von Satan entsandt wurden, um die Menschheit zu verderben. 

Die Kirche entwickelte detaillierte Schriften, die das Wesen von Dämonen, ihre Hierarchien und die Methoden zu ihrer Vertreibung erklärten. Berühmte Werke wie der „Malleus Maleficarum“ (Der Hexenhammer) (siehe nächster Absatz) im 15. Jahrhundert prägten die Dämonologie und legten den Grundstein für die Verfolgung von angeblichen „Hexen“ und „Besessenen“

In vielen christlichen Traditionen werden Dämonen als gefallene Engel betrachtet, die sich gegen Gott auflehnten und zusammen mit Satan aus dem Himmel verstoßen wurden. 

Exorzismus
Sind Dämonen gefallene Engel? Manche Christen glauben dies.

Diese Vorstellung basiert auf Interpretationen biblischer Texte, insbesondere aus dem Buch Jesaja, Ezechiel und Offenbarung, die das Bild von rebellischen Engeln vermitteln. 

Während der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert begann die rationalistische und wissenschaftliche Denkweise jedoch, den Glauben an Dämonen zunehmend zu hinterfragen, was dazu führte, dass die Dämonologie in den westlichen Gesellschaften an Einfluss verlor. 

Dennoch blieb der Glaube an Dämonen in vielen Teilen Europas und in religiösen Gemeinschaften bis heute präsent, insbesondere durch religiöse Erweckungsbewegungen und die katholische Kirche.

Der Hexenhammer

Der „Malleus Maleficarum“ (Der Hexenhammer) wurde 1486 von den Dominikanermönchen Heinrich Kramer und Jakob Sprenger verfasst und gilt als eines der berüchtigtsten Werke der mittelalterlichen Dämonologie. 

Es diente als Handbuch für die Verfolgung und Inquisition von Hexen in Europa und war maßgeblich an der Hexenverfolgung im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit beteiligt. 

Das Werk unterteilt sich in drei Teile: Der erste Teil befasst sich mit der Theorie der Hexerei und deren Dämonologie, der zweite mit der Identifikation von Hexen und Hexenpraktiken, und der dritte mit den Methoden, um Hexen zu verhören und zu bestrafen. 

Der „Hexenhammer“ stellt Hexen als Frauen dar, die in einem Pakt mit dem Teufel stehen und übernatürliche Kräfte besitzen. Besonders erschreckend war die Rechtfertigung des Werkes, dass Hexen aufgrund ihrer Unwissenheit und ihres „weiblichen“ Charakters besonders anfällig für dämonische Einflüsse seien. 

Es gab klare Anweisungen, wie man „Hexen“ erkennt, sei es durch Zeugenberichte, Zeugen der Anklage oder körperliche Beweise wie „Hexenmalen“. Dieses Werk führte zu weitreichenden Hexenverfolgungen und tausenden von Hinrichtungen, die das mittelalterliche Europa bis ins 18. Jahrhundert erschütterten.

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Das psychische Phänomen der Besessenheit

Zurück in die Gegenwart: Heute wissen wir natürlich unendlich viel mehr über psychische und neurologische Krankheiten, über das Gehirn, als es Menschen im Mittelalter taten. 

Historisch wurden viele psychische und physische Erkrankungen mit dem Phänomen der Besessenheit in Verbindung gebracht. Verständlich in Zeiten, in denen medizinisches Wissen begrenzt war und spirituelle oder religiöse Erklärungen bevorzugt wurden. 

Zu den häufigsten Krankheiten, die mit Besessenheit assoziiert wurden, gehören:

  • Epilepsie:
    Anfälle, die mit unkontrollierten Bewegungen, Bewusstseinsverlust und Krämpfen einhergehen, wurden häufig als Anzeichen für dämonische Besessenheit interpretiert.
  • Schizophrenie:
    Menschen mit schweren psychotischen Störungen, die Halluzinationen und Wahnvorstellungen erleben, galten oft als besessen. Die Symptome der Schizophrenie wurden als Zeichen für das Eindringen von bösen Geistern oder Dämonen angesehen.
  • Hysterie:
    Eine psychische Erkrankung, die vor allem Frauen betraf und durch Symptome wie Nervosität, Wutausbrüche oder Zittern gekennzeichnet war, wurde häufig als Besessenheit gedeutet.
  • Zwangsstörungen (OCD):
    Wiederholte, zwanghafte Gedanken oder Handlungen, die als belastend empfunden werden, wurden oft als eine Form der Besessenheit durch Dämonen verstanden.
  • Depression:
    Schwere depressive Episoden, die mit tiefer Verzweiflung, Isolation und Selbstverleugnung verbunden sind, wurden ebenfalls häufig als Hinweis auf dämonischen Einfluss gesehen.
  • Krankheiten mit ungewöhnlichem Verhalten:
    Auch andere Verhaltensauffälligkeiten, die außerhalb der Norm lagen, wurden bisweilen als Besessenheit interpretiert, vor allem, wenn das Verhalten als bösartig oder kontrolliert wahrgenommen wurde.
  • Extremer Stress:
    Stress, insbesondere über längere Zeiträume oder in besonders belastenden Situationen, kann zu schwerwiegenden psychischen und physischen Symptomen führen, die in früheren Zeiten als Anzeichen für übernatürliche Phänomene interpretiert wurden, z. B. Paranoia, Halluzinationen, Zuckungen und andere Verhaltensauffälligkeiten. Dasselbe gilt für Posttraumatische Belastungsstörungen und Angststörungen (Phobien, diffuse Ängste).

In vielen Fällen lag die Ursache der „Besessenheit“ also in psychischen Erkrankungen oder neurologischen Störungen – aber vor dem Aufkommen moderner Psychiatrie und Medizin wurden diese Zustände oft als unheimlich oder übernatürlich betrachtet. 

Exorzismus und andere spirituelle Praktiken wurden daher als eine Möglichkeit gesehen, das „Böse“ zu vertreiben. Denn im religiösen Kontext wurden die Symptome häufig als Einfluss von Geistern oder Dämonen interpretiert. 

Dämon Exorzismus
Sehen so Dämonen aus?

Kulturelle Rückkopplung

Dieser Glaube kann durch kulturelle Prägung, Gruppendynamik und religiösen Eifer verstärkt werden. In einigen Fällen führt der Glaube an Besessenheit selbst zur Verstärkung der Symptome – ein Phänomen, das als „kulturelle Rückkopplung“ bezeichnet wird.

Exorzismen im Judentum

Im Judentum finden sich erste Hinweise auf Exorzismen in den Schriften des Tanach (Altes Testament). Beispielsweise wird im Buch Samuel beschrieben, wie König Saul von einem „bösen Geist“ geplagt wurde, der durch die Musik von David beruhigt wurde (1 Sam 16,14–23). 

Tanach
Der Tanach
Tanach – Lehrbuch der jüdischen Bibel
Lehrbuch zum Tanach

In der rabbinischen Tradition entwickelte sich später ein System von Gebeten und Ritualen, die auf das Vertreiben böser Geister abzielen. Diese Praktiken hatten jedoch mehr gemeinschaftlichen als spektakulären Charakter und standen in engem Zusammenhang mit der Pflege des spirituellen und psychischen Wohlbefindens.

Eine bemerkenswerte Erscheinung der hebräischen Bibel sind die sogenannten Fluchpsalmen, die Flüche und Verwünschungen gegen Feinde aussprechen. Dabei spielen Dämonen allerdings keine Rolle; es ist Jahwe, der die Feinde Israels zerschmettern soll und so weiter.

Exorzismen im Christentum

Im Christentum wird der Exorzismus prominent durch das Neue Testament geprägt. Jesus selbst wird in den Evangelien als Exorzist beschrieben, der Dämonen aus einem besessenen Mann austreibt (z. B. Mk 5,1–20). Danach geht es dem Mann wieder gut. 

Eine ähnliche Geschichte gibt es auch bei Matthäus 8,28–34; hier treibt Jesus die Dämonen aber aus zwei Männern aus, die in Grabhöhlen leben. Solcherlei Widersprüche in der Bibel kennen wir ja schon zur Genüge.

Die Dämonen bitten Jesus darum, in eine Schweineherde geschickt zu werden, was dieser gnädig gestattet. Die Herde stürzt daraufhin ins Wasser eines Sees.

Jesus als Exorzist
In der berühmten Bibelstelle (Markus 5) bindet Jesus böse Geister in einer Horde von 2.000 Schweinen, die daraufhin ertrinken

Jesus und die Jünger als Exorzisten

Das Neue Testament enthält weitere Berichte über Exorzismen, die Jesus durchgeführt hat, sowie Hinweise darauf, dass er seine Jünger dazu autorisierte. Hier sind einige prominente Beispiele:

  • Markus 1,23–27:
    Jesus treibt in der Synagoge von Kapernaum einen „unreinen Geist“ aus. Der Geist erkennt ihn als „den Heiligen Gottes“, bevor Jesus ihn mit einem einfachen Befehl vertreibt.
  • Markus 9,14–29:
    Jesus heilt einen Jungen, der von einem stummen Geist besessen ist. Der Geist verursacht Krampfanfälle, doch Jesus vertreibt ihn durch Gebet. Zuvor hatten die Jünger den Exorzismus erfolglos versucht.
  • Lukas 8,2:
    Hier wird erwähnt, dass Maria Magdalena von „sieben Dämonen“ befreit wurde.
  • Lukas 11,14:
    Jesus treibt einen Dämon aus, der einen Mann stumm gemacht hat, und die Menge ist erstaunt über seine Macht.

14 Und er trieb einen Dämon aus, der war stumm. Und es geschah, als der Dämon ausfuhr, da redete der Stumme, und die Menge verwunderte sich. 15 Einige aber unter ihnen sprachen: Er treibt die Dämonen aus durch Beelzebul, den Obersten der Dämonen. 16 Andere aber versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel. 17 Er aber kannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet und ein Haus fällt über das andre.

Lukas 11,14–17

Die frühe Kirche übernahm diese Praktiken, und im Mittelalter wurden Exorzismen ein fest etabliertes Ritual. Der katholische Exorzismus basiert auf dem „Rituale Romanum“ von 1614, das bis heute verwendet wird, jedoch 1999 überarbeitet wurde. 

Während die katholische Kirche Exorzismen offiziell anerkennt, stehen andere christliche Konfessionen dem Thema skeptischer gegenüber oder führen sie in freikirchlichem Kontext ohne feste Regeln durch.

Dämonen: Besessenheit und Exorzismus in der Geschichte Österreichs
Die rituelle Austreibung von Dämonen aus (vermeintlich) vom Teufel besessenen Menschen hat in Österreich eine lange Geschichte. [Anzeige]

Exorzismus und katholische Kirche heute

Wie bitte? 1999 überarbeitet? 

Ja, du hast richtig gehört! Die katholische Kirche hat das „Römische Ritual des Exorzismus“ nach 1614 im Jahr 1999 noch einmal neu bearbeitet herausgebracht. Natürlich zeitgemäß auf Lateinisch – das Buch gibt es immer noch zu kaufen

Die offizielle Haltung der Katholischen Kirche zu Exorzismen ist geprägt von der Annahme, dass es in seltenen Fällen tatsächlich Dämonenbesessenheit geben kann, die nur durch den Exorzismus, das Rituell des Austreibens von bösen Geistern, geheilt werden kann.

Deswegen unterscheidet die katholische Lehre streng (LOL) zwischen psychischen Krankheiten und „echter“ (Doppel-LOL) Besessenheit. 

Ein Exorzismus darf allerdings nur nach eingehender Prüfung durch „qualifizierte“ Priester und mit Zustimmung eines Bischofs durchgeführt werden, um Missbrauch und falsche Diagnosen zu vermeiden.


Der Exorzismus der katholischen Kirche
Der Exorzismus der katholischen Kirche: Authentischer lateinischer Text nach der von Papst Pius XII. erweiterten und genehmigten Fassung mit deutscher Übersetzung [Anzeige]

BU: Der Leitfaden liegt auch in deutscher Übersetzung vor. [Anzeige]

Es ist bemerkenswert, dass die katholische Kirche auch im späten 20. Jahrhundert einen offiziellen Leitfaden für Exorzismen herausgab. Dieser Schritt muss als Rückfall in überholte Vorstellungen von Dämonen und Besessenheit verstanden werden, die der modernen wissenschaftlichen Auffassung widersprechen. 

Der evangelische Theologe Bultmann schrieb dazu: 

„Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben.“

Das schrieb er 1941. Satte 58 Jahre später legt die katholische Kirche Wert darauf, dass Exorzismen nur im „Einklang“ mit psychologischen und medizinischen Bewertungen durchgeführt werden. 

Problematisch sind gefährliche Fehldiagnosen, bei denen psychische Erkrankungen als dämonische Besessenheit fehlinterpretiert werden. Angesichts des aktuellen Wissens über Psychologie und Psychiatrie muss diese Haltung als eine gefährliche Überlagerung von religiösem Glauben und medizinischer Praxis kritisiert werden.

Exorzisten

Exorzisten gab es im Laufe der Geschichte viele.

Es gibt sogar eine „Internationale Vereinigung der Exorzisten“, natürlich in Rom, mit 900 Mitgliedern – katholischen Priestern, vorwiegend aus Italien, den USA, Mexiko, Österreich, Tschechien und aus afrikanischen Ländern, wo der Glaube an böse Geister besonders stark ausgeprägt ist.

In Großbritannien wird sogar für jede Diözese ein Exorzist benannt, wenn auch unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit.  

Gabriele Amorth: der Exorzist des Vatikans

Geradezu Kultstatus erlangte der italienische Priester Gabriele Amorth (1925–2016), der Vorsitzender der oben genannten Vereinigung und von 1986 bis zu seinem Tod der Exorzist der Diözese Rom war.

Amorth schrieb zahlreiche Bücher über seine Erfahrungen, die auch als Vorlage für einige Filme dienten (darunter der mit Russell Crowe von 2023)

Exorzist Amorth
Gabriele Amorth (2013)

Grundlagen eines Exorzismus

Ein Exorzismus basiert auf der Annahme, dass eine fremde, böse Macht – oft ein Dämon – von einem Menschen Besitz ergriffen hat. 

Die Grundlagen dieses Rituals sind in der Regel:

  1. Der Glaube an das Übernatürliche:
    Das Böse wird als eigenständige Macht verstanden.
  2. Ein autorisierter Exorzist:
    Meist ein Priester, der von der Kirche speziell ausgebildet wurde.
  3. Heilige Texte und Symbole:
    Gebete, Weihwasser, Kreuze und andere religiöse Utensilien kommen zum Einsatz.
  4. Glaubensstärke:
    Die Überzeugung der Beteiligten wird als entscheidend für den Erfolg des Rituals angesehen.

Video: So wie in diesem Clip aus der Hellblazer-Comic-Verfilmung „Constantine“ stellen sich die meisten Gläubigen einen Exorzismus vor. 

Der Comic selbst ist sehr gut gezeichnet: absolute Kauf- und Leseempfehlung!

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Ablauf eines Exorzismus

Der Ablauf eines Exorzismus variiert je nach Tradition. Ein typisches katholisches Ritual umfasst:

  1. Untersuchung:
    Der Exorzist versucht, „sicherzustellen“, dass keine psychische Erkrankung vorliegt. Diese Prüfung wird jedoch meist von einem religiösen Amtsträger durchgeführt, der oft keine fundierte Ausbildung in Psychiatrie oder Psychologie hat. Dies birgt das Risiko, dass komplexe psychische Störungen wie Schizophrenie, dissoziative Identitätsstörung oder extreme Stressreaktionen als Besessenheit fehlinterpretiert werden.
  2. Gebete und Beschwörungen:
    Der „Dämon“ wird angesprochen und zum Verlassen aufgefordert. Die Anrede und Aufforderung an einen vermeintlichen Dämon, den Körper zu verlassen, basiert auf der Annahme, dass Dämonen existieren und ansprechbar sind. Aus naturalistischer Sicht ist dies eine psychologisch aufgeladene Interaktion, die bei Betroffenen suggestive Effekte hervorrufen kann, aber keine Grundlage in nachweisbaren Phänomenen hat.
  3. Verwendung heiliger Symbole:
    Das Kreuz, Weihwasser oder religiöse Reliquien sollen den Dämon abschrecken. Solche Symbole wirken eher auf den Glauben der Beteiligten als auf eine externe Kraft. Ihre Wirkung ist rein psychologisch und zeigt die Macht von Suggestion und ritueller Dramaturgie.
  4. Abschluss:
    Der Exorzismus endet, wenn der Dämon den Körper verlässt – sichtbar durch das Nachlassen der Symptome. Allerdings könnte dies auf psychische Mechanismen wie den Placebo-Effekt, Druck zur Anpassung oder schlicht auf eine natürliche Schwankung der Symptome zurückzuführen sein. In keinem Fall liefert der Abschluss einen Beweis für das tatsächliche Vorhandensein eines Dämonen.

Zusammenfassend erscheint der Exorzismus als ritualisierte Therapieform ohne objektive Grundlage, die potenziell gefährlich sein kann, da sie echte medizinische und psychologische Hilfe verzögert oder verhindert.

Kleiner und großer Exorzismus

Der Unterschied zwischen dem großen und dem kleinen Exorzismus liegt vor allem im Zweck und in der formellen Durchführung.

Großer Exorzismus

Der große Exorzismus, auch als „großer Befreiungsritus“ bezeichnet, richtet sich an Personen, die als von Dämonen besessen gelten.

Er wird von einem speziell autorisierten Priester durchgeführt und folgt einem festgelegten Ritual, das im Rituale Romanum und seit 1999 im aktualisierten Leitfaden der katholischen Kirche beschrieben ist.

Hierbei werden intensive Gebete, Beschwörungen und Symbole wie das Kreuz und Weihwasser verwendet, um den Dämon aus der besessenen Person zu vertreiben, siehe obiger Absatz.

Kleiner Exorzismus

Der kleine Exorzismus hingegen wird routinemäßig bei Taufzeremonien angewandt.

Er dient dazu, den Täufling symbolisch von der „Macht des Bösen“ zu befreien und für das Leben im Glauben zu stärken.

Während der große Exorzismus selten und außergewöhnlich ist, gehört der kleine Exorzismus zum Alltag kirchlicher Rituale und hat einen weniger dramatischen, rein „präventiven“ Charakter.

Exorzismus im Film

Exorzismus ist ein beliebtes Thema im Film, da es die Faszination für das Übernatürliche mit tief sitzenden Ängsten vor dem Unbekannten verbindet. 

Ein Meilenstein ist der Klassiker Der Exorzist (1973), der die Geschichte eines jungen Mädchens erzählt, das von einem Dämon besessen ist, und die dramatischen Versuche eines Priesters, diesen zu vertreiben. 

Filme wie Der Exorzismus von Emily Rose (2005) verknüpfen den Horror mit juristischen und moralischen Fragen, indem sie auf wahren Begebenheiten basierende Geschichten aufgreifen.

Auch Conjuring – Die Heimsuchung (2013) thematisiert Exorzismus, eingebettet in die Arbeit der berühmten Geisterjäger Ed und Lorraine Warren. 

Weitere Filme wie Das Ritual (2011) und The Pope’s Exorcist (2023) konzentrieren sich auf die inneren Konflikte der Exorzisten und bieten Einblicke in ihre Kämpfe mit Glauben und Skepsis.

Im asiatischen Kino gibt es ebenfalls spannende Beiträge, etwa den südkoreanischen Film The Priests (2015), der Exorzismus mit lokalem Aberglauben verbindet. Selbst in Komödien wie Scary Movie 2 (2001) wird das Thema parodiert, was die kulturelle Durchdringung des Motivs zeigt.

Exorzismus im Film dient dabei oft weniger der religiösen Reflexion, sondern vielmehr als Projektionsfläche für universelle Ängste, sei es vor dem Verlust der Kontrolle, vor unbekannten Mächten oder vor dem Kampf zwischen Gut und Böse.

Kritik und Gefahren des Exorzismus

Exorzismus steht häufig in der Kritik, insbesondere, wenn medizinische und psychologische Aspekte ignoriert werden. 

Fälle, in denen Menschen während eines Exorzismus zu Schaden kamen (zum Beispiel Todesfälle in Frankfurt 2015 oder der Fall der Anneliese Michel, zeigen die Gefahren, die ein solcher Glaube bergen kann. 

Psychologen warnen vor Traumatisierungen durch Exorzismen, die oft unter extremem Druck und in isolierenden Umgebungen durchgeführt werden.

Weblinks Exorzismus

Exorzismus – zwischen Glauben, Kultur und Wissenschaft

Der Exorzismus bleibt aus wissenschaftlicher Sicht ein äußerst fragwürdiges Phänomen. Ihm fehlt eine objektive Fundierung, er spielt mit Ängsten der Menschen und bewegt sich auf einer bedenklichen Gratwanderung zwischen psychischen Erkrankungen und vermeintlicher Besessenheit. 

Sind nicht die eigentlich „Besessenen“ oder Wahnsinnigen diejenigen, die ohne Beleg an übernatürliche Monster und irgendwelche Voodoo-Kräfte glauben? Was denkst du?

Dämonen: Besessenheit und Exorzismus in der Geschichte Österreichs
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