In einer Welt, die trotz technologischer Quantensprünge und der Entschlüsselung des Genoms immer noch in weiten Teilen an den Lippen von selbsternannten Stellvertretern unsichtbarer Himmelswesen hängt, wirkt der säkulare Humanismus wie ein kühles Glas Wasser in einer staubigen Wüste aus Weihrauch und Dogmen.
Säkularer Humanismus ist nicht bloß eine philosophische Randnotiz, sondern das intellektuelle Fundament für all jene, die den Mut haben, ohne das mentale Geländer einer Religion durch das Leben zu gehen.
Während Theologen sich seit Jahrtausenden darin überbieten, die Lücken unseres Wissens mit „göttlichen Mysterien“ zu füllen, setzt der säkulare Humanismus dort an, wo die Beweise liegen: bei der Realität, der Wissenschaft und dem Menschen selbst.
Säkularisierung und Humanismus
Die Säkularisierung ist dabei kein bloßer Trend, sondern die logische Konsequenz der menschlichen Reifung. Soziologisch betrachtet beschreibt sie den fortschreitenden Rückgang der religiösen Autorität und die Ausdifferenzierung von Wertsphären, die mit religiösem Handeln schlichtweg nicht mehr kompatibel sind.
Wir befinden uns in einer Phase der Entzauberung, in der die Phantasieüberschüsse früherer Epochen zunehmend der Herrschaft des Verstandes weichen.
Wer heute noch behauptet, moralische Werte könnten nur von einem bärtigen Gesetzgeber im Wolkenkuckucksheim stammen, ignoriert nicht nur die Erkenntnisse der Evolutionsbiologie, sondern auch die historische Tatsache, dass Religionen oft genug die größten Hindernisse für den humanistischen Fortschritt waren.
Was ist säkularer Humanismus? Die Grundlagen
Um den säkularen Humanismus zu verstehen, muss man ihn zunächst von dem metaphysischen Ballast befreien, den Religionen gerne als „Sinn“ verkaufen.
Im Kern handelt es sich um eine naturalistische Weltanschauung. Das bedeutet schlicht und ergreifend: Es geht im Universum mit „rechten Dingen“ zu.
Es gibt keine Geister, keine Dämonen, keine Wunder und auch keine Götter, die mal eben die Naturgesetze außer Kraft setzen, weil jemand besonders inbrünstig gemurmelt hat. Diese Haltung ist keine bloße Meinung, sondern die einzige Position, die mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft vereinbar ist.
Alles, was ist, existiert auf natürlicher Basis und ist prinzipiell erforschbar.
Die philosophischen Grundlagen des Naturalismus und die Ablehnung des Übernatürlichen
Der säkulare Humanismus wurzelt in der Aufklärung. Er begreift den Menschen nicht als „gefallene Schöpfung“, sondern als aktiven Gestalter seiner Welt.
In dieser Perspektive sind wir kognitiv begabte Primaten, deren moralisches Kompassnadel-Zucken nicht von einer transzendenten Macht, sondern von Jahrmillionen der Evolution gesteuert wird.
Der Naturalismus, als das philosophische Rückgrat dieser Bewegung, lehnt die Existenz von übernatürlichen Wesenheiten nicht nur deshalb ab, weil sie unbewiesen sind, sondern weil sie für das Verständnis der Welt schlicht unnötig sind.
Gott ist eine überflüssige Hypothese, ein „Lückenbüßer“, der immer kleiner wird, je mehr das Licht der Wissenschaft die dunklen Ecken der Unwissenheit ausleuchtet.
Wissenschaftliche Redlichkeit verlangt, dass wir Aussagen über die Wirklichkeit an Belegen messen („Evidenzialismus“). Religiöse Behauptungen hingegen entziehen sich dieser Prüfung meist durch die Flucht ins Allegorische oder Metaphorische, sobald es brenzlig wird.
Der Humanist hingegen bleibt standhaft: Wenn es keine Beweise für eine Seele oder ein Jenseits gibt, dann ist es nur vernünftig, das Leben im Hier und Jetzt als das einzige und wertvollste Gut zu betrachten, das wir besitzen. Diese „Diesseitigkeit“ führt aber nicht etwa zu Nihilismus, sondern zu einer gesteigerten Verantwortung für das eigene Handeln und die Gesellschaft.
| Konzept | Religiöse Perspektive | Säkular-Humanistische Perspektive |
|---|---|---|
| Erkenntnisquelle | Offenbarung, heilige Schriften, Tradition | Wissenschaft, Vernunft, kritische Prüfung |
| Weltbild | Dualistisch (Diesseits / Jenseits) | Monistisch / Naturalistisch (Nur diese Welt) |
| Der Mensch | Diener Gottes, sündiges Wesen | Autonomes Individuum, lernfähiges Wesen |
| Naturverständnis | Schöpfung unter göttlicher Aufsicht | Resultat evolutionärer Prozesse |
| Zukunftshoffnung | Erlösung im Jenseits | Verbesserung des Lebens durch Fortschritt |
Wie lässt sich Ethik ohne Gott begründen und im Alltag leben?
Eine der hartnäckigsten religiösen Irrmeinungen ist die Behauptung, ohne göttliche Sanktionen würde die menschliche Zivilisation in einem blutigen Chaos versinken.

Wer das glaubt, unterstellt sich selbst eigentlich eine beängstigende moralische Insolvenz – als ob nur die Angst vor der ewigen Grillparty im Jenseits einen davon abhielte, seinen Nachbarn auszurauben.
Der säkulare Humanismus zeigt auf, dass Moral eine zutiefst menschliche Angelegenheit ist, die in unserer Biologie und Sozialität wurzelt.
Schlüsselwort Empathie
Unsere Fähigkeit zur Empathie ist keine Gabe des Himmels, sondern das Ergebnis unserer Evolution als soziale Spezies. Die Neurowissenschaften haben hierfür eine klare Erklärung: Spiegelneuronen.
Wir zucken zusammen, wenn wir sehen, dass sich jemand anderes verletzt, weil unser Gehirn den Schmerz des anderen simuliert. Diese biologische Verbindung ist die Basis für Liebe, Mitgefühl und Gerechtigkeit. Wir brauchen keine steinernen Tafeln vom Berg Sinai, um zu verstehen, dass Kooperation vorteilhafter ist als Aggression.
Eine vernunftbasierte Ethik orientiert sich an der Schadensvermeidung und der Förderung des Wohlbefindens für alle empfindungsfähigen Wesen. Das ist weitaus belastbarer als eine Willkürmoral, die auf den wechselhaften Launen antiker Wüstengötter basiert.
Sam Harris führt genau das in seinem Buch „The Moral Landscape“ („Die moralische Landschaft“) aus. Es wurde zu einem Klassiker des sogenannten Neuen Atheismus.

Säkularer Humanismus vs. Atheismus: Wo liegt der feine Unterschied?
Häufig werden die Begriffe Atheismus und säkularer Humanismus wie Synonyme durch den Raum geworfen, was jedoch die intellektuelle Tiefe der humanistischen Position verkennt.
Atheismus ist im Grunde genommen eine rein reaktive Position – er ist die Antwort auf die Behauptung, es gäbe einen Gott. Man könnte sagen, Atheismus ist das Nicht-Sammeln von Briefmarken als Hobby.
Säkularer Humanismus hingegen ist ein konstruktives Weltbild, das über das bloße „Nein“ hinausgeht und ein klares „Ja“ zum menschlichen Leben und zur Vernunft formuliert.
Warum ist Atheismus allein keine Weltanschauung?
Der Atheismus definiert sich durch das, was er ablehnt. Er bietet für sich genommen keine Anleitung für die Gestaltung eines Staates, keine Grundlage für ein Rechtssystem und keine Antwort darauf, wie wir unsere Kinder erziehen sollten.
Ein Atheist kann theoretisch alles Mögliche glauben, solange es kein Gott ist – von Astrologie bis hin zu kruden Verschwörungstheorien. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Der säkulare Humanismus ist zwingend an den Rationalismus und den wissenschaftlichen Naturalismus gebunden.
Der Humanist ist also fast immer auch Atheist oder zumindest Agnostiker, aber er bleibt dort nicht stehen. Er nutzt die durch den Wegfall religiöser Dogmen gewonnene Freiheit, um ein konsistentes System aus Werten und Erkenntnissen aufzubauen.
Der „neue Atheismus“, vertreten durch publikumswirksame Fürsprecher wie Christopher Hitchens, Richard Dawkins oder Sam Harris, ist für seine scharfzüngige Kritik am Glauben bekannt.
Klicke auf die Bücher für weitere Infos [Anzeige]
Der organisierte Humanismus geht einen Schritt weiter und arbeitet darauf hin, säkulare Alternativen zu kirchlichen Strukturen zu schaffen – von der Wiege bis zur Bahre. Es geht nicht nur darum, dass Gott nicht existiert, sondern darum, was wir tun, weil er nicht existiert.
| Merkmal | Atheismus | Säkularer Humanismus |
|---|---|---|
| Kernaussage | Es gibt keinen Beweis für Gott / Götter. | Der Mensch gestaltet seine Welt rational. |
| Struktur | Meist eine individuelle Überzeugung. | Organisierte Weltanschauungsgemeinschaft. |
| Wertesystem | Nicht implizit definiert. | Basierend auf Menschenrechten und Empathie. |
| Fokus | Kritik an religiösen Wahrheitsansprüchen. | Praktische Lebensgestaltung und Politik. |
| Ziel | Aufklärung über religiöse Irrtümer. | Humanisierung aller Lebensbereiche. |
Wie gehen Humanisten mit der Sinnsuche ohne Religion um?
Die Frage nach dem „Sinn des Lebens“ ist oft die letzte Bastion, in die sich Religionsvertreter zurückziehen, wenn ihnen die Argumente ausgehen. Sie behaupten, das Leben ohne Gott sei eine trostlose Angelegenheit.
Doch wer braucht schon einen vorgekauten „Sinn“ von einem kosmischen Diktator, wenn er die Freiheit hat, seinem Leben selbst Bedeutung zu verleihen? Säkularer Humanismus versteht Sinn als eine menschliche Kategorie. Wir finden Sinn in der Liebe, in der Entdeckung der Welt, in der Solidarität mit anderen und im Kampf für eine gerechtere Gesellschaft.
Der evolutionäre Humanismus fügt dem noch eine planetare Perspektive hinzu: Wir sind Teil eines gigantischen, Milliarden Jahre alten Prozesses. Unsere Verantwortung gilt nicht nur uns selbst, sondern auch künftigen Generationen und der Erhaltung der ökologischen Grundlagen.
Anstatt auf ein Jenseits zu vertrösten, das die Ungerechtigkeiten des Diesseits heilen soll, fordern Humanisten Gerechtigkeit hier und jetzt. Das ist ein weitaus heroischerer und ehrlicherer Ansatz als die religiöse Hoffnung auf eine postmortale Wiedergutmachung, für die es keinerlei Evidenz gibt.
Die organisierte Aufklärung: wichtige Verbände im DACH-Raum
Wer glaubt, Humanisten seien nur einsame Wölfe in ihren Elfenbeintürmen, der irrt gewaltig. Im deutschsprachigen Raum hat sich eine lebendige Landschaft an Organisationen entwickelt, die den konfessionsfreien Bürgern eine Stimme geben und den säkularen Staat verteidigen.
Säkularer Humanismus in Deutschland
Diese Verbände übernehmen Aufgaben, die früher fast ausschließlich in kirchlicher Hand lagen, und beweisen täglich, dass man für soziale Fürsorge und Gemeinschaft kein Weihwasser braucht.
Die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs)
In Deutschland ist die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) die wohl profilierteste Denkfabrik für den evolutionären Humanismus. Gegründet im Jahr 2004, hat sie es geschafft, die religionskritische Debatte in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.
Mit Projekten wie dem „Institut für Weltanschauungsrecht“ (ifw) kämpft sie gegen die verkrusteten Privilegien der Kirchen im deutschen Rechtssystem, etwa beim kirchlichen Arbeitsrecht oder dem staatlichen Inkasso der Kirchensteuer.
Die gbs ist bekannt für ihre pointierte, oft provokante Kritik und ihre Unterstützung von Persönlichkeiten, die sich weltweit gegen religiöse Unterdrückung einsetzen.
Alibri-Verlag
Die Giordano-Bruno-Stiftung gibt im Alibri-Verlag eine eigene Schriftenreihe heraus, zudem förderte die gbs das Erscheinen humanistischer, religionskritischer Bücher (etwa das „Manifest des evolutionären Humanismus“ oder das Kinderbuch „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel.

Der Alibri-Verlag publiziert seit über 20 Jahren Texte von Autor*innen, die für Selbstbestimmung, Emanzipation, Aufklärung und Wissenschaft eintreten und sich für einen säkularen, solidarischen und rationalen Blick auf die Welt stark machen. Im Programm finden sich politische Sachbücher, philosophische Essays, wissenschaftliche Literatur und Kinderbücher. Mit dem im Alibri-Verlag erschienenen Karikaturisten Rolf Heinrich führten wir 2025 ein Interview.
Humanistischer Verband Deutschlands (HVD)
Ein weiterer großer Akteur ist der Humanistische Verband Deutschlands (HVD). Während die gbs eher als intellektuelle Speerspitze fungiert, ist der HVD ein praktischer Dienstleister.
Er ist Träger von Kindergärten, Schulen und bietet mit der „Humanistischen Jugendfeier“ eine rationale Alternative zur Konfirmation oder Firmung an. Der HVD vertritt die Interessen der Konfessionsfreien gegenüber der Politik und fordert eine strikte Gleichbehandlung von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften. Er zeigt, dass Humanismus gelebte Praxis ist, die von der Geburtsbegleitung bis zur Sterbehilfe reicht.
| Organisation | Land | Fokus & Besonderheiten |
|---|---|---|
| Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) | DE | Evolutionärer Humanismus, Forschung, Rechtsstreite. |
| Humanistischer Verband Deutschlands (HVD) | DE | Praktische Lebenshilfe, Rituale, Trägerschaft von Kitas. |
| Humanistischer Verband Österreich (HVÖ) | AT | Laizismus, Kampf gegen kirchliche Privilegien, Akademie. |
| Freidenker-Vereinigung der Schweiz (FVS) | CH | Trennung von Staat und Kirche, Wissensfestival „Denkfest“. |
Säkularer Humanismus in Österreich
Österreich ist historisch tief katholisch geprägt, was die Arbeit des Humanistischen Verbands Österreich (HVÖ) umso wichtiger macht.
Der HVÖ setzt sich für eine faktenbasierte Weltsicht und die totale Trennung von Kirche und Staat ein. Ein besonderes Highlight ist die „Humanistische Akademie Österreich“, die Bildungsangebote zu Themen wie Ethik ohne Gott und wissenschaftlicher Weltanschauung koordiniert.
Der Verband ist zudem ein wichtiger Ansprechpartner für Betroffene kirchlicher Gewalt und kämpft für ein liberales Sterbehilfegesetz.
Ausdrücklich empfohlen sei an dieser Stelle der Radio-Athikan-Podcast, der sich mit Religion, Religionskritik, Laizismus und Säkularisierung befasst.
Säkularer Humanismus in der Schweiz
In der Schweiz vertritt die Freidenker-Vereinigung der Schweiz (FVS) die Interessen der Konfessionslosen unter dem treffenden Motto „säkular – humanistisch – rational“.
Die FVS hat eine lange Tradition im Kampf für die Geistesfreiheit und organisiert regelmäßig das „Denkfest“, eine der größten Veranstaltungen für Wissenschaft und Humanismus im deutschsprachigen Raum.
Mit dem „Camp Quest“ bietet sie zudem ein Sommerlager für Kinder an, in dem kritisches Denken und wissenschaftliche Experimente im Vordergrund stehen – weit weg von jeder religiösen Indoktrination. Die FVS zeigt eindrucksvoll, dass eine moderne Gesellschaft auf die „Gottesfrage“ verzichten kann, solange sie auf die Vernunft setzt.
Humanistischer Pressedienst
Der Humanistische Pressedienst (hpd) ist quasi das Zentralorgan des säkularen Humanismus im deutschsprachigen Raum. Er entstand auf Initiative der Giordano-Bruno-Stiftung und des Humanistischen Verbandes Deutschlands und ging im August 2006 online.
Der hpd versteht sich als Presseportal, das die Anliegen humanistisch-aufklärerischer Positionen öffentlichkeitswirksam präsentiert, damit diese in der Politik und den Medien größere Beachtung finden. Getragen wird die Arbeit von einem gemeinnützigen Verein, der eigens für die Finanzierung der redaktionellen Arbeit gegründet wurde.
Die Redaktion des hpd orientiert sich an einem wissenschaftlichen Weltbild, dem diesseitigen Leben und den Traditionen der Aufklärung. Der hpd fühlt sich humanistischen Grundsätzen wie der Selbstbestimmung und Verantwortung des Individuums, der Gleichheit und Freiheit der Menschen, den Prinzipien der Vernunft und Toleranz sowie der sozialen Gerechtigkeit und dem Pluralismus verpflichtet.
Aktuelle Beiträge des hpd
Im nachfolgenden lädt der RSS-Feed des hpd die aktuellen Beiträge.
- Auf ihrer Landesdelegiertenkonferenz am 14. und 15. Februar hat Bündnis 90/Die Grünen in Berlin ihr neues Landeswahlprogramm beschlossen. Die LAG Säkulare konnte dabei zentrale Änderungen durchsetzen, etwa zur erweiterten Definition […]
- Gerfried Pongratz ist nach einer Krankheit, die schnell immer schwerer wurde, am 5. Februar 2026 selbstbestimmt aus dem Leben geschieden. Frank Nicolai erinnert an einen Freund, den er nie persönlich […]
- "Muskismus. Aufstieg und Herrschaft eines Technoking", so ist ein neues Buch über den reichsten Mann der Welt überschrieben. Die beiden Autoren, Quinn Slobodian und Ben Tarnoff, sehen in ihm ein […]
- Der hpd hatte über die Tech-Bros und die Ideologie der Neoreaktion berichtet . Nun trat Curtis Yarvin bei einer Veranstaltung der Gruppe Aktion 451 auf, die der Identitären Bewegung nahesteht…
- Dieter Kaiser lebt nicht mehr. Das Gründungsmitglied der Giordano-Bruno-Stiftung Bodensee ist am Mittwoch vergangener Woche im stolzen Alter von 88 Jahren verstorben. Ein Nachruf von Alexander Wolber.
- Der Sterbehilfeaktivist Philip Nitschke, einst australischer Arzt, hat seine neueste Erfindung vorgestellt: Ein Suizidhalsband namens "Kairos" zum raschen und schmerzfreien Tod. Seine Mission: Vernunftfähige Suizidwillige sollen einfachen und erschwinglichen Zugang […]
Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters
Dass Religionskritik und säkularer Humanismus nicht immer bierernst daherkommen muss, zeigt sich in der Spaßreligion der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters.

Die mit der Giordano-Bruno-Stiftung vernetzte Kirche des FSM setzt sich für den evolutionären Humanismus ein und fördert zum Beispiel Evolutions-Lehrpfade.
Außerdem identifiziert sie sich weltanschaulich mit den „10 Angeboten des evolutionären Humanismus“.
Evolutionärer Humanismus: wissenschaftliches Update des Humanismus
„Evolutionärer Humanismus“? Dieser Begriff sorgt manchmal für Verwirrung darüber, was den Humanismus plötzlich „evolutionär“ macht.
Während der säkulare Humanismus eher den breiten philosophischen und politischen Rahmen bildet – also die Forderung nach Trennung von Staat und Kirche sowie eine rationale Ethik –, ist der evolutionäre Humanismus eine spezifische, modernisierte Strömung.
Man könnte sagen: Der säkulare Humanismus ist das bewährte Betriebssystem, der evolutionäre Humanismus ist das wissenschaftliche Update mit integrierter Biologie-Erweiterung.
Was macht den Humanismus „evolutionär“?
Der entscheidende Unterschied liegt im Fokus: Der evolutionäre Humanismus begreift den Menschen konsequent als Resultat eines Milliarden Jahre dauernden Naturprozesses.
Er nutzt die Erkenntnisse der Evolutionsbiologie, der Neurowissenschaften und der Psychologie, um fundamentale Fragen zu beantworten, auf die Religionen nur Märchenschleier werfen.
Während allgemeine säkulare Humanisten oft stark von der Tradition der Aufklärung und den Menschenrechten her argumentieren, liefert der evolutionäre Humanismus die biologische Begründung dafür mit.
Ethik ist hier keine reine Kulturleistung, sondern ein evolutionärer Vorteil. Wir handeln moralisch, weil Kooperation das Überleben unserer Spezies gesichert hat – ein Prozess, der tief in unserer neuronalen Architektur verankert ist.
Der evolutionäre Humanismus ist somit radikal naturalistisch: Er ersetzt das „Warum?“ der Theologie (das meist auf einen imaginären Sinngeber hinausläuft) durch das „Wie?“ der Naturwissenschaften. Er ist eine „positive“ Weltsicht, die versucht, wissenschaftlich fundierte Antworten auf die Sinnsuche zu geben.
Die Rolle der Giordano-Bruno-Stiftung und Michael Schmidt-Salomon
Diese spezifische Strömung ist untrennbar mit der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) und ihrem Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon verbunden. Er formulierte das „Manifest des evolutionären Humanismus“, das quasi zum Standardwerk der Bewegung im deutschsprachigen Raum wurde. Die gbs versteht den evolutionären Humanismus als „säkulare Alternative zu den bestehenden Religionen“.
Im Vergleich zum eher traditionellen Humanismus (wie er teils im HVD gepflegt wird), tritt der evolutionäre Humanismus schärfer und religionskritischer auf.
Er betont, dass wir „falsche Ideen sterben lassen müssen, bevor Menschen für falsche Ideen sterben“. Hier geht es nicht nur um Toleranz, sondern um die aktive Entlarvung religiöser Dogmen als hinderliche Relikte der menschlichen Kindheitsphase.

Warum der säkulare Humanismus die Zukunft ist
Wenn wir uns die großen Herausforderungen der Gegenwart ansehen – vom Klimawandel bis zur Regulierung künstlicher Intelligenz –, dann wird klar: Religiöse Dogmen haben hierauf keine Antworten.
Wer darauf wartet, dass ein Schöpfer die Erderwärmung per Dekret stoppt, handelt unverantwortlich. Der säkulare Humanismus hingegen bietet die Werkzeuge, die wir brauchen: Wissenschaftliche Analyse, ethische Reflexion auf Augenhöhe und den Glauben an die menschliche Fähigkeit zur Verbesserung.
Es ist an der Zeit, die religiösen Irrwege hinter uns zu lassen und die Verantwortung für diesen Planeten und unser Zusammenleben selbst in die Hand zu nehmen. Säkularer Humanismus ist kein trockener Akademismus, sondern eine leidenschaftliche Liebe zum Leben, wie es wirklich ist – ohne den Filter des Übernatürlichen.
Du möchtest ab und zu eine Verkündigung? Abonniere hier den Newsletter.






Kommentar verfassen