Karneval, das Fest der Narren: ein Fest voller Farben, Freude und Ausgelassenheit. Wusstest du, dass der Karneval zwar eine christliche Bedeutung hat, ursprünglich aber heidnischen Ursprungs ist?
Karneval ist also nicht nur, sich als Einstein zu verkleiden und sich in Köln, Düsseldorf oder Mainz volllaufen zu lassen, während man unbekannten Teufelinnen „Bützchen“ gibt.
Es steckt mehr dahinter: Karneval ist nicht nur ein kulturelles Phänomen, sondern hat auch eine Verwurzelung im Christentum, wenn auch nur über Umwege. Im Folgenden arbeiten wir diese heraus. Dazu beleuchten wir die historischen Ursprünge des Karnevals, seine Entwicklung im Kontext des christlichen Glaubens und seine symbolische Bedeutung im Jahreskreis der Kirche.
Wir erkunden, wie der Karneval im Laufe der Jahrhunderte interpretiert wurde und wie er heute in verschiedenen christlichen Gemeinschaften praktiziert und verstanden wird. Dazu fragen wir, ob ein treuer Christ überhaupt Fasching oder Karneval feiern darf.

Die Geschichte des Karnevals
Bedeutung des Karnevals für Christen: Fastenzeit ab Aschermittwoch
Der Kernpunkt: Der Karneval fällt im Kalender in die Zeit vor der christlichen Fastenzeit. Traditionell beginnt die Karnevalsaison am 11. November um 11:11 Uhr und erreicht ihren Höhepunkt in den Tagen vor dem Aschermittwoch, der den Beginn der Fastenzeit markiert.
Die intensivsten Feierlichkeiten finden üblicherweise zwischen dem Fettdonnerstag und dem Faschingsdienstag statt, der Tag vor Aschermittwoch. Hier wird auf die Pauke gehauen: Die Phase ist bekannt für ihre ausgelassenen Festlichkeiten und Umzüge, wobei der Rosenmontag in vielen Regionen, besonders im Rheinland, als der Höhepunkt des Karnevals gilt.
Napoleon hatte den Karneval verboten; nach dem Wiener Kongress kam er zurück. Der erste organisierte Karnevalsumzug fand am 10. Februar 1823 in Köln statt.

Karnevalsbräuche mit christlichem Bezug finden sich aber auch in anderen Ländern:
- Der Karneval in Rio de Janeiro (Brasilien) endet ebenfalls kurz vor der Fastenzeit, was den christlichen Brauch widerspiegelt, vor der Fastenperiode zu feiern.
- Der venezianische Karneval (Venedig/Italien), der auch vor der Fastenzeit stattfindet, hat seine Wurzeln genauso in christlichen Feierlichkeiten.
- Carnaval de Santa Cruz de Tenerife (Teneriffa/Spanien): Ähnlich wie in anderen Karnevalsfeiern, findet dieser kurz vor der Fastenzeit statt und markiert den Beginn der religiösen Besinnung.
Zwischen Feier und Fastenzeit: 40 Tage
Die symbolische Bedeutung des Karnevals im Jahreskreis der Kirche liegt also in seinem Zeitpunkt und seiner Funktion als Übergang zur Fastenzeit.
Die Fastenzeit ist für Christen eine Periode der Besinnung und des Verzichts, die an die 40 Tage erinnert, die Jesus Christus in der Wüste verbracht hat. Sie endet in der Osternacht, also der Nacht zum Ostersonntag. Die 40 Tage kennen wir als Zeiteinheit auch schon: In der Apostelgeschichte ist dies die Dauer zwischen Auferstehung und Himmelfahrt. (In den Evangelien werden hierfür aber andere Zeiträume angegeben!)
Allerdings haut das mit den 40 Tagen nicht so ganz hin: Von Aschermittwoch bis Ostersonntag sind es nämlich 46 Tage. Mit einem kleinen Taschenspielertrick, wie man ihn aus biblischen Zusammenhängen öfter kennt, kann man’s aber schönrechnen: Man zählt einfach die Sonntage nicht mit.
Christentum: Fastet da noch jemand?
Also dient der Karneval als letzte Ausgelassenheitsphase vor der ernsten und introspektiven Fastenzeit. Man kann also nochmal richtig auf den Putz hauen, bevor man in stiller Einkehr asketisch darbt – tut das eigentlich noch jemand?
Denn: Eigentlich sollten Christen ja in der Fastenzeit auf einiges verzichten, traditionell auf bestimmte Lebensmittel oder Genüsse. Der Verzicht kann Fleisch, Süßigkeiten, Tabak oder Alkohol einschließen.
Strenge Christen versagen sich auch Eier, Butter, Sahne, Milch und Käse. Im Mittelalter konnte sich übrigens die Befreiung von der Fastenzeit, der sogenannte Dispens, auch erkauft werden. Die katholische Kirche nahm diese „Spenden“ natürlich gerne an.

Darüber hinaus nutzen manche die Fastenzeit, um auf andere Gewohnheiten wie Fernsehen, soziale Medien oder andere Formen der Unterhaltung zu verzichten. Der Fokus liegt auf spiritueller Erneuerung, Selbstreflexion und der Vertiefung des Glaubens, oft begleitet von vermehrtem Gebet und Almosen. Dieser Verzicht soll an Jesu Fasten und Versuchung in der Wüste erinnern und die Gläubigen in ihrer spirituellen Disziplin stärken.
Zudem mag man noch anderes hineininterpretieren: So könnte die Abfolge von Feiern und Besinnung im Kirchenjahr den Zyklus von Tod und Auferstehung Jesu widerspiegeln – das zentrale Thema des christlichen Glaubens.
Darf ich als Christ Fasching feiern?
Ob du als Christ Fasching feiern darfst, hängt von deiner Überzeugung und der spezifischen Lehre deiner Kirche ab.
In einigen christlichen Konfessionen wird Fasching als eine kulturelle und gesellschaftliche Feier akzeptiert, solange sie im Einklang mit den christlichen Werten steht. Also saufe schön besinnlich und schäme dich heimlich dabei!
Es gibt jedoch auch strengere christliche Gruppen, die das Feiern von Fasching aufgrund der damit verbundenen Exzesse und weltlichen Ausrichtung ablehnen.
Karnevalsbräuche und ihre christliche Bedeutung: „Der Nubbel war’et schuld!“
Einige konkrete Karnevalsbräuche mit Bezug zum Christentum sind:
- Ende am Aschermittwoch: Der Karneval endet traditionell am Aschermittwoch, der den Beginn der christlichen Fastenzeit markiert. Es gibt auch ein Fischessen, das diesen Beginn der Fastenperiode symbolisiert, in der traditionell auf Fleisch verzichtet wird.
- Fastnachtsumzüge: Diese Umzüge, die oft am Rosenmontag stattfinden, können Szenen aus der Bibel oder christliche Motive darstellen.
- Karnevalspredigten: In manchen Regionen werden spezielle „Karnevalspredigten“ gehalten, die oft humorvoll auf gesellschaftliche und kirchliche Themen eingehen und zur Reflexion anregen.
- Verbrennung des „Nubbel“: In einigen Regionen wird am Ende des Karnevals symbolisch eine Puppe verbrannt, was als Symbol für die Sünden des vergangenen Jahres und die anschließende Reinigung in der Fastenzeit gesehen werden kann.

Historische Ursprünge des Karnevals
Die historischen Ursprünge des Karnevals reichen weit zurück und sind eng mit den Jahreszeiten und landwirtschaftlichen Zyklen verbunden. Ursprünglich waren es heidnische Feste wie die Saturnalien im alten Rom oder Frühlingsfeste, die das Ende des Winters feierten.
Mit der Ausbreitung des Christentums in Europa wurden diese heidnischen Bräuche allmählich in das christliche Jahr integriert, wobei der Karneval als Zeit der Ausgelassenheit und des Überflusses vor der Fastenzeit etabliert wurde. Diese Zeit des Feierns und der Freude sollte die Gläubigen auf die kommende Zeit der Askese und des Verzichts während der Fastenzeit vorbereiten.
Erst im Mittelalter entwickelte sich der Karneval in Europa zu einem wichtigen Bestandteil des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens, oft begleitet von Maskenbällen, Umzügen und Theateraufführungen. Diese Feste boten eine Gelegenheit für die Menschen, soziale Normen vorübergehend zu umgehen und sich in einer Welt der Umkehrung und des Spiels zu verlieren. Bisschen Spaß braucht ja schließlich jede*r mal.
Ursprung und frühe Entwicklung
Der Ursprung des Karnevals lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. Ursprünglich waren es heidnische Feste, die mit dem Rhythmus der Jahreszeiten und der landwirtschaftlichen Zyklen verbunden waren. Im Zentrum stand das anstehende Ende des Winters und der Beginn des Frühlings.
Besonders bekannt sind die Saturnalien im alten Rom, ein Fest der Umkehrung sozialer Ordnungen und der feierlichen Ausgelassenheit.
Karneval im mittelalterlichen Christentum
Als das Christentum in Europa Fuß fasste, wurden viele dieser heidnischen Bräuche in den christlichen Kalender integriert. Das kennen wir bereits von der Adventszeit, Weihnachten und der Karwoche.
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Zu diesen Bräuchen gehören zum Beispiel:
- Kostüme und Masken:
Der Glaube, dass Verkleidungen böse Geister oder Unglück abwehren können, ist in vielen Regionen verbreitet, so gibt es zum Beispiel in Österreich die „Perchten“. Das sind grimmige und furchteinflößende Verkleidungen, die mit ihren Ketten, Gewändern und Ratschen böse Geister vertreiben sollen.

- Vertreibung des Winters:
In manchen Regionen gibt es Karnevalsbräuche, die symbolisch den Winter vertreiben und den Frühling willkommen heißen sollen. - Glücksbringer:
Manche Traditionen beinhalten spezielle Rituale oder Glücksbringer, die Glück und Gesundheit im kommenden Jahr sichern sollen. - Feiern zur Wintersonnenwende:
Sie markieren den Beginn des Frühlings. - Julfest
- Rauhnächte („Wilde Jagd“)
Eine Erinnerung an nordische Mythen und Jagdtreiben übernatürlicher Reiter

- Sankt-Martins-Umzug
Auch die Geschichte des Heiligen Martins ist mit solchem Brauchtum verbunden; bedeutsam hier der Pelzmantel - Knecht Ruprecht/Krampus
Der Karneval entwickelte sich somit als eine Zeit des Feierns vor der Fastenzeit. Diese Transformation des Karnevals in ein christliches Fest fand im Mittelalter statt und markierte den Beginn seiner Entwicklung zu dem, was wir heute kennen: eine Periode des Ausgelassenseins und des Feierns, die der strengen Fastenzeit vorausgeht.
Im Mittelalter wurde der Fasching auch genutzt, um sich von den strengen kirchlichen Vorschriften und sozialen Hierarchien des Ständesystems zeitweise zu befreien. Der Karneval diente als eine Art Ventil, durch das die Menschen Spannungen abbauen und die gesellschaftlichen Normen umkehren konnten.
Maskenbälle, Theateraufführungen und Umzüge waren typische Elemente des mittelalterlichen Karnevals, wobei oft humorvoll Kritik an Kirche und Adel geübt wurde. Es herrschte „Narrenfreiheit“ – zumindest bis zu einem gewissen Grad. So wurde der Karneval trotz seiner heiteren Natur auch zum Spiegel- und Zerrbild sozialer und religiöser Strukturen.

Symbolik und religiöse Bedeutung
Dieser Kontrast zwischen der Ausgelassenheit des Karnevals und der Stille der Fastenzeit symbolisiert den Übergang von irdischen Freuden zu spiritueller Besinnung. Denn: Die Fastenzeit erinnert an das Leiden und die Passion Christi, so zumindest in der Deutung des Katholizismus, der die heidnischen Ursprünge mittlerweile fast vollständig überlagert.
In vielen Traditionen stellt der Karneval eine Zeit dar, in der die üblichen sozialen Ordnungen und Normen auf den Kopf gestellt werden, was eine Form der Befreiung von den alltäglichen Zwängen bietet. Hochgestochen: Diese Umkehrung spiegelt in gewisser Weise die christliche Botschaft der Umkehr und der Hoffnung auf Erneuerung wider.
Die symbolische Bedeutung des Karnevals im Jahreskreis der Kirche liegt also in seinem Zeitpunkt und seiner Funktion als Übergang zur Fastenzeit. Eine weitere christliche Bedeutung des Karnevals ist das Spannungsfeld von Umkehrung und Erneuerung.
Fastenzeit und Karneval
Die Fastenzeit im Christentum ist eine 40-tägige Periode der Besinnung, des Gebets und des Verzichts, die an die 40 Tage erinnert, die Jesus in der Wüste fastend und betend verbrachte. Sie beginnt am Aschermittwoch und endet an Ostern.
Der Karneval, der unmittelbar vor der Fastenzeit stattfindet, steht in starkem Kontrast dazu. Er ist eine Zeit des Feierns und der Ausgelassenheit, in der traditionell die sozialen Normen und Einschränkungen gelockert werden. Der Karneval repräsentiert also eine letzte Phase des Genusses und der Freiheit, bevor die Zeit des Fastens und der Selbstreflexion beginnt.
Tolle Tage: Karneval in der modernen christlichen Praxis
Während in einigen modernen christlichen Gemeinschaften der Karneval weiterhin als eine Zeit des ausgelassenen Feierns vor der Fastenzeit gefeiert wird, haben andere Gemeinden den Fokus auf karitative Aktivitäten und Gemeinschaftsveranstaltungen gelegt. Es gibt eine Tendenz, den Karneval eher als kulturelles als ausschließlich als religiöses Fest zu betrachten. Dennoch bleibt in vielen Gegenden, insbesondere in traditionell katholischen Ländern, der spirituelle Aspekt des Karnevals als Vorbereitung auf die Fastenzeit und als Zeit der Umkehr und Reflexion relevant.
Fasching und Karneval: regionale Unterschiede und Traditionen
Fasching und Karneval, obwohl sie oft synonym verwendet werden, weisen regionale Unterschiede auf. In einigen Teilen Deutschlands und Österreichs bezeichnet „Fasching“ die traditionellen Feiern vor der Fastenzeit, während „Karneval“ hauptsächlich in Regionen wie dem Rheinland verbreitet ist.
In den verschiedenen Regionen Deutschlands und Österreichs gibt es eine Vielzahl von regionalen Bräuchen zum Karneval bzw. Fasching:
- In Österreich, besonders in Wien, sind elegante Bälle, wie der Wiener Opernball, eine traditionelle Form des Faschings.
- Der Karneval im Rheinland, vor allem in Köln, Düsseldorf und Mainz, ist bekannt für seine farbenfrohen Umzüge, Sitzungen und das traditionelle „Helau“ oder „Alaaf“.
- In Bayern findet man oft maskierte Bälle und Umzüge, bei denen traditionelle Figuren wie der „Schellenrührer“ auftreten.
- In Baden-Württemberg ist die „Fasnacht“ mit ihren charakteristischen Holzmasken und Umzügen, wie in Rottweil oder Villingen-Schwenningen, besonders beliebt.
- In Hessen, besonders in Frankfurt und Wiesbaden, gibt es Karnevalsumzüge und Kostümfeste.
- In Berlin wird Karneval eher als modernes Straßenfest mit multikulturellem Charakter gefeiert, bekannt als der „Karneval der Kulturen“. Trotzdem gibt es auch den “normalen” Karneval.
Kritische Betrachtung des Karnevals im Christentum
Eine kritische Betrachtung des Karnevals im Christentum bezieht sich auf die Spannung zwischen der oft ausgelassenen, weltlichen Feierlichkeit des Karnevals und den christlichen Werten der Mäßigung und Besinnlichkeit (LOL!).
Christliche Kritiker betonen, dass der Karneval zu Exzessen und Verhaltensweisen (die gefürchtete sexuelle Freizügigkeit und die etwas weniger gefürchtete Trunkenheit) führen kann, die mit christlichen Prinzipien in Konflikt stehen. Andererseits sehen Befürworter den Karneval als eine Möglichkeit der sozialen Entspannung und als eine kulturelle Tradition, die Freude und Gemeinschaft fördert.
Karneval als Spiegelbild gesellschaftlicher Werte?
Dient der Karneval als Spiegelbild gesellschaftlicher Werte und Normen? Ermöglicht er es den Menschen, durch Verkleidung und Rollenspiel gesellschaftliche Grenzen temporär zu überschreiten und Tabus zu hinterfragen? Das kann sein, obwohl es oft nur wie eine willkommene Gelegenheit wirkt, mal wieder richtig die Sau rauszulassen.

Eine kritische Funktion aber gibt es tatsächlich: Die Umzugswagen bei den Karnevalsumzügen sind mit Motivbildern gestaltet, die mit Kritik an der politischen und geistlichen Führung des Landes nicht sparen. Im obigen Bild etwa wird die reaktionäre Familienpolitik der katholischen Kirche mit der Hexenverbrennung des Mittelalters als „Traditionspflege“ in Verbindung gebracht.
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