Gottesbilder kann man auf zwei verschiedene Arten verstehen. Erstens ist ein Gottesbild ein Bildnis einer Gottheit, also ein Gemälde, eine Zeichnung oder eine sonstige grafische Darstellung eines Gottes.
In einem zweiten Sinn wird unter einem Gottesbild die Summe der Vorstellungen verstanden, die man einem Gott zuschreibt. Häufige Attribute sind hier (besonders im christlichen Verständnis) Allmächtigkeit, Allwissenheit und Allgüte.
Gottesbilder in der Kunst(geschichte)
Sakrale Kunst ist eines der interessantesten Ergebnisse – oder Erzeugnisse – des Glaubens. Die körperliche Darstellung von Gottheiten ist ein Inspirationsquell für alle gläubigen Menschen. Auch für viele Nichtgläubigen sind die Bilddarstellungen des Göttlichen von Faszination.
Im Christentum gibt es allein millionenfach Darstellungen von Jesus am Kreuz – aus Holz, aus Stein und auf Leinwand.
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Es gibt zahllose Facetten und Artefakte der Gottesbilder: von der antiken Skulptur über Plastiken bis hin zur eigentlich bildlichen Darstellung von Göttern in Gemälden, Zeichnungen und Skizzen.

Skulpturale Gottesbilder
Nicht wenige davon gehören zum Großartigsten, was Kunst in der Menschheitsgeschichte vollbracht hat – denken wir nur an Skulpturen wie…
- die Venus von Milo,
- David (von Michelangelo) oder
- die Christ-Erlöser-Statue in Rio de Janeiro.

(Bild: konfessionen.org)
Kirchenbilder
Besonders katholische Kirchen sind oft bis zum Rand vollgestopft mit Gemälden und Wandmalereien. Des Weiteren finden sich sakrale Kunst oder sakral inspirierte Bilder in so gut wie jedem Kunstmuseum der Welt.
Auch hierunter befinden sich Kunstwerke von Weltrang, etwa …
- Das letzte Abendmahl (Leonardo da Vinci)
- Die Erschaffung Adams (Michelangelo Buonarroti)
- Die Sixtinische Kapelle (Vatikan)
- Die Geburt der Venus (Sandro Botticelli)
- Der Garten der Lüste (Hieronymus Bosch)
- Die Sixtinische Madonna (mit den beiden Engeln, Raffael da Urbino)

Sakrale Architektur
Auch die Kirchen selbst stehen für die Verbreitung von Gottesbildern in der Kunstgeschichte. Zahlreiche Tempel, Synagogen, Moscheen, Kathedralen, Dome und Kirchen gehören zum Weltkulturerbe und stehen für jahrhundertealte Glaubenstraditionen und Religionszugehörigkeiten, die durch die Baukunst zu Stein geronnen sind. Eine Liste der Beispiele wäre endlos.
Hier einige bauliche Schmankerl:
- Parthenon (Athen)
- Große Synagoge (Budapest)
- Seiganto-ji-Tempel (Japan)
- Jain-Tempel (Ranakpur, Indien)
- Prambanan-Tempel (Yogyakarta)
- Kölner Dom
- Jame-Moschee (Isfahan)
- Hagia Sophia (Istanbul)
- St. Paul’s Cathedral (London)
- Basilika Sacré-Coeur de Montmartre (Paris)
- Mailänder Dom

Symbolische Bilder Gottes
Durch das alttestamentarische Bilderverbot kam es zu vielerlei symbolischen Darstellungen Gottes: Gott wird als Hand dargestellt, als „Alpha und Omega“ oder als Dreieck (oft mit Auge), der Heilige Geist des Christentums gerne als Taube.
Im Mittelalter häufen sich die personenhaften „naturalistischen“ Darstellungen Gottes (Jahwes) – das sprichwörtlich gewordene Gottesbild des „alten Mannes mit Bart“ wurde dadurch geprägt und ging ins kollektive Gedächtnis ein.

Bilderverbot im Judentum
Es gibt Religionen, bei denen die Abbildung der Gottheit tabu ist. Gottesbilder sind dort also verboten. Ein solches Bilderverbot gibt es beispielsweise im Judentum. Im Tanach wird unmissverständlich vorgeschrieben, keinerlei Gottesbilder anzufertigen – auch nicht von Jahwe.
„Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgend etwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.“
Exodus 20,4

Das Bilderverbot soll die Verehrung von Götzen verhindern und auch, dass Gläubige sich eine bestimmte Vorstellung von Jahwe machen. Falls man nämlich dann das Bild verehrt, wäre dies ebenfalls eine Art Götzenanbetung.
Den Autoren des Alten Testaments war dies sehr wichtig. Das Bilderverbot wird an mehreren Stellen wiederholt, besonders oft im Buch Deuteronomium (für die Interessierten: Dtn 5,8; Dtn 4,16f.; Dtn 4.23; Dtn 27,15). Auch in Levitikus (26,1) wird das Bilderverbot betont.
Bilderverbot im Islam
Im Islam gibt es ebenfalls ein Bilderverbot. Zwar verbietet der Koran die Gottesbilder nicht ausdrücklich, wohl aber gibt es Textstellen, die ihre Anbetung als Götzendienst verurteilen. Selbst nach Jahrhunderten von Kontroverse gibt es dazu keine einhellige Meinung. Fakt ist jedoch, dass im islamischen Sakralbau Abbildungen von Lebewesen äußerst selten sind.
„Und (gedenke,) als Abraham sprach zu seinem Vater Azar: ‚Nimmst du Bilder zu Göttern an? Siehe, ich sehe dich und dein Volk in offenkundigem Irrtum.’“
Sure 6, Vers 74
Deutliche Ablehnung der Gottesbilder kommt hingegen in den Hadithen zum Ausdruck. Hier gibt es verschiedene Ansichten darüber, ob nur die Verehrung der Bilder selbst (Fetisch) verboten sei, die Anfertigung von Skulpturen oder insgesamt jegliche Abbildung von Menschen oder Tieren.
Abbildungen von Allah und Mohammed
Die Darstellung Allahs ist grundsätzlich untersagt. Ob die Darstellung seines Propheten Mohammed erlaubt ist, wird unterschiedlich bewertet. Bilder des Mohammed sind jedenfalls sehr selten.

Gottesbilder in der Philosophie und Theologie
In der Religionsphilosophie und Theologie gibt es viele unterschiedliche Gottesbilder, die teils aufeinander aufbauen und mit etwas Zynismus als Plagiate voneinander angesehen werden können.
So lässt sich eine „Evolution“ des Gottesbildes in den abrahamitischen Religionen vom Judentum über zahllose Spielarten des Christentums (Dreifaltigkeitslehre) bis zum Islam und weiter zum Mormonentum etc. mit Leichtigkeit nachzeichnen.

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Die Geschichte des Gottesbildes in der Philosophie und Theologie
In der Welt der Philosophie und Theologie hat die Frage nach dem Gottesbild seit jeher die Gemüter bewegt. Die Geschichte dieser bedeutenden Auseinandersetzung mit der Vorstellung von Gott ist reich an Spannung, Kontroversen und tiefgreifenden Veränderungen.
In diesem Abschnitt werden wir einen Blick auf die Entwicklung des Gottesbildes in der Philosophie und Theologie werfen.
Gottesbilder von den Anfängen der Menschheit bis zur Antike
Die Vorstellung von Göttern und höheren Mächten ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon in den frühesten Zivilisationen finden sich Glaubenssysteme und Mythologien, die Götter und Göttinnen verehren. Die griechische Philosophie der Antike bot dann erstmals systematische Überlegungen zur Natur des Göttlichen.

Die monotheistischen Religionen
Mit dem Aufstieg des Judentums, Christentums und des Islam trat eine neue Phase in der Entwicklung des Gottesbildes ein. Diese monotheistischen Religionen lehrten, dass es nur einen einzigen Gott gibt, der allmächtig und allwissend ist. In der Theologie dieser Religionen entstanden komplexe Diskussionen über die Natur Gottes, seine Eigenschaften und seine Beziehung zur Welt.
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Das Mittelalter und die Scholastik
Das Mittelalter brachte eine Blütezeit der Theologie und Philosophie hervor, die als Scholastik bekannt ist. Hier wurden die Werke der antiken Philosophen, insbesondere Aristoteles, wiederentdeckt und in Einklang mit den religiösen Lehren gesetzt.
Große Denker wie Thomas von Aquin trugen zur Entwicklung des Gottesbildes bei, indem sie die Vernunft und den Glauben miteinander zu verbinden versuchten. Es ist die Zeit der „Gottesbeweise“.
Diese drei Bücher geben einen guten Einstieg in das Thema.
Mehr Bücher zum Thema Gottesbeweis
Die Aufklärung und die Kritik am Gottesbild
Mit der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert begann eine kritische Auseinandersetzung mit dem traditionellen Gottesbild. Philosophen wie Immanuel Kant forderten eine stärkere Betonung der Vernunft und hinterfragten die klassischen Argumente für die Existenz Gottes. Dies führte zu einer Debatte über den Glauben und die Rolle von Religion in der modernen Gesellschaft.
Gottesbilder und die Gottesfrage heute
Gibt es Gott? Heutzutage ist die Frage nach dem Gottesbild weiterhin nicht klar, aber dennoch von großer Bedeutung.
In einer zunehmend säkularisierten Welt gibt es weiterhin Gläubige, die ihr Gottesbild und den Theismus verteidigen, und Atheisten, die es ablehnen. Vielleicht ist es ja auch Zeit, die Gottesbilder ins Museum zu stellen – als „Sinnbilder“ unseres ersten Versuches, aus unserer Existenz einen Sinn abzuleiten.

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