Der gespaltene Mond aus dem Koran ist aus wissenschaftlicher Sicht ein Fehler

Fehler im Koran: Wissenschaftliche Irrtümer im „unfehlbaren“ Buch

Der Koran, so behaupten seine gläubigsten Verehrer gern, sei das wortwörtliche, fehlerfreie Wort Gottes. Herabgesandt an einen Analphabeten im 7. Jahrhundert, und trotzdem angeblich randvoll mit Erkenntnissen, für die die Menschheit noch Jahrhunderte brauchen sollte. 

Embryologie, Astronomie, Geologie: Alles schon drin, alles schon Mohammed bekannt, lange bevor Mikroskop, Teleskop oder Seismograph erfunden wurden. Klingt nach einem ziemlich guten Argument für göttliche Herkunft, oder? Übernatürliche Weisheit in Buchform, Gott als wissenschaftlicher Ghostwriter?

Klingt aber auch nach Bestätigungs-Bias. Wir halten deswegen nach Fehlern im Koran Ausschau. Sauber, textnah, mit Blick in die Verse, in die klassischen Tafsire (Exegese) und in das, was Biologie, Astronomie und Geologie tatsächlich sagen.

Der Koran: Eine Einführung
Hartmut Bobzin erläutert die Entwicklung, den Aufbau sowie die sprachliche und literarische Form des Korans [Anzeige]

Der Wissensstand des Korans – fehlerfrei? Nicht wirklich!

Und siehe da: Wo Apologeten „wissenschaftliches Wunder“ rufen, findet sich bei genauerem Hinsehen meist schlichtes Wissen der Spätantike – kein Wunder, entstand der Koran doch zwischen den Jahren 610 und 632. Das Problem sind die Fehler, die dieses spätantike Wissen nun einmal hatte. 

Es geht hier nicht um textimmanente Widersprüchlichkeiten, das haben wir bereits woanders aufgearbeitet. Lies hier weiter, wenn du die Widersprüche im Koran entdecken willst.

Es geht vielmehr um Aussagen, die schlicht der wissenschaftlichen Erkenntnis und damit der Wirklichkeit widersprechen. Ein Rundgang durch vier Klassiker der koranischen Faktenferne.

Biologie im Koran

Mit der Biologie gibt es einige Probleme im Koran. Wie bei allen nachfolgenden Beispielen gilt dabei: Was Kritiker als (biologischen, geologischen, kosmologischen, …) Fehler werten, interpretieren gläubige Muslime als Wunder oder Metapher.

Spinnenhäuser

Meist findet sich auch irgendeine harmonisierende Erklärung: Es war eine Metapher, gemeint ist etwas ganz anderes und so weiter. Doch sehen wir selbst.

Der Koran sagt etwa, Spinnen würden in Häusern wohnen, und diese seien besonders hinfällig und schwach. Kann man so sehen. Spinnenseide gehört allerdings zu den belastbarsten und reißfestesten Naturmaterialien der Erde – sie ist bezogen auf ihr Gewicht stabiler als Stahl und hochelastisch. Die Ausrede ist dann, dies sei sozial gemeint, das Haus der Spinne nicht fest, weil es hineinregnet etc.

Sprechende Ameisen

Sure 27, Vers 18 geht über den Propheten Salomo, der mit seinem Heer durch ein Tal zieht. Eine Ameise sagt daraufhin: „O ihr Ameisen, geht in eure Wohnungen hinein, damit Salomo und seine Heerscharen euch nicht zertreten, ohne dass sie es merken!“ Salomo, dem Gott die Sprache der Tiere beigebracht hat, versteht sie. 

Ich verzichte jetzt auf die detaillierte Erläuterung, warum Ameisen keine Stimmbänder besitzen und demnach keine lautbasierte Sprache wie Menschen beherrschen. Dass Ameisen durch das Aneinanderreiben von Körperteilen (Stridulation) akustische Signale (Vibrationen) erzeugen, mag für einige Apologeten als Ewundersame rklärung ausreichen. Einer kritischen Überprüfung hält das natürlich nicht stand.

Der sprechende Wiedehopf 

Auch in Sure 27, Verse 20–28 geht es um Salomo: Der Prophet vermisst einen Vogel, den Wiedehopf. Als dieser zurückkehrt, berichtet der Vogel Salomo in komplexen Sätzen von der Königin von Saba, dass ihr Volk die Sonne anstelle von Gott anbete.

Natürlich kann man es jetzt als gegeben hinnehmen, dass ein Vogel abstrakte theologische Konzepte (wie Monotheismus versus Götzendienst) analysieren und einem Menschen fehlerfrei melden kann. Theologen invozieren hier ein Wunder, das speziell Salomo gewährt wurde, um mit Tieren zu kommunizieren, und betrachten den Vogel als ein von Gott gelenktes Werkzeug. So lässt sich natürlich alles wegerklären.

Suren zur Embryologie 

Kaum ein Kapitel wird in der islamischen Apologetik so gern bemüht wie Sure 23. Dort beschreibt der Koran die Entwicklung des Menschen im Mutterleib in vermeintlich präzisen Phasen – vom Samentropfen über den Blutklumpen bis zum fertigen Geschöpf. 

Wir schufen den Menschen ja aus einem Auszug aus Lehm. Hierauf machten Wir ihn zu einem Samentropfen in einem festen Aufenthaltsort. Hierauf schufen Wir den Samentropfen zu einem Anhängsel [Blutklumpen], dann schufen Wir das Anhängsel zu einem kleinen Klumpen, dann schufen Wir den kleinen Klumpen zu Knochen, dann bekleideten Wir die Knochen mit Fleisch. Hierauf ließen Wir ihn als eine weitere Schöpfung entstehen. Segensreich ist Allah, der beste Schöpfer.
Sure 23, 12–14

Mediziner wie der französische Chirurg Maurice Bucaille erklärten das jahrzehntelang zum embryologischen Volltreffer. Schaut man jedoch nicht auf die Nacherzählung, sondern auf den Originaltext, bröckelt das Wunder ziemlich zügig.

Der Blutklumpen, der nie einer war – Sure 23:14 unter dem Mikroskop

„Dann bildeten Wir den Tropfen zu einem Blutklumpen (‚alaqa); dann bildeten Wir den Blutklumpen zu einem Fleischklumpen“, heißt es in Sure 23:14. Das Problem: Einen Blutklumpen durchläuft die menschliche Embryonalentwicklung schlicht nicht. 

Nicht der „Samentropfen“ nistet sich in der Gebärmutter ein, sondern die Blastozyste am sechsten Tag nach der Befruchtung – ein Zellhaufen ganz ohne Blutgefäße, der mit einem Blutklumpen ungefähr so viel gemein hat wie ein Hefeteig mit einem Steak.

Mikroskopie einer Blastozyste
Der Koran kann offenkundig Blastozysten (im Bild fünf Tage alt) nicht von Spermien unterscheiden bzw. hat keine Ahnung von ihrer Existenz

Apologeten retten sich gern in die Mehrdeutigkeit des arabischen Wortes „alaqa“, das neben „Blutklumpen“ auch „Blutegel“ oder „hängendes Ding“ bedeuten kann. 

Praktisch, dieses Ausweichmanöver – nur hat schon der antike Arzt Galen (lebte etwa von 129–200) den Embryo mit exakt denselben Begriffen beschrieben, Jahrhunderte vor Mohammed. Wer hier ein Wunder sucht, findet vor allem eine Blaupause der hippokratisch-galenischen Medizin.

Knochen vor Fleisch? Warum die koranische Reihenfolge nicht stimmt

Weiter im Text: „Dann bildeten Wir aus dem kleinen Klumpen Knochen; dann bekleideten Wir die Knochen mit Fleisch.“ Erst Knochen, dann Fleisch – so will es der Koran. Nur: Die moderne Entwicklungsbiologie zeigt etwas anderes.

Muskelgewebe und Knochenanlagen entstehen weitgehend parallel und aus denselben mesodermalen Vorläuferzellen; von einer sauberen Erst-Knochen-dann-Fleisch-Abfolge kann keine Rede sein. 

Interessant ist zudem, was der Vers großzügig auslässt: die Eizelle etwa, ohne die überhaupt kein Blatozyt (s. o.) und damit auch kein Embryo entstünde, kommt im gesamten Passus schlicht nicht vor.

Wer als allwissender Schöpfer höchstpersönlich diktiert, wie der Mensch entsteht, dem hätte die Eizelle eigentlich auffallen müssen. Ist sie aber nicht. Weil der Text eben nicht aus göttlicher Warte geschrieben wurde, sondern aus der Perspektive spätantiker Medizin – mit deren Wissen und mit deren Lücken.

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Samenproduktion

In Sure at-Tariq (Der Nachtstern) heißt es, dass der Mensch aus einer Flüssigkeit erschaffen wurde, die „zwischen der Lendenwirbelsäule und den Rippen hervorgeht/entspringt“.

Das ist selbstverständlich unrichtig. Die Biologie zeigt glasklar, dass die eigentliche Produktion der Spermien in den Hoden stattfindet. Die anatomische Beschreibung im Korantext ist daher falsch.

Exegetisch versucht man sich so rauszureden, dass die embryonalen Ursprünge der Fortpflanzungsorgane (also auch der Hoden beim Mann) sich während der Entwicklung im Bauchraum in der Nähe der Nieren und der Wirbelsäule bilden, bevor sie sich absenken. Allerdings produzieren sie zu der Zeit natürlich keine Spermien. Ich überlasse das Urteil, ob die Sure so interpretiert werden soll, dir. 

Kosmologie im Koran: Sonnenuntergang, Himmelsdach und Sternenwerfer

Stößt schon die Embryologie des Korans an ihre Grenzen stößt, wird die Ignoranz beim physikalischen Weltbild und bei der Astrophysik des Korans nur allzu deutlich – mit einer Kosmologie, die eher an antike Mythologie erinnert als überhaupt an Physik. Das kennen wir schon aus der Schöpfungsgeschichte der Bibel – da ist auch alles unrichtig. Im Koran ist es keinen Deut besser.

Sonne, Himmel und Sterne spielen in etlichen Suren eine Rolle, die sich mit dem tatsächlichen Aufbau des Universums nur schwer vereinbaren lässt.

Beginnen wir mit dem, was nicht erwähnt wird: Galaxien. Diese absolut grundlegende Struktur der Astrophysik wird mit keinem Wort erwähnt. Weder, dass sich Sonne und Erde in der Milchstraße befinden, noch, dass wir eine Nachbargalaxie haben, noch, dass wir in der lokalen Gruppe sind. Von all dem weiß der Koran nichts.

Die Sonne versinkt im Schlammloch – Sure 18:86 und Dhul-Qarnain

In Sure 18:86 erreicht der Held Dhul-Qarnain den „Ort des Sonnenuntergangs“ und findet dort: Die Sonne, wie sie in einer schlammigen, teils sogar als „heiß“ übersetzten Quelle versinkt. 

Hier entsteht Problem astronmischer (im Wortsinn) Größe. Denn die Sonne hat keinen „Ort“, an dem sie untergeht. Je nach Aufenthaltsort des Betrachters dreht sie sich beim Sonnenuntergang einfach durch die Erdrotation aus dem Blickfeld. Das wissen heute selbst Kindergartenkinder.

Die Sonne ist rund 150 Millionen Kilometer entfernt und ca. 109-mal größer im Durchmesser als die Erde (Volumen ist 1,3 Millionen mal größer). Von einem irdischen Tümpel „verschluckt“ werden kann sie schon aus Platzgründen nicht. 

Ein zugehöriger Hadith bei Abu Dawud verschärft die Sache noch: Dort berichtet Mohammed höchstpersönlich, die Sonne gehe „in einer warmen Quelle“ unter – als reale Beobachtung, nicht als Metapher. 

Muslimische Ausleger versuchen die Stelle heute gern als subjektiven Eindruck des Dhul-Qarnain umzudeuten, er habe eben nur den Anschein beschrieben. Nett gedacht, nur erzählt der Koran diese Episode konsequent aus der Perspektive Allahs („Wir sprachen …“), nicht aus der des Helden. Wenn schon der Erzähler selbst der Verwirrung erliegt, wird es mit dem göttlichen Ursprung eng.

Der Himmel als Dach und die Dschinn-Abwehr mit Sternschnuppen

Sure 21:32 beschreibt den Himmel als „wohlgeschütztes Dach“, Sure 78:6-7 die Erde als „Lager“ mit festen Bergen als Verankerung – ein Bild, das sich wortgleich schon in Psalm 104 findet, Jahrhunderte vor dem Koran: „Du spannst den Himmel aus wie ein Zelt.“ 

Himmelszelt nach einer Beschreibung des Korans mit Pflöcken
Wie muss man sich das Himmelszelt vorstellen? Unsere KI-Interpretation hat wohl beim Münchener Olympiastadion abgekupfert

Originell ist an der koranischen Kosmologie also vor allem, wie treu sie die Vorstellungswelt der Nachbarreligionen kopiert – flache Erde unter einer festen Himmelskuppel, gestützt von Bergen wie Zeltpflöcken. Blöd nur, dass das den realen Verhältnissen im Kosmos überhaupt nicht entspricht. 

Noch deftiger wird es in Sure 72 und 67: Dort erklärt der Koran Sternschnuppen zu Geschossen, mit denen Dschinn abgewehrt werden, die versuchen, am Himmelsrand Gespräche der Engel zu belauschen. 

Sternschnuppen sind, wie die Wissenschaft seit dem 19. Jahrhundert weiß, winzige Meteoroiden, die in der Erdatmosphäre verglühen – kein kosmisches Flakfeuer gegen neugierige Geisterwesen. Wer hier ein „wissenschaftliches Zeichen“ entdecken will, muss schon sehr viel Fantasie mitbringen. Oder sehr wenig Physik.

Mond leuchtet bzw. ist gespalten

Laut Sure 54:1 ist der Mond gespalten. Dafür gibt es keinerlei Evidenz

Der gespaltene Mond aus dem Koran ist aus wissenschaftlicher Sicht ein Fehler

Auch Sure 10:5 erwähnt den Mond und bezeichnet diesen als Licht, was fälschlicherweise suggeriert, er sende selbst Licht aus. Selbst wenn man sich über die Formulierung streiten kann und ein gewisser Interpretationsspielraum da ist, ist doch auch die mangelnde Klarheit bemerkenswert: Der Koran könnte ja auch angeben, dass das Mondlicht reflektiertes Sonnenlicht ist. Das tut er aber nicht.

Diese Art von unspezifischer Beschreibung macht eine Korankritik so schwierig: Die Sonne als „Leuchte“ zu bezeichnen, ist vereinfacht nicht ganz falsch, entspricht aber natürlich in keinem Fall auch nur grundlegenden wissenschaftlichen Anspruch. Diese Metaphorik ist einerseits irreführend,andererseits bietet sie Apologeten genug Wiggle Room für eine Harmonisierung. 

Falls dich noch mehr Beispiele interessieren, gibt es hier bei Reddit eine Liste von 50 kritischen Stellen des Korans. 

Geographie und Geologie im Koran: von Bergen und Pflöcken

Kaum ein Vers wird in populärer Islam-Apologetik so ausgiebig gefeiert wie die Beschreibung der Berge als „Pflöcke“. 

Das Argument: Der Koran habe schon im 7. Jahrhundert gewusst, was die moderne Geologie erst 1865 entdeckte – dass Berge tiefe „Wurzeln“ besitzen. Ein näherer Blick lohnt sich, denn hier wird munter Korrelation mit Kausalität verwechselt.

„Awtad“ – die Pflock-These und was Geologen tatsächlich sagen

„Haben Wir nicht die Erde zu einem Lager gemacht, und die Berge zu Pflöcken (awtad)?“, fragt Sure 78:6-7. 

Tatsächlich reichen die Wurzeln mancher Gebirge, geologisch „Wurzelzonen“ genannt, deutlich tiefer als die sichtbare Erhebung. Nur: Das ist keine Beschreibung, die ein Beobachter im 7. Jahrhundert unmöglich hätte treffen können. 

Das Bild des Pflocks – etwas, das oben klein herausragt und unten tief verankert ist – ist eine naheliegende Alltagsmetapher, keine Fachkenntnis über Isostasie oder Plattentektonik. 

Und die Behauptung, die Theorie „tiefer Bergwurzeln“ sei erst 1865 durch George Airy entdeckt worden, taugt auch nicht als Beleg für ein Wunder: Vor der Entdeckung einer Sache über sie zu reden bedeutet nicht, sie bereits verstanden zu haben. Sonst wäre auch jeder, der je „die Erde ist rund wie ein Ball“ sagte, ein antiker Geophysiker gewesen.

Warum Berge keine Erdbeben verhindern

Der eigentliche Knackpunkt liegt woanders: Sure 16:15, 21:31 und 31:10 behaupten übereinstimmend, Berge seien dazu da, die Erde vor dem „Wanken“ – gemeint sind Erdbeben – zu bewahren. Das ist ziemlich genau das Gegenteil dessen, was die Plattentektonik lehrt. 

Gebirge wie der Himalaya oder die Anden entstehen überhaupt erst durch die Bewegung tektonischer Platten – sie sind also Symptom des geologischen „Wackelns“, nicht dessen Gegenmittel. 

Und Erdbeben? Ereignen sich gerade in Gebirgsregionen besonders häufig, siehe Anden, Himalaya oder das türkisch-iranische Bergland. Wer Berge als Erdbebenschutz verkauft, hätte den Bewohnern von Kathmandu oder Antakya gern mal erklären dürfen, warum es sie dann trotzdem so heftig erwischt hat.

Geschichtliche Anachronismen im Koran: Haman, Samariter und Co.

Neben naturwissenschaftlichen Fehlern leistet sich der Koran auch handfeste historische Aussetzer – Figuren und Institutionen, die schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort auftauchen. 

So etwas nennt man einen Anachronismus. Wir kennen sie auch aus der Bibel, wo etwa bei der Frage nach der Historizität Abrahams in Genesis Kamelkarawanen behauptet werden, welche aber erste rund 1.000 Jahre später archäologisch dokumentiert sind. Für Texte, die sich selbst als zeitlose, direkte Offenbarung verstehen, sind Anachronismen sehr unglückliche Details.

Haman bei Pharao – 900 Jahre zu früh am falschen Hof

Sure 28:38 lässt den Pharao seinen Minister Haman anweisen, Ziegel zu brennen und einen Turm zu errichten, um zum „Gott des Mose“ hinaufzuschauen. 

Problem: Haman ist historisch bezeugt, allerdings nicht am Hof eines ägyptischen Pharaos, sondern gut 900 Jahre später als Widersacher der Juden im persischen Reich, bekannt aus dem biblischen Buch Ester. 

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Muslimische Apologeten verweisen gern auf einen Türpfosten im Wiener Kunsthistorischen Museum, auf dem angeblich ein ägyptischer „Haman“ als Amun-Priester erscheine. Ägyptologen der Universität Leipzig und der Freien Universität Berlin haben diese Lesart allerdings zerlegt: Der fragliche Name lautet korrekt „Hemen-hetep“, benannt nach der Gottheit Hemen – und das anlautende „H“ entspricht phonetisch gar nicht dem „H“ in „Haman“. 

Aus einem zufälligen Gleichklang wird so schnell ein Wunschbeweis. Der Koran hat, ganz offensichtlich, eine biblische Randfigur aus dem persischen Kontext in die Mose-Erzählung hinübergezogen – ein klassischer Ausrutscher einer literarischen Konstruktion, kein verstecktes Geschichtswissen.

Der Samariter zur Zeit Moses – ein Volk, das es noch nicht gab

Noch deutlicher wird der Anachronismus in Sure 20:85-88: Dort verführt „der Samariter“ die Israeliten zur Anbetung des Goldenen Kalbs, während Mose auf dem Berg weilt.

Nur: Das Volk der Samaritaner entstand frühestens im 8. Jahrhundert vor Christus, im Zuge der assyrischen Eroberung Nordisraels und der Vermischung mit fremden Siedlern – die namensgebende Stadt Samaria selbst wurde erst um 876 v. Chr. gegründet. Mose hingegen wird, je nach Datierung, ins 13. bis 15. Jahrhundert vor Christus verortet.

Einen Samariter zur Zeit des Auszugs aus Ägypten zu platzieren, ist ungefähr so, als würde man in einer Erzählung über Karl den Großen von einem Facebook-Post berichten. Es geht einfach zeitlich nicht auf – und keine noch so kreative Übersetzung rettet diese Verse vor der Chronologie.

Fazit: Ja, der Koran enthält Fehler

Was bleibt also von den „wissenschaftlichen Wundern“ des Korans, wenn man sie nicht durch die rosarote Brille der Apologetik, sondern durch das nüchterne Raster von Biologie, Astronomie, Geologie und Geschichtswissenschaft betrachtet? Ziemlich wenig. 

Was bleibt, ist ein Text seiner Zeit: geprägt von galenischer Medizin, altorientalischer Kosmologie und biblischen Stoffen, die mal mehr, mal weniger sorgfältig verarbeitet wurden. 

Das macht den Koran als religionsgeschichtliches Dokument nicht uninteressant – wohl aber als vermeintlichen Beweis für göttliche Autorschaft unglaubwürdig. Wer im 7. Jahrhundert schreibt, sollte nicht behaupten, im 21. Jahrhundert recht zu behalten.

Quellen (Auswahl):

FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Fehlern im Koran

Gibt es wissenschaftliche Fehler im Koran?

Ja. Mehrere Koranstellen zu Embryologie, Astronomie und Geologie widersprechen dem heutigen Forschungsstand – etwa die Beschreibung eines „Blutklumpens“ im Mutterleib oder der Sonne, die in einer Schlammquelle untergeht. Diese Aussagen lassen sich mit modernem Wissen nicht in Einklang bringen, unabhängig davon, wie sie ausgelegt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Widersprüchen und Fehlern im Koran?

Widersprüche bezeichnen Stellen, die sich innerhalb des Korans selbst gegenseitig ausschließen, etwa unterschiedliche Angaben zur Schöpfungsdauer. Fehler im hier beschriebenen Sinn sind Aussagen, die zwar in sich konsistent sein können, aber der nachprüfbaren, wissenschaftlichen Realität widersprechen – etwa die Behauptung, Berge würden Erdbeben verhindern.

Was entgegnen muslimische Apologeten den genannten Beispielen?

Häufig wird auf sprachliche Mehrdeutigkeit verwiesen, etwa dass „alaqa“ auch „Blutegel“ statt „Blutklumpen“ bedeuten könne, oder Verse werden nachträglich metaphorisch statt wörtlich gedeutet. Problematisch daran: Diese Umdeutungen erfolgen meist erst, nachdem die betreffende wissenschaftliche Erkenntnis bereits bekannt war – ein klassisches Muster nachträglicher Anpassung statt tatsächlicher Vorhersage.

Ist die Embryologie im Koran wissenschaftlich korrekt?

Nein. Die in Sure 23 beschriebene Abfolge – Samentropfen, Blutklumpen, Fleischklumpen, dann Knochen, dann wieder Fleisch – entspricht nicht der modernen Entwicklungsbiologie. Sie folgt stattdessen weitgehend den Phasenmodellen der antiken griechischen Medizin nach Galen und Hippokrates.

Warum verhindern Berge laut moderner Geologie keine Erdbeben?

Berge entstehen überhaupt erst durch die Bewegung tektonischer Platten – sie sind also eher Folge als Verhinderer geologischer Aktivität. Erdbebenreiche Regionen wie der Himalaya oder die Anden zeigen das deutlich: Gebirge schützen nicht vor Erdbeben, sie sind vielfach Zentren seismischer Aktivität.

Was bedeutet der Haman-Anachronismus im Koran für die Historizität des Textes?

Der Koran verortet die biblische Figur Haman, die eigentlich rund 900 Jahre später am persischen Hof auftritt, fälschlich am Hof des ägyptischen Pharaos zur Zeit Moses. Ägyptologische Untersuchungen eines oft als „Beweis“ angeführten Wiener Türpfostens konnten diese Verortung nicht stützen, sondern widerlegten die entsprechende phonetische Gleichsetzung.

Koran und moderne Wissenschaft: Vereinbar oder unvereinbar?
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